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Samstag, 12.08.2017

Kubas Zigarrenhersteller lauern auf US-Markt

Zigarren und Rum sind Kubas Exportschlager. Nur in die USA dürfen sie nicht liefern. Dabei würde sich das lohnen.

Von Denis Düttmann

Zigarren dreht man nicht einfach so. Dazu gehört das gewisse Gefühl für den Tabak und viel Erfahrung. Liebhaber zahlen für eine perfekte kubanische Zigarre schon mal 50 Euro pro Stück.
Zigarren dreht man nicht einfach so. Dazu gehört das gewisse Gefühl für den Tabak und viel Erfahrung. Liebhaber zahlen für eine perfekte kubanische Zigarre schon mal 50 Euro pro Stück.

© dpa

Havanna. Würziger Tabakduft liegt in der Halle, an den Wänden rattern altersschwache Ventilatoren, chancenlos gegen die schwüle Luft. Mit flinken Händen suchen die „Torcedores“ der Zigarrenfabrik La Corona in Kubas Hauptstadt Havanna die Blätter für Einlage und Umblatt heraus. Routiniert zupfen, schneiden und rollen sie die Zigarrendreher – nach wenigen Minuten liegt eine perfekte Cohiba auf dem Arbeitstisch. „Zigarrenrollen erfordert sehr viel Erfahrung und Geschick“, sagt die Direktorin für Technologie und Entwicklung, Adriana Gómez. „Jede einzelne Zigarre wird einer strengen Qualitätskontrolle unterzogen. Was unseren Standards nicht genügt, wird aussortiert.“ Hochwertige Zigarren werden stets von Hand gerollt, dafür zahlen Liebhaber in Europa und Asien dann auch bis zu 50 Euro pro Stück.

Zigarren gehören zu den bekanntesten Exportgütern Kubas – etwa von den Marken Cohiba, Montecristo, Partagás und Romeo y Julieta. „Tabak ist ein Symbol der kubanischen Identität“, meint der Direktor der Fabrik La Corona, Juan Rico López.

2016 verkaufte Kuba Zigarren im Wert von 445 Millionen Dollar (420 Mio. Euro). Allein der Absatz des Monopolisten Habanos stieg um fünf Prozent, gemessen am Vorjahr. Das Gemeinschaftsunternehmen des Staatskonzerns Cubatabaco und des spanischen Tabakunternehmens Altadis vertreibt seine Zigarren in rund 150 Ländern und kontrolliert über 70 Prozent des weltweiten Zigarrenmarkts.

Der US-Markt vor der Haustür bleibt den Kubanern aber wegen des Handelsembargos der Vereinigten Staaten gegen die Insel verschlossen. Kurz bevor die Sanktion 1962 in Kraft trat, soll sich der damalige US-Präsident John F. Kennedy mit über 1 000 kubanischen Zigarren eingedeckt haben. „Wenn die Blockade fallen würde, könnten wir pro Jahr bis zu 50 Millionen Zigarren in den Vereinigten Staaten verkaufen“, schätzt Entwicklungsdirektorin Gómez. Immerhin dürfen US-Touristen bis zu 100 Zigarren mit nach Hause nehmen.

Viele Raucher genießen ihre Zigarre zudem mit einem Rum. Der Schnaps aus Zuckerrohr ist der zweite Exportschlager Kubas. 3,5 Millionen Kisten Rum mit je neun Liter etwa exportiert das staatliche Unternehmen Cuba Ron jedes Jahr. Wichtigster Absatzmarkt im Ausland ist Deutschland, gefolgt von Frankreich und Italien. „Wenn wir in die USA exportieren dürften, könnten wir zwei Millionen Kisten pro Jahr mehr verkaufen“, sagt Firmenchef Juan González Escalona. Die Markennamen hat das Unternehmen in den USA schon schützen lassen.

Auf dem größten Rum-Markt der Welt wird das Geschäft von Barcardi dominiert. Die Unternehmerfamilie war nach der sozialistischen Revolution auf Kuba in den Fünfzigerjahren enteignet worden und hatte die Produktion auf die Bahamas verlegt. Cuba Ron brennt in fünf Destillerien auf der Insel den Rum der Barcadi-Marken Havana Club, Santiago de Cuba und Perla del Norte. Acht Rum-Meister überwachen die Qualität. Kubanischer Rum wird ausschließlich aus kubanischem Zuckerrohr und mit kubanischem Wasser gebrannt. Ausgebaut wird das Destillat in Fässern, in denen zuvor Whisky gelagert wurde. „Die Qualität des Ausgangsprodukts ist entscheidend. Die Reifung kann den Rum nur verfeinern, aber nicht retten“, sagt Cuba-Ron-Chef Escalona. „Wir setzen auf eine möglichst natürliche Herstellung. Wir kennen die modernen Techniken, vertrauen aber vor allem auf die Tradition.“

Den Großteil der Produktion von Cuba Ron trinken die Kubaner selbst. Bartender in deutschen Cocktailbars mixen den einfachen Havana Club für gut zehn Euro in die Drinks. Das Spitzenprodukt von Cuba Ron aber kostet so viel wie ein Gebrauchtwagen: Rund 3 000 Euro werden für einen halben Liter Santiago de Cuba 500 fällig. (dpa)

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