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Donnerstag, 14.09.2017

Breit mit Bruckner in der Scala

Dresdens Staatskapelle spielt sich in Europa zu Saisonbeginn auf Höchstniveau. In Mailand jubelt ihr Placido Domingo zu. Und wartet auf Maestro Thielemann.

Von Bernd Klempnow

Beeindruckend, aber nicht so schön wie die Dresdner Oper: die Mailänder Scala mit 2000Plätzen in Parkett sowie auf vier Rängen und zwei Galerien.
Beeindruckend, aber nicht so schön wie die Dresdner Oper: die Mailänder Scala mit 2 000 Plätzen in Parkett sowie auf vier Rängen und zwei Galerien.

© Matthias Creutziger

Dresden. Das kennen wohl alle: Nach einer Kraftanstrengung, welcher Art auch immer, ist man erschöpft, aber glücklich. So erging es Dresdner Musikern dieser Tage. Die Staatskapelle war zum Start in die neue Saison auf Europa-Tournee. Wie zuvor daheim spielte sie mit Christian Thielemann unter anderem die unterschätzte erste Sinfonie von Anton Bruckner. Wohl gelten Maestro und Orchester als Spezialisten des Komponisten, doch dieses Frühwerk hatten sie nie zuvor interpretiert. Und der Erstling, der die Meisterschaft der späten Bruckner-Sinfonien noch nicht hat, ist heikel. Speziell die Ecksätze brauchen Präzision und Verständnis für die zuweilen zufällig und exaltiert wirkenden Linien.

War beim Dresden-Konzert Anfang September noch die Suche nach der richtigen Intensität zu spüren, steigerten sich die Interpreten während der Tour in Frankfurt, München und Wien. Doch der Höhepunkt, bei dem Musiker und Dirigent mit Kompetenz und Begeisterung überzeugten, war die Schlussstation Mailänder Scala.

Erstmals gastierte Thielemann in dem berühmten Opernhaus mit seinem Orchester. Da wollten viele dabei sein. Ausverkauft trotz Preisen von bis zu 121 Euro! Das Auditorium unterm Murano-Glas-Leuchter folgte den Künstlern gebannt und jubelte am Ende lange. Wohl ist die rot-plüschige Saal-Akustik für Orchester recht trocken, was Sänger ja oftmals lieben. Die Musiker machten dieses Manko mit einer sie selbst staunen machenden Leidenschaft wett. „So muss eine Spielzeit starten. Da sind alle sofort auf 120 Prozent“, sagte Solopauker Thomas Käppler, breit und glücklich wie wohl die meisten Kollegen. Schon in Wien hätten sie das verwöhnte Publikum gepackt. „Die lieben uns mittlerweile sehr.“

Ebenso war Christian Thielemann nach dem Kraftakt geschafft, wollte eigentlich seine Ruhe. So mussten die Gratulanten warten. Auch Placido Domingo tat das geduldig 20 Minuten vor der Garderobe. Der Startenor war ehrlich angetan, schätzt die Kapelle seit seinem „Klassik picknickt“-Dirigat im Juni in Dresden. Außerdem planen der Maestro und der Sänger für 2018 ein großes Projekt in der Semperoper.

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