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Donnerstag, 04.01.2018

Die Lunte brennt

„Schwarz sehen“ heißt der jetzt in Dresden gezeigte neue Zeitkommentar Angela Hampels.

Von Birgit Grimm

Welchem Gott folgen Angela Hampels „Neue Heilige Drei Könige“? Ein aktuelles Blatt, gezeichnet mit sibirischer Kreide auf Latex.
Welchem Gott folgen Angela Hampels „Neue Heilige Drei Könige“? Ein aktuelles Blatt, gezeichnet mit sibirischer Kreide auf Latex.

© Hampel

Statt Gold, Weihrauch und Myrrhe tragen die drei Weisen aus dem Morgenland Waffen. Die Lunte brennt. Diese martialischen Typen feiern nicht die Geburt Jesu und auch nicht das Fest der Liebe. Wessen Stern sahen sie aufgehen? Welchem Gott folgen sie? Wo kommen sie her? Wo wollen sie hin?

Die Malerin Angela Hampel provoziert mit dieser und anderen neuen Arbeiten aus einer Situation heraus, in der die Unsicherheit vielen Menschen über den Kopf wächst. Politisch korrekt? Eindeutig? Nicht angreifbar? „Kunst muss den Finger in die Wunde legen dürfen“, sagt die Künstlerin, So viel Freiheit darf sein, ob im Bearbeiten biblischer Themen oder im Nachdenken darüber, wo Ursachen von Terror und Gewalt liegen, im Nachdenken darüber, dass der Mensch verschwinden wird, wenn er die Natur nicht wertschätzt, sondern sie nur benutzt und verbraucht.

„Memonto mori“ nennt Angela Hampel ein Triptychon, mit dem sie das Gemetzel an Elefanten und Giraffen in Afrika verarbeitet. Eine starke, gruslig-schöne Arbeit einer starken Künstlerin. Auch in den neuen Arbeiten sind schöne Tiere und Menschen, vor allem Frauen, die Hauptdarsteller in Hampels Arbeiten. Stolz stehen die Ratten auf dem sinkenden Schiff, das auf den Betrachter zusteuert. Diese Herren im feinen Zwirn, denen der Schlipsknoten zum aufrechten Gang verhilft und deren Aktentaschen unterm Arm Haltung erfordern, gehen nicht unter. Und wenn, dann reißen sie alle anderen mit.

„Man muss sich doch der Tatsache stellen, dass etwas schiefläuft“, sagt sie und wünscht sich, dass darüber diskutiert wird, ohne den Gesprächspartner sofort in die eine oder andere Ecke zu stellen. Angela Hampel hängt ihr Mäntelchen nicht in den Wind, aber ihre Bilder in der Galerie Mitte so, dass die Konstellationen bissige Kommentare ergeben. Dafür hockt sie selbst „In der Schlangengrube“, während auf einem anderen Bild der Sensenmann durch ein blühendes Rapsfeld rauscht.

Landschaften kann die Malerin auch, und wie! In zwei überzeichneten Kaltnadelradierungen steht der Fichtenwald schwarz und undurchdringlich. Aus dieser Düsternis tönt die Stille, und das wenige Licht mag manchen erleuchten. „Vielleicht nenne ich meine nächste Ausstellung ‚Rot sehen‘“, sagt die Malerin.

Angela Hampel. „Schwarz sehen“ bis 20. Januar in der Galerie Mitte, Dresden, Striesener Str. 49, geöffnet Di – Fr 15 – 19 Uhr, Sa 10 – 14 Uhr. Finissage am 20. Januar, 19 Uhr.

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