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Mittwoch, 10.01.2018

Böhse Onkelz als Klassikkonzert

Die Agentur Platner aus Görlitz bringt Musik der umstrittenen Band mit einem Orchester auf die Bühne. Die Karten sind sehr gefragt.

Von Ines Eifler

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Das Nordböhmische Philharmonieorchester Teplice spielt das Konzert mit Musik der Punk- und Hardrockband in Chemnitz, Rostock und Dresden.
Das Nordböhmische Philharmonieorchester Teplice spielt das Konzert mit Musik der Punk- und Hardrockband in Chemnitz, Rostock und Dresden.

© Agentur Platner

Heiner Michael Platner mit einem Plakat für die Konzerte „Böhse Onkelz – Symphonien & Sonaten“.
Heiner Michael Platner mit einem Plakat für die Konzerte „Böhse Onkelz – Symphonien & Sonaten“.

© nikolaischmidt.de

Görlitz. Große Galanächte, Ballettaufführungen, Coverkonzerte im Gedenken an Bands wie Abba, Queen oder die Beatles: Bisher galt die Agentur Platner vor allem als Veranstalter und Produzent von Unterhaltungskonzerten. Dass jetzt Logo und Name der „Böhsen Onkelz“ auf einem Plakat der Görlitzer Konzertagentur stehen, hat manchen überrascht. „Seid ihr verrückt?“ oder „Seid ihr jetzt rechts?“ seien Heiner Platner und sein Sohn Alexander nach den ersten Ankündigungen gefragt worden. Aber weder das eine noch das andere treffe zu.

„Die Konzerte der Böhsen Onkelz und unsere Veranstaltungen sind ganz verschiedene Dinge“, sagt der Seniorchef der Agentur. Die drei Konzerte, die in Februar, April und Juni in Chemnitz, Rostock und Dresden erklingen, sind Sinfoniekonzerte mit 72 Musikern der Nordböhmischen Philharmonie Teplice und tragen den Untertitel „Symphonien & Sonaten“. Der mehrfach ausgezeichnete Komponist Patrik Bishay hat Songs der Böhsen Onkelz in enger Abstimmung mit der Band für Orchester arrangiert. Das Ensemble ist mit acht Schlagzeugern und großer Bläserbesetzung neben den Streichern so wuchtig aufgestellt, wie es die rebellische Musik der Band verlangt. Gesang kommt in den Konzerten aber nicht von der Bühne. „Wir rechnen damit, dass ein Großteil des Publikums die Texte kennt und mitsingt“, sagt Heiner Platner. 3000 Fans hätten schon Karten gekauft. Besonders im Zusammenklang von Orchester und Publikum entstehe ein musikalisches Gesamterlebnis.

Dass ein solches Konzert sehr bewegend sein kann, habe die Uraufführung von „Symphonien und Sonaten“ 2015 in der Philharmonie Essen gezeigt. Anlass war damals das Jubiläum 35 Jahre Böhse Onkelz. Heiner Platners Sohn Alexander, Geschäftsführer der Agentur, erfuhr vom Erfolg dieses Konzerts und hatte die Idee, es ebenfalls zu veranstalten. Er nahm zu den Böhsen Onkelz Kontakt auf, traf sie in deren Heimatstadt Frankfurt am Main und vereinbarte mit ihnen drei Konzerte. Danach wolle die Band über mögliche weitere Konzerte entscheiden. In den Stadthallen Rostock und Chemnitz finden regelmäßig Veranstaltungen der Agentur Platner statt, mit der Jungen Garde in Dresden geht sie erstmals größer „open air“. Zwei große Konzerthäuser hätten allerdings abgesagt, gibt Heiner Platner zu. „Die Vorurteile im Bereich der Kunst sind leider groß.“

Seit ihrer Gründung 1980 wurde die Musik der Böhsen Onkelz immer wieder in Zusammenhang mit Rechtsradikalismus und Gewaltverherrlichung gebracht, obwohl sie sich bereits in den ersten Jahren davon distanzierten, aus diesem Grund mehrfach ihre Plattenlabels wechselten und einige ihrer Songs sogar auf einem eher linken Punksampler erschienen. Die Band ließ sich nie gern in eine politische Richtung drängen, hat zahlreiche Fans und preisgekrönte Alben, ist aber nach wie vor umstritten.

Für Heiner Platner spielt es keinerlei Rolle, mit welchen politischen Meinungen die Band assoziiert wird. „Ich finde, dass die musikalische Bühne überhaupt nicht geeignet ist für die tagespolitische Auseinandersetzung.“ Wer eine Puccini-Oper inszeniere, werde schließlich auch nicht gefragt, was der Komponist für politische Ansichten gehabt habe. Richard Wagner werde auch gespielt, und die Aufführung von Schlagern aus Ufa-Filmen, die einst Soldaten zum Durchhalten motivierten, seien ebenso legitim. „Ich beobachte, dass die Intoleranz in der Wahrnehmung von Kunst im Moment wieder wächst“, sagt Heiner Platner. Der Wunsch sei groß, Dinge in Schubladen zu stecken. So hoffe er, dass die Begegnung mit der Musik der Böhsen Onkelz in einem Sinfoniekonzert auch ein Beitrag zur Entwicklung von Toleranz sein kann. „Denn ohne Toleranz ist auch keine Kreativität mehr möglich.“

Am 16. Februar in Chemnitz, am 30. April in Rostock und am 29. Juni in Dresden. Karten auf www.eventim.de.

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