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Dienstag, 21.03.2017

Peter Schreier und ein neuer Mozart

Eigentlich will der Starmusiker nicht mehr arbeiten. Für die Staatskapelle kehrt er jedoch ans Pult zurück – eine von vielen Sternstunden in der Saison 2017/18.

Von Bernd Klempnow

Peter Schreier, der lieber gärtnert als zu musizieren, lässt sich von der Staatskapelle zu einem Dirigat überreden.
Peter Schreier, der lieber gärtnert als zu musizieren, lässt sich von der Staatskapelle zu einem Dirigat überreden.

© kairospress

Gut, dass Peter Schreier so inkonsequent ist. Eigentlich hatte der Dresdner Starmusiker 2014 angekündigt, sich endgültig von den Bühnen zurückziehen zu wollen. „Ich bin ein so leidenschaftlicher Gärtner.“ Doch immer wieder lässt sich der einst weltweit als Tenor und Dirigent gefeierte Künstler überreden, zu musizieren. Er tat es schon mehrfach mit den Dresdner Philharmonikern. Im September wird der dann 82-Jährige wieder mal vor der Sächsischen Staatskapelle Dresden stehen. „Ich bin froh, dass wir mit Peter Schreier dieses Monument der Musikgeschichte bei uns haben“, sagte am Montag Chefdirigent Christian Thielemann bei der Präsentation der kommenden Spielzeit 2017/18. „Er hat mich in seinem Metier geprägt wie kaum ein anderer. Er ist für mich der Bach-, Mozart- und Lied-Interpret par excellence. Und ist trotzdem ein so bescheidener, feiner Mensch geblieben.“

Doch nicht allein die Rückkehr der Musiklegende auf das Podium ist eine Sensation. Schreier wird die Uraufführung von Mozart-Noten dirigieren. Der britische Komponist Jeffrey Ching, der mit der Kapelle über eigene Kompositionen in Kontakt ist, hat Fragmente und ein Adagio von Wolfgang Amadeus zu einem Trippelkonzert vervollständigt und adaptiert. Die Sinfonia concertante A-Dur will Schreier mit Stimmführern der Kapelle und dem Orchester zum 469. Gründungstag des Klangkörpers am 22. September im Palais im Großen Garten Dresden erstmals musizieren. „Mich ehrt die Einladung speziell zu diesem Anlass und ich freue mich auf den neuen Amadé“, sagte Schreier am Montag auf SZ-Anfrage. „Neben Bach hat mich ja Mozart ein Leben lang begleitet, da kommt mir die Sinfonia gerade recht. Sie ist ein typischer Mozart geworden, ein Gewinn.“

Im zweiten Teil des Konzerts erklingt Schuberts Unvollendete. Auch die habe besondere Bedeutung für Schreier. „Es ist die einzige Sinfonie von meinem vertrauten Schubert, die ich aufgenommen habe.“ Nur hat der Star ein Problem: „Ich weiß gar nicht, ob in der Kapelle noch Musiker sind, die ich kenne. Und wahrscheinlich ist, dass mich die Musiker nicht mehr kennen.“ Typisch Schreier! Wie meinte Thielemann? „Ein so bescheidener, feiner Mensch.“

Eine Vielzahl von Ausnahmekünstlern wird die kommende Spielzeit der Staatskapelle gestalten. Neben den zwölf Sinfoniekonzerten gibt es eine Reihe von Kammer- und Sonderaufführungen. Chef Thielemann will „Straßen weitergehen und neue Wege erkunden“. Noch nie hat er, der Bruckner-Experte, die erste Sinfonie des Komponisten geleitet. Damit eröffnet er die Spielzeit. Des Weiteren will er sich stärker dem Klangmagier Gustav Mahler widmen, von dem er bislang wenig gemacht hatte, „weil es sich nicht ergab“. Die dritte Sinfonie mit Mezzosopranistin Elina Garanca als Solistin wird der Start zu dieser neuen Auseinandersetzung sein.

Ein Künstler, mit dem sich Thielemann „musikalisch blind versteht“, der Pianist Denis Matsuev, ist der nächste Capell-Virtuose. Capell-Compositeur ist der in Deutschland lebende Este Arvo Pärt, der mit extrem reduzierten, raffiniert strukturierten und im tiefen Glauben verwurzelten Werken Hits der Klassik wie „Tabula rasa“ und „Fratres“ schuf. Von Pärt erklingen 19 Werke, darunter die eher selten zu erlebende Sinfonie „Los Angeles“.

Geschätzte Dirigenten wie der dann 90-jährige Herbert Blomstedt und der Kapellen-Debütant Antonio Pappano werden erwartet. Als Solisten dürften die Geiger Nikolaj Znaider und Gidon Kremer, die Pianisten Rudolf Buchbinder und Yundi Li für Sternstunden sorgen.

Doch hat diese Güte ihren Preis. „Um weiterhin Engagements von Spitzenkünstlern ermöglichen und die erwartete Qualität in unseren Konzerten garantieren zu können, mussten wir die über Jahre stabilen Eintrittspreise für die neue Saison erhöhen“, so Orchesterdirektor Jan Nast. Die Preisanpassung sei aber sozialverträglich gestaltet worden. „Die günstigeren Platzgruppen werden prozentual weniger belastet als die teureren. Der Preis für das billigste Sinfonie-Ticket bleibt mit 13 Euro unverändert.“ Ebenso blieb die prozentuale Rabattierung beim Kauf eines Abonnements. Der Vorverkauf startet am Mittwoch 10 Uhr in der Schinkelwache Dresden.

Info-/Kartentel. 0351 4911705

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