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Mittwoch, 11.10.2017 TV-Tipp

Durchbuddeln bis nach Australien

„Zuckersand“ ist ein zutiefst berührender ARD-Film über eine Kinderfreundschaft in der DDR.

Von Marco Krefting

Fred (Tilman Döbler, r.) und Jonas (Valentin Wessely) halten mit einem Feldstecher Ausschau. Von der Mauer aus können die beiden Jungs bis zur DDR-Grenze sehen.
Fred (Tilman Döbler, r.) und Jonas (Valentin Wessely) halten mit einem Feldstecher Ausschau. Von der Mauer aus können die beiden Jungs bis zur DDR-Grenze sehen.

© PR

Schaufel für Schaufel graben zwei Zehnjährige einen Krater in den sandigen Boden Brandenburgs. Fred und Jonas wollen direkt nach Australien – 12 742 Kilometer mitten durch die Erde. Doch über ihrer Freundschaft schwebt das Damoklesschwert von Jonas’ Ausreise aus der DDR. Der Film „Zuckersand“, den das Erste am Mittwoch zeigt, spielt Ende der 70er-Jahre.

Die unterschiedlichen Systeme, Ost und West, prallen in Form der Familien der beiden Jungen aufeinander: Freds Vater – gespielt vom Dresdner Christian Friedel – ist Grenzbeamter, seine Frau linientreu. Fred selbst soll in einer Olympiaschmiede auf eine Karriere als Läufer vorbereitet werden. Jonas’ alleinerziehende Mutter hingegen will in den Westen. Auch wenn der Antrag lange nicht genehmigt wird, gelten sie und ihr Sohn bereits als Staatsfeinde. Freds Vater verbietet seinem Sprössling den Umgang mit dem besten Freund.

Autor und Regisseur Dirk Kummer zeigt ein berührendes Drama über Freundschaft, das auf dem Filmfest in München mit dem Bernd-Burgemeister-Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. Er hat darin auch eigene Erfahrungen verarbeitet. Phasenweise wirken die Bilder ausgeblichen, wie vergilbte Fotos oder nur noch undeutliche Erinnerungen. Das passt ganz gut zur Idylle und Leichtigkeit einer unbeschwerten Kindheit. Diese Unbekümmertheit ist es einerseits auch, die die Nachwuchsschauspieler Tilman Döbler und Valentin Wessely ihren Figuren mitgeben: „Wir kommen in die Fünfte. Spielen ist was für Kinder“, ruft Fred an einer Stelle. Anderseits stellen die beiden eindrücklich auch die Sorgen dar, die sie sich wegen des nahenden Abschieds machen: „Wir können uns über 1 000 Kilometer unterhalten ohne Sprache.“ Und zur Not muss Jonas vom Westen aus nach Australien reisen und Fred entgegenbuddeln. So geht Kinderlogik eben.

„Zuckersand“ hat viele humorvolle Szenen. Eher beiläufig erzählt das Drama aber auch die politischen Zusammenhänge. Die Kinder hinterfragen Verbote und Zwänge. Und als die Geschichte der Ausreise von Jonas und seiner Mutter eine tragische Wendung nimmt, muss sich Freds Mutter entscheiden, ob sie sich dem Regime fügt oder ihrem Herzen folgt. (dpa)

„Zuckersand“, Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD

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