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Samstag, 30.12.2017 TV-Tipp

Die Halbstarken von Leonard Bernstein

Das Musical „West Side Story“ ist mal wieder zu erleben – in der Verfilmung von 1961. Die wurde einst mit Oscars überhäuft. Noch immer berührt sie und reißt mit.

Von Bernd Klempnow

Die „Jets“ wollen die puerto-ricanischen „Sharks“ aus ihrem Revier vertreiben. Doch dann eskaliert das Duell der Halbstarken – und eine große Liebe hat keine Chance.
Die „Jets“ wollen die puerto-ricanischen „Sharks“ aus ihrem Revier vertreiben. Doch dann eskaliert das Duell der Halbstarken – und eine große Liebe hat keine Chance.

© Arte

Der Abend am Neujahrstag ist zum Weinen. Denn Arte sendet eine der eindrücklichsten modernen Fassungen von Shakespeares Tragödie „Romeo und Julia“ – die „West Side Story“ als US-amerikanischen Tanzfilm aus dem Jahr 1961. Er basiert auf dem gleichnamigen Musical von Leonard Bernstein, der das „Romeo“-Sujet in das New York der 1950er-Jahre übertrug. Seine Protagonisten sind Tony und Maria.

Schon der Auftakt ist ungewöhnlich: Der Film beginnt mit der Ouvertüre, ohne das traditionelle Medley, das alle musikalischen Themen des Musicals enthält. Man sieht aus der Vogelperspektive die Stadt New York. Die Kamera sucht das Viertel der beiden verfeindeten Banden, den amerikanischen „Jets“ und den „Sharks“, die aus Puerto Rico zugewandert sind, und findet sie auf einem Basketballspielfeld. Danach setzt der instrumentale Prolog ein, in dem beide Banden sich gegenseitig provozieren. Sie liefern sich eine Art „Tanzduell“.

So kommt es, wie es frei nach Shake-
speare kommen muss: Der Amerikaner Tony verliebt sich in die Puerto Ricanerin Maria, deren Bruder der Erzfeind von Tony ist. Die blutige Auseinandersetzung der beiden Halbstarken-Banden, verflochten mit einer tragischen Liebesgeschichte, umrahmt von der die Protagonisten faszinierend-charakterisierenden Musik in ihrem Mix von Jazz, klassischer Oper und Tanzmusik, macht den Reiz dieser Verfilmung aus. Es erklingen mitreißende Hits wie „Maria“, „America“, „I feel pretty“ und „Somewhere“.

So berührt diese „West Side Story“ durch noch heute verblüffend-temporeiche Tanzszenen, raffinierte Optik und eine gelungene Persiflage des Milieus. Auch wenn, wie die Kritiker zur Uraufführung bemängelten, in „der zweiten Hälfte des Films die Sentimentalität und reißerische Dramatik die Oberhand gewinnen“. Mag sein, doch eben das bewegt den Zuschauer. Der Streifen erhielt 1962 zehn Oscars, was ihn zu einem der höchstdekorierten Werke in der Filmgeschichte machte.

„West Side Story“, Neujahrstag, 20.15 Uhr, Arte

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