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Freitag, 29.12.2017

Den richtigen Ton gefunden

Zum Tod von Friedbert Streller, Musikwissenschaftler, Komponist und langjähriger Musikkritiker der Sächsischen Zeitung.

Von Birgit Grimm

Friedbert Streller komponierte, bildete Studenten aus und spielte im Orchester die Bratsche.
Friedbert Streller komponierte, bildete Studenten aus und spielte im Orchester die Bratsche.

© SZ/Lösel

Zum Weihnachtskonzert des Dresdner Kammerorchesters ohne Dirigenten (KoD) am 3. Advent tauchte Friedbert Strellers Name noch im Programm auf. Im Ensemble spielte er die Bratsche. Auf der Bühne stand er nun nicht mehr. Doch er hatte, wie so oft in all den Jahren, die Texte für das Programmheft geschrieben. Der Experte schüttelte sie quasi aus dem Ärmel. „Das war uns immer eine große Hilfe“, sagt Olaf Spies, der künstlerische Orchesterleiter. Neben Strellers enormem Wissen lobt Spies auch dessen Einsatzbereitschaft und trockenen Humor. Als man überlegte, welche Musik das Orchester zum 50-jährigen Bestehen spielen will, soll Streller keck gefordert haben: „Meine!“

Nun, zu Weihnachten, kurz nach seinem 86. Geburtstag, ist Friedbert Streller nach schwerer Krankheit gestorben.

Die erste Uraufführung eines Streller-Werkes fand 1959 statt. Seitdem, und vor allem, seit er als Hochschullehrer pensioniert worden war, hatte er gern und viel komponiert: Sinfonien, Orgel- und Chorwerke sowie Kammermusik stammen aus seiner Feder. Zeitgenössisch sind seine Stücke auf jeden Fall, modern vielleicht auch, aber nicht experimentell abgehoben und gewiss nicht modisch. Noch im Frühjahr 2016 hatte das KoD Strellers Doppelkonzert für Violine, Viola und Streicher uraufgeführt. „Das war eine intensive und gute Zusammenarbeit“, sagt Olaf Spies.

Herausgebracht wurden Strellers Kompositionen auch vom Orchester der Landesbühnen Sachsen. Die Sächsische Staatskapelle hat Streller gespielt und auch die Neue Elblandphilharmonie Riesa.

Studiert hatte der gebürtige Sachse vom Jahrgang 1931 an der Leipziger Universität die Fächer Musikerziehung, Musikwissenschaft und Komposition. Anschließend bildete er mehrere Generationen von Musikwissenschaftlern aus, unterrichtete Musiktheorie und Musikgeschichte in Halle und Magdeburg, ab 1963 an der Dresdner Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“.

Vielen Lesern der Sächsischen Zeitung dürfte der promovierte Musikwissenschaftler als Kritiker bekannt sein. Lange Zeit war er der einzige Musikrezensent der SZ. Keine Opernpremiere, kein Staatskapellen-, kein Philharmoniekonzert erklang ohne seine Anwesenheit im Publikum. Strellers musiktheoretisches und musikhistorisches Fundament stand solide. Seine Meinung galt, aber er sprach keine Urteile. Er verstand sich als Kunstvermittler und fand auch als Rezensent und Publizist den richtigen Ton. Er verfasste Biografien über Sergej Prokofjew, Aram Chatschaturjan und Paul Hindemith, schrieb über expressionistische Musik. Und als Spezialist für Dimitri Schostakowitsch besuchte Friedbert Streller hochbetagt die 2010 gegründeten und seitdem jährlich stattfindenden Schostakowitsch-Tage in Gohrisch.

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