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Montag, 20.03.2017 Der Krimi am Sonntag

Sie nannten sie Kaffeetasse

Sibel Kekilli ist die große Heldin des Tatorts aus Kiel. Schade, dass sie als Kommissarin aufhört.

Von Heinrich Maria Löbbers

Sie war nicht nur die Frau in seinem Schatten. Ohne Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) wird es Kommissar Borowski (Axel Milberg) schwer haben.
Sie war nicht nur die Frau in seinem Schatten. Ohne Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) wird es Kommissar Borowski (Axel Milberg) schwer haben.

© NDR

Nur zwei Worte und dazu eine Zigarette. Ausgerechnet der fiese Vorgesetzte vom LKA sagt: „Gut gemacht!“ Es ist eine Genugtuung für Sarah Brandt. Zwar ist die junge Kommissarin am Ende fix und fertig, aber sie ist die eigentliche Heldin dieses Tatorts. Am Anfang haben ihre Machokollegen sie noch als „Kaffeetasse“ ihres Chefs bezeichnet. Von wegen. Im Laufe der Ermittlungen erweist sie sich als intelligente und selbstbewusste, rabiate und rasante Ermittlerin – inklusive atemberaubender Verfolgungsjagd, Epilepsieanfall und brechreizerregender Begegnung mit einer verwesten Leiche. Beinahe eine weibliche Schimanski. Zum Schluss tötet sie auch noch den Täter auf bestialische Weise mit einer Tierfalle. Man ahnt, dass dieser Fall diese Frau nachhaltig verändern wird.

Und in der Tat: es war ihr vorletzter Einsatz. Schauspielerin Sibel Kekilli, die seit sieben Jahren an der Seite von Axel Milberg in Kiel ermittelt, hört auf mit Tatort. Was sehr, sehr schade ist. Dieser Fall belegt erneut: Das Duo Borowski/Brandt hat sich zu einem der besten Tatortteams entwickelt. Deshalb muss jetzt mal diese coole Frau und nicht der „alte und frustrierte“ Mann gewürdigt werden. Wie immer lebt auch dieser Fall vom Miteinander zwischen dem altmodisch-analogem Grübler und der pfiffigen Hackerin, die ihm die Onlinewelt erklärt. Dieses Mal auf besonders krasse Weise im berüchtigten Darknet. Viel hat man schon davon gehört, zuletzt bei den schrecklichen Morden in Herne. Kapiert haben es wohl nur wenige. Wie gut, dass dieser Film zwischendurch als animierter Volkshochschulkurs daherkommt. Witzige Idee, diese Einspielvideos. Immer häufiger geht es im Tatort ja um Bitcoins, Trojaner und diesen digitalen Kram. Besonders originell ist das Thema nicht mehr.

Axel Milberg braucht als Borowski also künftig jemand anderen, der ihn durch die schöne neue Welt lotst. Sibel Kekilli mag nicht mehr. „Ich möchte als Schauspielerin wieder mehr Freiraum haben“, hat die 36-Jährige gesagt. Sie ist nicht die einzige, die aufhört. Kopper lässt Odenthal in Ludwigshafen im Stich, Lürsen und Stedefreund in Bremen hören auf, ebenso Hanns von Meuffels im Polizeiruf. Die Ermittlerflucht hängt wohl mit der Tatort-Inflation zusammen. Es blickt ja keiner mehr durch, wer nun wo ermittelt. Mancher Kommissar verschwindet schon wieder, bevor man sich seinen Namen gemerkt hat. Doch Sibel Kekilli, die wird man vermissen.

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