• Einstellungen
Mittwoch, 11.10.2017

Massefhase trifft rosaroten Flamingo

Das Dresdner Akustik-Techno-Trio Komfortrauschen liefert mit seinem neuen Album „Plaste“viel mehr als dumpfe Tanzmusik.

Von Viktor Dallmann

Gruppenbild mit Speiseeis und Aufblas-Flamingo: Die Dresdner Band Komfortrauschen beweist auf ihrer neuen Platte, wie vielschichtig technoide Musik sein kann. Foto:
Gruppenbild mit Speiseeis und Aufblas-Flamingo: Die Dresdner Band Komfortrauschen beweist auf ihrer neuen Platte, wie vielschichtig technoide Musik sein kann. Foto:

© PR

Sechs Songs sind auf der neuen Platte von Komfortrauschen zu hören. Nur sechs? Ja, aber nicht sechsmal Plätschern, sondern sechsmal großes Erlebnis. Das Trio erschafft komplexe Klangwelten, erzählt Geschichten mit hämmerndem Schlagzeug und pulsierenden Gitarrenriffs.

Dass die neue EP der drei Dresdner Musiker Laurenz Karsten, Phillip Oerthel und Tim Sarhan „Plaste“ heißt, mag den unwissenden Hörer auf eine falsche Fährte locken. Komfortrauschen machen alles andere als Plastik-Musik. Auf ihrer Homepage findet man die Genrezuschreibung „technoid-elektroakustische Tanzkapelle“ – okay, das ist umfassend, aber sehr treffend.

„Plaste“ eröffnet mit dem Song „Dorian“, energetische, exakt schlagende Pauken, darüber pulsierende Harmonien – das macht wach und Lust auf die nächsten fünf. Beim zweiten Track „Hank“ vergisst man immer mal wieder, dass da drei Jungs an echten Instrumenten herumwerkeln, so strukturiert klingt es, so schleichend ändern sich Details des Beats. Anders kommt da Nummer drei, „Massefhase“, daher: mit jazzigem, sommerlichem Einstieg und immer dominanter werdender Blues-Gitarre, auf der hallende Akkorde scherbeln.

Zum Song „Malo“ findet man auf Youtube ein ausgesprochen witziges Video, so viel sei motivisch verraten: Helme und Hometrainer spielen mit, ebenso Knacker und Kaleidoskop. Der vorletzte Song „Jänna“ ist eine Ode an die Mikrogeräusche: Es kratzt, raschelt, knirscht und ja, daraus kann man einen funktionierenden Song machen. Minimal dosierte Beats und sphärische Klangflächen – das ist keine Musik exklusiv für Techno-Fans.

Die EP endet mit „Le Stuff“. Harmonische Synthies, die wellenförmig plätschern, entferntes Hämmern, Pfeifen und Klatschen. Themen überlagern sich, zusammengeschnürt von einer Disco-Bassline. Komfortrauschen beweisen auf „Plaste“ wieder einmal, wie vielschichtig technoide Musik sein kann.

Heraus kommt dabei kein Soundtrack zum Autofahren oder Gemüseschnippeln, sondern Musik zum Musikhören. Klangbilder, Geräusche, Taktschläge zischen vorbei, hinterlassen einen wippenden Fuß und das Gefühl, gerade eben von einer Reise durch das eigene musikalische Gedächtnis zurückgekehrt zu sein. Rauschen kann so komfortabel sein.

Komfortrauschen, Plaste. Springstoff Berlin Das Konzert im Dienstagssalon, 31.10., Festspielhaus Hellerau, Dresden

Desktopversion des Artikels

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Ihr Kommentar zum Artikel

    Bitte füllen Sie alle Felder aus.

    Verbleibende Zeichen: 1000
    Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein