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Samstag, 30.12.2017

Kannibale und Gentleman

Anthony Hopkins zählt zu den besten Verwandlungskünstlern im Film. Auch mit 80 Jahren macht der britische Star weiter.

Von Barbara Munker

Immer eine gute Figur: Anthony Hopkins feiert seinen 80.
Immer eine gute Figur: Anthony Hopkins feiert seinen 80.

© dpa

Mit grauem Rauschebart und Zöpfchen im Haar verwandelte sich Anthony Hopkins zuletzt in den einäugigen Göttervater Odin. Wie ein lässiger Alt-Hippie kam der britische Star in der nordischen Götter-Saga „Thor: Tag der Entscheidung“ daher. Nur wenige Monate zuvor ließ es der Schauspieler in Michael Bays Roboterspektakel „Transformers: The Last Knight“ krachen. An der Seite von Mark Wahlberg und angsteinflössenden Kampfmaschinen behielt Sir Anthony Hopkins als distinguierter englischer Land-Adliger die Ruhe.

Hopkins, der an diesem Sonntag 80 Jahre alt wird, hat die Messlatte als genialer Verwandlungskünstler hoch gehängt. In dem Bibel-Epos „Noah“ ergraute er zu Methusalem, in „Hitchcock“ nahm er die Gestalt seines Landsmannes Alfred Hitchcock an. Die Ähnlichkeit mit Halbglatze, Doppelkinn und Extra-Pfunden, so wie Hitchcock um 1960 aussah, als sein Horror-Schocker „Psycho“ den Kinogängern Gänsehaut einjagte, war verblüffend.

Der Weg des Bäckersohns

Mit Gruselstoffen kennt sich Hopkins aus. Als psychopathischer Hannibal Lecter in „Das Schweigen der Lämmer“ holte er 1992 den Oscar als bester Hauptdarsteller. Nur 16 Minuten ist er auf der Leinwand zu sehen, doch das reicht. Das Duell zwischen dem mörderischen Kannibalen und der standfesten FBI-Agentin Clarice Starling (Jodie Foster) schrieb Filmgeschichte.

Er wird als Schauspiellegende verehrt, doch seinen großen Erfolg spielt er als „Glück im Leben“ herunter. Er habe keinen derartigen Ehrgeiz gehabt, sagte Hopkins im vorigen Juni. „Manchmal kommt man an eine Tür, hat Glück, und sie öffnet sich.“ Man könne nur wenige Dinge steuern, betonte der Star. „Ich denke, man soll im Leben sein Bestes geben, freundlich, großzügig und hilfsbereit sein und dabei ein bisschen Spaß haben.“

Für den Sohn einer Bäckerfamilie in Wales war es ein schwieriger Weg in die
Topriege der Schauspieler. Hopkins, der sich mit minimaler Mimik eine so starke Leinwandpräsenz verschafft, war lange von Furcht und Unsicherheit geplagt. In der Schule galt er als Eigenbrötler. Nach dem Militärdienst schaffte er 1961 die Aufnahme an die Royal Academy of Dramatic Art in London. Am Theater konnte er sich den Ruf eines vielseitigen Charakterdarstellers erwerben. Allein als „King Lear“ stand er zahllose Male auf der Bühne.

Doch er galt auch als schwierig und unberechenbar, legte sich gerne mit seinen Regisseuren an. Zerbrochene Ehen, Alkohol; in Interviews spricht er offen über zurückliegende Dramen. Seit 2003 ist er in dritter Ehe mit der Kollegin Stella Arroyave verheiratet. Mit britischem Pass und amerikanischer Staatsbürgerschaft lebt er zumeist im kalifornischen Strandort Malibu.

Über hundert Film- und Fernsehauftritte hat Anthony Hopkins in seiner 50-jährigen Karriere absolviert. Er war Adolf Hitler in „Der Bunker“ (1981), Quasimodo in „Der Glöckner von Notre Dame“ (1982) und der gefallene US-Präsident Richard Nixon in Oliver Stones „Nixon“ (1995). Für ihn selbst gehört die Rolle des aufopfernden, allzu perfekten Butlers in dem Drama „Was vom Tage übrig blieb“ (1993) zu seinen wichtigsten Filmen. Damals drehte Hopkins zum ersten Mal mit Emma Thompson. Fast 25 Jahre danach stehen die gefeierten Briten wieder gemeinsam vor der Kamera; für eine neue Verfilmung von Shakespeares „King Lear“, mit ihm selbst in der wohlbekannten Rolle des titelgebenden Monarchen. Der Kinostart ist für 2018 geplant.

Doch zuvor steht Hopkins’ 80. Geburtstag am Silvesterabend an. Eine Anfrage bei seinen Sprechern, wie der Star das runde Jubiläum feiern werde, blieb ohne Antwort. Vielleicht drückt sich Anthony Hopkins vor einer großen Party. „Ich bin kein Partygänger“, sagte er unlängst der Zeitschrift Men’s Health. An Silvester würde er am liebsten früh ins Bett gehen. „Doch meine Frau schimpft dann ‚Wir bleiben wach und feiern!‘ Also tue ich das.“ (dpa)

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