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Donnerstag, 20.04.2017

Politik mit Spargel und Riesling

50 Jahre nach dem Tod von Konrad Adenauer eröffnet die neue Ausstellung des Museums Adenauerhaus bei Bonn.

Von Claudia Rometsch

Konrad Adenauer war von 1949 bis 1963 erster Bundeskanzler und in den 50er-Jahren zugleich Außenminister.
Konrad Adenauer war von 1949 bis 1963 erster Bundeskanzler und in den 50er-Jahren zugleich Außenminister.

© dpa

Als der französische Außenminister Antoine Pinay Konrad Adenauer im November 1955 in dessen Haus in Rhöndorf besuchte, hatte der Bundeskanzler alles minutiös geplant. Handschriftlich übermittelte er der Köchin das Menü: Spargel mit Schinken, Rehrücken, Käse und Obst. Dazu holte er einen Riesling von der Mosel aus dem Keller. Der Menüzettel und die Weinflasche gehören zu den rund 450 Exponaten der neu gestalteten Dauerausstellung im Museum Adenauerhaus.

„Daran kann man sehen, wie Adenauer Politik machte“, erklärt Projektleiter Jürgen Schmied. Er überließ nichts dem Zufall, vor allem, wenn es um das Verhältnis zum französischen Nachbarn ging. „Seine Idee von einem vereinten Europa ist ein Grund, warum Adenauer heute noch interessant ist“, erklärt die Geschäftsführerin der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus, Corinna Franz.

Die Liebe zur Rose und zum Eintopf

Die Aktualität des Wirkens und der Ideen des ersten deutschen Bundeskanzlers stehen im Mittelpunkt der von Grund auf neu konzipierten Ausstellung im Museum Adenauerhaus in Bad Honnef-Rhöndorf. Als das Museum vor 15 Monaten für seine Renovierung schloss, war genau dieser Bezug zur heutigen Politik für immer weniger Besucher selbstverständlich. Unter dem Titel „Konrad Adenauer 1876 – 1967. Rheinländer, Deutscher, Europäer“ werde das Leben Adenauers nun völlig neu erzählt, sagt Franz. Dafür wurde das Museum für 2,3 Millionen Euro umgebaut. Die Ausstellungsfläche vergrößerte sich von 230 auf 300 Quadratmeter und umfasst nun auch Hörstationen, Touchscreens und einen Multifunktionsraum. Hinzu kamen 100 neue Exponate. Standen in der früheren, 20 Jahre alten Ausstellung der Bundeskanzler und seine Außenpolitik im Mittelpunkt, beginnt die neue Schau chronologisch in der Jugend Adenauers. So erfährt der Besucher, in was für eine Zeit der Kölner hineingeboren wurde: Kaiserreich statt Demokratie. Neueste Errungenschaft auf den damaligen Straßen der Domstadt: statt Pferdebahnen elektrische Straßenbahnen.

Neu in der Ausstellung ist auch der Blick auf Adenauers Zeit als Kölner Oberbürgermeister (1917 – 1933). Eine Karte mit Touchscreen zeigt, mit welchen Projekten er die Stadt bis heute geprägt ha, eta die Anlage des Grüngürtels oder den Bau des Flughafens und der Messe.

Es folgt die Zeit des Nationalsozialismus. Adenauer wird bedroht, muss aus der Stadt flüchten. Filmausschnitte zeigen den Aufmarsch der Nazis vor dem Kölner Rathaus. Der Blick in die karge Zelle der Haftanstalt Brauweiler steht für seine düstersten Tage nach seiner Verhaftung 1944.

Den größten Raum der neuen Dauerausstellung nimmt natürlich Adenauers Wirken als erster deutscher Bundeskanzler ein. Auch dieses Kapitel startete in Rhöndorf. Nach der ersten Bundestagswahl 1949 lud Adenauer die Spitzenpolitiker der Parteien per Telegramm in sein Haus ein. Während Kaffee aus Tassen mit Goldrand getrunken wurde, machte „der Alte“ seine Kanzlerschaft perfekt.

Die Besucher lernen Adenauer aber auch als Privatmann kennen. Seine lederne Tasche mit Boccia-Kugeln erinnert an seine Vorliebe für dieses Spiel. Man sieht ihn als Gärtner seine Rosen pflegen. Seine Rezepte-Sammlung gibt Einblick in seinen Speiseplan: Am liebsten mochte der Kanzler Eintöpfe, Suppen und Aufläufe. (epd)

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