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Freitag, 21.04.2017

Staatsschauspiel Dresden mit etlichen Premieren und neuem Chef

Was kann das Theater in einer sich rasch veränderten Welt bewirken? Die Macher stehen vor vielen Herausforderungen. Nur eines steht fest: Theater muss sich weiter einmischen.

Blick vom Hausmannsturm des Schlosses über den Zwinger auf das Staatsschauspiel Dresden.
Blick vom Hausmannsturm des Schlosses über den Zwinger auf das Staatsschauspiel Dresden.

© dpa

Dresden. Das Staatsschauspiel Dresden bietet in der ersten Saison mit Joachim Klement als Intendant etlichen Premieren. Der neue Chef kündigte am Freitag 26 Neuinszenierungen an, darunter zehn Uraufführungen und eine deutschsprachige Erstaufführung. Klement, der von seiner bisherigen Wirkungsstätte am Staatstheater Braunschweig sieben Schauspieler mit nach Dresden bringt, will Theater als „soziales Labor“ betreiben. Theater sei ein wesentlicher Freiraum der Demokratie und habe die Aufgabe, ideologiefrei durchzuspielen, „was die Welt im Innersten zusammenhält“.

Bevor der designierte Intendant auf den Spielplan einging, erinnerte er an das Umfeld: „Wir leben in Zeiten, die sich rasant ändern“, sagte Klement und verwies auf Globalisierung sowie digitale Revolution. Vielen Menschen suchten wegen Perspektivlosigkeit und Kriegen in ihrer Heimat in Europa Zuflucht. Das wiederum führe zu Besorgnissen bei Einheimischen. Ängste würden instrumentalisiert und führten nicht selten zu Hass. Theater müsse in einer solchen Situation die Welt größer zeigen als man sie vermute.

Bereits zum Saisonauftakt machen die Dresdner klar, dass sie Theater als Bühne für gesellschaftspolitische Debatten verstehen. Das Format „Die Wahlokratie: Fin de Partie“ soll Leute zusammenbringen, die in Deutschland nicht wählen dürfen weil sie beispielsweise Flüchtlinge sind und jene, die nicht wissen, wen sie wählen sollen. Das Stück „Nationalstraße“ nach einem Roman von Jaroslav Rudis zeigt das Porträt eines tschechischen Wutbürgers. Aber auch bekannte Werke wie Arthur Millers „Hexenjagd“ oder „Die Nashörner“ von Eugène Ionesco fügen sich in das Konzept ein.

Das Festival „Fast Forward“ für junge Regisseure bringt Klement aus Braunschweig nach Dresden mit. Es soll hier erstmals vom 2. bis 5. November 2017 stattfinden. Namhafte Ensembles kommen zu Gastspielen nach Dresden, so das Deutsche Schauspielhaus Hamburg, das Deutsche Theater Berlin, das Bayerische Staatsschauspiel und das Schauspiel Zürich. Das eigene Ensemble wird kräftig durchgemischt.

Klement erhielt allerdings auch ein paar Absagen von Schauspielern, die es vorzogen, wegen ihres Aussehens lieber nicht in der Pegida-Hochburg Dresden zu leben. (dpa)

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