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Dienstag, 14.11.2017

Kündigung für Modelleisenbahner

Ab Sonnabend zeigt der Modelleisenbahnclub Radebeul wieder seine Anlagen. Doch die Zukunft des Vereins ist ungewiss.

Von Nina Schirmer

Letzte Vorbereitungen an der Indoor-Gartenbahn: Das Modell der österreichischen Öchsle-Bahn wird auf die Anlage gesetzt. Die Eisenbahnfreunde suchen nach neuen Räumen, in denen wieder genügend Platz für ihre Anlagen ist.
Letzte Vorbereitungen an der Indoor-Gartenbahn: Das Modell der österreichischen Öchsle-Bahn wird auf die Anlage gesetzt. Die Eisenbahnfreunde suchen nach neuen Räumen, in denen wieder genügend Platz für ihre Anlagen ist.

© Norbert Millauer

Radebeul. Eigentlich läuft alles wie immer beim Modelleisenbahnclub Radebeul. Und doch ist in diesem Jahr alles anders. Wenige Tage, bevor der Verein zu seiner jährlichen großen Ausstellung einlädt, haben die Männer alle Hände voll zu tun. Anlagen werden hergerichtet, Schienen verlegt, Figuren aufgestellt. Doch es schwingt Wehmut mit. Denn die Ausstellung, welche die Modelleisenbahner gerade vorbereiten, wird die Letzte in den Clubräumen am Gewerbepark in der Gohliser Straße sein.

Die schlechte Nachricht kam vor einigen Wochen. Da haben die Vereinsmitglieder erfahren, dass sie nach zehn Jahren aus ihren Räumen ausziehen müssen. Ein herber Verlust. „Das tut uns unheimlich weh“, sagt Schriftführer Michael Huth. Denn die Clubmitglieder haben viel Arbeit in die Räume gesteckt. 2007 waren sie eingezogen. Davor hatte der ehemalige Tiefbaubetrieb viele Jahre leer gestanden, war verwahrlost. Die Eisenbahnfreunde haben sich alles wieder schick gemacht. Die Wände wurden gestrichen und Lampen aufgehängt. „Wir haben hier super Jahre verbracht“, sagt Huth. Die Räume seien perfekt für den Verein, vor allem weil sie groß genug sind für Schienenanlagen.

Doch an der Entscheidung lässt sich nicht rütteln. Der Gewerbepark gehört seit diesem Jahr einem neuen Eigentümer und der hat allen Mietern gekündigt, weil er das Gelände selbst nutzen will. Die Modelleisenbahner konnten immerhin aushandeln, dass sie ihre jährliche Ausstellung noch einmal machen dürfen. Damit die Tradition auch in den nächsten Jahren fortgeführt werden kann, suchen sie jetzt händeringend nach neuen Räumen, die mindestens 200 Quadratmeter groß sind. Einfach ist das nicht. „Es gibt zwar in Radebeul etliche freie Immobilien“, sagt Huth. „Aber die sind so teuer, dass wir sie mit unserer ehrenamtlichen Arbeit nicht bezahlen können.“

Ihre Besuchern wollen die Modellbahner ab Sonnabend trotzdem wieder viel bieten. Besonders beliebt ist die H0e-Anlage Lößnitzdackel. An ihr können vor allem die älteren Gäste in Erinnerungen schwelgen. Die Anlage ist ein originaler Nachbau der Strecke von Radeburg über Moritzburg bis nach Radebeul zu Zeiten der 70er-Jahre. Da ist das alte Gaswerk in Radeburg noch in Betrieb und vor dem Moritzburger Bahnhof laden russische Soldaten Kohlen aus.

An der Meierei im Lößnitzgrund spielt eine Band in der Konzertmuschel, Leute tanzen. Bis hin zu den winzigen Kuchenstückchen auf den Tellern ist alles im Detail dargestellt. Und die Anlage wächst. Die Spezialisten arbeiten konzentriert am Ausbau des Haltepunkts Weißes Ross. Die nächste Etappe bis zum Bahnhof-Ost ist schon zu erkennen. Eine andere Besonderheit ist die Modelleisenbahnanlage, die eine Geschichte erzählt. 20 Bilder fahren vorbei und stellen in diesem Jahr die Eisenbahngeschichte Ostsachsens dar. „Das ist in Deutschland einmalig“, schwärmt Huth.

Wie es nach der Ausstellung mit dem Verein weitergeht, kann im Moment noch keiner richtig sagen. Alle Anlagen müssen abgebaut werden. Die Einzelteile können die Modelleisenbahner erst einmal in Lagerräumen der Stadt unterstellen. Neben neuen Räumen wünscht sich der Verein auch neue, vor allem junge Mitglieder, die die Tradition aufrecht halten und Lust an handwerklicher Arbeit haben.

Der Modelleisenbahnclub ist dankbar über jeden Hinweis zu freien Räumen. www.mec-radebeul.de

Die Ausstellung ist vom 18. bis 26. November geöffnet: Mo. bis Fr., 16 bis 18 Uhr, Sa./So./Fei., 10 bis 18 Uhr.