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Donnerstag, 07.12.2017

Lieber Fremder sein

Schauspieler Moritz Bleibtreu will andere Filme machen: über und für Migranten.

Von Wiebke Dördrechter, Hamburg

Moritz Bleibtreu will, dass im Kino nicht mehr nur mit dem Blick von außen auf Menschen mit nicht-deutschem Hintergrund geschaut wird – und produziert nun selbst Filme.
Moritz Bleibtreu will, dass im Kino nicht mehr nur mit dem Blick von außen auf Menschen mit nicht-deutschem Hintergrund geschaut wird – und produziert nun selbst Filme.

© dpa/Monika Skolim

Er hat den berühmtesten Dackelblick Deutschlands, viele kriegen selbst ein leicht debiles Gesicht, wenn sie sehen, wie Moritz Bleibtreu einen seiner Mundwinkel hebt. Mit Filmen wie „Knockin’ on Heaven’s Door“, „Lola rennt“ oder „Im Juli“ wurde Bleibtreu zu einem der bekanntesten deutschen Schauspieler.

Jetzt will er neue Wege beschreiten und selbst Filme produzieren. Im nächsten Jahr erscheinen gleich zwei: „Nur Gott kann mich richten“ und „Familiye“. Beide spielen im migrantischen Milieu in Deutschland. Mit der Wochenzeitung Die Zeit sprach Moritz Bleibtreu jetzt darüber, dass er explizit ein Migrantenkino schaffen wolle: „Wir erzählen von der Minderheit mit der Minderheit für die Minderheit.“ Bisher seien Migranten im deutschen Kino vor allem mit dem Außenblick dargestellt worden, das wolle er mit seinen Filmen ändern.

Moritz Bleibtreu wurde 1971 geboren und wuchs im Hamburger Stadtteil St. Georg auf. Er wandte sich damals von der eigenen Familie ab und türkischen Nachbarsfamilien zu, sagte Bleibtreu der Zeit. Seine Mutter war die Schauspielerin Monica Bleibtreu, von ihrem Lebensstil als Punkrockerin habe er sich distanzieren wollen. „Der Deutsche oder der Kanake – ich habe mich damals für die andere Seite entschieden,“ sagte Bleibtreu in dem Interview.

In mehreren Filmen des Regisseurs Fatih Akin spielte Bleibtreu ab 2000 mit, immer ging es mehr oder weniger direkt um das Flüchtlingsthema. Nun will Bleibtreu selbst Filme über und für Menschen mit Migranten-Hintergrund produzieren. „Dieses Kino transportiert auch ein Ideal von Familie und Zusammenhalt, das in unserer Gesellschaft etwas verlorengegangen ist“, so Bleibtreu. Die Regeln und Gesetze des migrantischen Milieus seien sehr direkt. Begriffe wie Ehre, Würde und Stolz hätten eine konkrete Bedeutung. Den Vorwurf, dass seine Filme frauenfeindlich seien, weist er zurück: „Es ist halt wirklich ein vollkommener Quatsch.“ Das Frauenbild von Einwanderern sei zwar häufig ein anderes, aber deshalb nicht frauenfeindlich. „So einfach ist das nicht“, sagt Bleibtreu.

Der Film „Nur Gott kann mich richten“ kommt am 25. Januar in die Kinos, Bleibtreu spielt darin selbst die Hauptrolle. Der Dackelblick ist hier vermutlich eher selten zu sehen. (SZ)

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