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Freitag, 12.01.2018

Da wird der Gottvater laut

Von Bernd Klempnow

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Wenn der Unruhestifter Wotan nicht weiter weiß: „Erda, dein Wecklied sing’ ich, Allwissende, urweisen Rat zu gewinnen.“ Foto: Matthias Creutziger
Wenn der Unruhestifter Wotan nicht weiter weiß: „Erda, dein Wecklied sing’ ich, Allwissende, urweisen Rat zu gewinnen.“ Foto: Matthias Creutziger

Ein Fest steht in der Dresdner Semperoper bevor. Einer der besten Wagner-Dirigenten der Welt, der Staatskapellen-Chef Christian Thielemann, wird erstmals hier den kompletten „Ring des Nibelungen“ als Zyklus zweimal innerhalb weniger Tage leiten. Der war zwischen 2001 und 2003 von Willy Decker minimalistisch inszeniert und seitdem mehrfach, mehr oder minder gelungen, interpretiert worden.

Jetzt also legt Thielemann los, der die vier Teile des „Rings“ seit zwei Jahren nach und nach mit der Wagner-affinen Kapelle neu geprobt und gefeiert aufgeführt hat. Lockten die einzelnen Abende schon Wagner- wie Thielemann-Fans aus ganz Deutschland nach Dresden, so setzt der jetzige Zyklus Maßstäbe in puncto Publikumserwartung. Als der Vorverkauf startete, waren die „Ring“-Pakete binnen Stunden ausverkauft. Auch für einzelne Vorstellungen gibt es längst keine Karte mehr. Die Chance auf ein Ticket an der Abendkasse ist winzig – es müsste jemand seine vorbestellte Karte nicht abholen. Damit hat der Kapellenchef einen neuen eigenen Dresden-Rekord aufgestellt. Karten für seine Konzerte und Opernaufführungen sind immer schon rar. Selten aber sind Abende so überbucht.

Seit 1886 wird in der Semperoper der „Ring“, der durch seine absolute komplexe Musik zum Weltkulturerbe wurde, gespielt. Doch wohl nie gab es ein so exzellentes Sängerteam wie diesmal. Mit Christa Meyer und Georg Zeppenfeld sind traumhafte Künstler aus dem Ensemble dabei. Als Gäste werden die Tenöre Gerhard Siegel (Mime) und Andreas Schager (Siegfried) für Begeisterung sorgen. Und auf einen beeindruckenden lyrischen Bass wie Vitalij Kowaljow als Wotan musste man hier lange warten – der kann packend laut, erschütternd traurig und alle Zwischentöne berührend-schön singen. Die Sächsische Zeitung wird natürlich vom Ereignis berichten.

Interessant: Vom aktuellen „Ring“ kann jeder profitieren, auch wenn er keine Karte hat. Denn es gibt zwei Angebote zu Gesprächskonzerten, um in die Welt des sogenannten Bühnenfestspiels tiefer einzutauchen. In der Musikhochschule am Wettiner Platz und eintrittsfrei erläutert der Wiener Pianist Markus Vorzellner die Tetralogie am 12. und 16. Januar je 17 Uhr. Der langjährige Bayreuth-Experte Stefan Mickisch wiederum bietet in der Dreikönigskirche für je 25 Euro an den Vor- oder den Tagen der jeweiligen Aufführungen lehrreiche Exkurse an, die er mit irrwitzigen Anekdoten und angespielten Leitmotiven würzt.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Drittetreppelinks

    Was soll denn hier bedeuten, dass Abende "überbucht" sind? Normalerweise bezeichnet dieser Begriff den Ticketverkauf über das Platzangebot hinaus. Müssen dann einige Besucher das Theater wieder verlassen, weil ihr Platz schon belegt ist? Wehrhafte Wagnerianer werden wohl wütend Widerstand wissen...

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