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Sonntag, 18.06.2017

Die Tatort-Pfarrerin

Karina Plachetka war gerade im Dresden-Krimi zu sehen und steht bald wieder auf der Bühne des Staatsschauspiels.

Als Pfarrerin Eva Kohn verzweifelt Karina Plachetka im Tatort „Level X“ an ihrer pubertierenden Tochter.
Als Pfarrerin Eva Kohn verzweifelt Karina Plachetka im Tatort „Level X“ an ihrer pubertierenden Tochter.

© MDR/Gordon Mueh

Sie hatte den kürzesten Arbeitsweg, als im vergangenen Herbst in Dresden der Tatort „Level X“ gedreht wurde. Während ihre Schauspielkollegen aus anderen Städten anreisten, war die Arbeit am Film für Karina Plachetka ein Heimspiel. Seit 16 Jahren ist sie am Staatsschauspiel Dresden engagiert und war dort in unzähligen Inszenierungen zu erleben. Nach der Sommerpause des Theaters wird sie wieder spielen. Dann kehrt sie aus der Babyzeit zurück und freut sich auf ihre neuen Aufgaben, zu denen auch künftig Fernsehen und Kino gehören sollen. Mit der Sächsischen Zeitung spricht die 41-Jährige über den jüngsten Dresden-Krimi, Möglichkeiten des Internets, ihre Rollen und Wege im Leben, auf der Bühne und vor der Kamera.

Frau Plachetka, sind sie Tatort-Fan?

Ich schaue mir nicht jeden, aber doch etliche an. In jüngster Zeit bin ich wegen meiner Kinder wenig dazu gekommen und schlafe oft zu früh ein. Aber zum Glück gibt es ja die Mediathek.

Wie kamen Sie selbst in den Tatort?

Das verdanke ich meiner Agentin. Wir haben besprochen, dass ich gern ein bis zweimal pro Jahr Filme drehen möchte, und habe mich sehr darüber gefreut, dass es mit dem Dreh geklappt hat.

Sie spielen die Pfarrerin Eva Kohn und Mutter einer jugendlichen Tochter. Wie nah war ihnen die Rolle?

Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter und alles was zwischen ihnen passiert oder nicht passiert, wäre eigentlich eine Geschichte für sich. Eva Kohn kommt an ihre pubertierende Tochter nicht mehr heran, doch man erfährt nicht, ob sie es nur nicht genügend versucht hat oder schon zu oft gescheitert ist. Ich habe während der Dreharbeiten gedacht: Hätte die Pfarrerin doch nur so gehandelt, wie es meine Mutter mit mir gemacht hat.

Was hat Ihre Mutter getan?

Sie ist viel entschlossener an mir drangeblieben. Auch ich hatte eine Phase, in der ich mich sehr in mich zurückgezogen habe und nicht reden wollte. Aber meine Mutter schaffte es, mir so emotional zu begegnen, dass ich wach wurde. Sie hat mich förmlich gepackt und mir gesagt, sie werde bleiben, bis ich mit ihr rede. Das hat mich berührt.

Im Film geht es um Internetstars. War Ihnen das Metier, in dem sich die Jugendlichen bewegen, vertraut?

Ich muss zugeben: Als ich das Drehbuch las, habe ich nur die Hälfte verstanden. Ich wusste auch nicht, was ein Prankster ist, den Begriff hatte ich noch nie gehört. Nach der Ausstrahlung lese ich nun in einigen Rezensionen die Kritik, der Tatort behandle das Thema Internet so, als habe kein Zuschauer davon Ahnung. Ich denke aber wirklich, dass sich viele Menschen mit den Nutzungsmöglichkeiten modernster Medien nicht sicher auskennen.

Wie stehen Sie zu Dingen wie Livestream, Blogs und Internetstars?

Ich habe schon Sketche von Leuten im Internet gesehen, die fand ich gut gemacht und lustig. Die Möglichkeiten zu nutzen, wird auch fürs Theater eine spannende Aufgabe werden. Als ich noch voll stillte, wollte mich unser Intendant gern in einer kleinen Rolle auf der Bühne haben. Aber ich war gerade in Köln bei meinen Eltern, und die Reise mit Baby wäre wirklich ein großer Umstand gewesen. Da kam ein Regisseur auf die Idee, mich via Skype auf eine Leinwand im Theater zu übertragen. So saß ich dann zu einer verabredeten Zeit am Rechner, hatte meinen Text parat, hörte meinen Bühnenpartner und spielte auf diese Weise mit ihm zusammen. Alles ging gut, die Verbindung hielt, und das Publikum war von der ungewöhnlichen Aufführung begeistert.

Sie wollten Tänzerin werden und haben nun als Schauspielerin so großen Erfolg. Wie kam das?

Seit ich Grundschülerin war, habe ich getanzt. Elementarer Tanz hieß das, eine Form, in der es darum geht, Bewegungen zu kreieren und Choreografien zu entwickeln. Wir haben Steppen gelernt, Rhythmuslehre, Improvisation und vieles mehr. Am Ende hatte ich jeden Tag Training, wir sind viel aufgetreten, und ich durfte sogar ein Jahr lang mit auf Tournee nach Japan und Korea gehen. Aber meine Knie waren für den Tänzerberuf nicht geeignet. Ich hätte wohl immer mit Schmerzen gelebt. Bei einem Tag der offenen Türen in der Berliner Schauspielschule Ernst Busch habe ich mich dann in diesen Ort, die Studenten dort und den Beruf verliebt.

Als eine von vier Schauspielstudenten sind Sie im Dokumentarfilm „Die Spielwütigen“ früh bekannt geworden. Wie sehen Sie die Erfahrung heute?

Damals habe ich es anstrengend und auch als störend empfunden, neben dem Studieren gefilmt zu werden. Heute sehe ich es als eine Art zusätzliche Ausbildung und als Anlass, das eigene Tun mehr zu hinterfragen, als ich das sonst getan hätte. Ich habe ganz viel gelernt – über das Filmemachen, das Schauspielern, über mich und andere.

Das Gespräch führte Nadja Laske

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