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Freitag, 21.04.2017

Krönung für das neue Zuhause der Biedenkopfs

Das ehemalige Wasserwerk Saloppe hat seine 1945 zerstörten Türme wieder. Vor dem Umzug des Ex-Ministerpräsidenten ins „vierte Elbschloss“ ist aber noch viel zu tun.

Von Sarah Grundmann

Auf das einstige Wasserwerk Saloppe wurden zwei Türme gesetzt. Die Wahrzeichen des Gebäudes zwischen Brockhausstraße und Körnerweg wurden 1945 zerbombt. Die Nachbildungen wurden nach Originalplänen gebaut.
Auf das einstige Wasserwerk Saloppe wurden zwei Türme gesetzt. Die Wahrzeichen des Gebäudes zwischen Brockhausstraße und Körnerweg wurden 1945 zerbombt. Die Nachbildungen wurden nach Originalplänen gebaut.

© Sven Ellger

Dresden. Die massive Holzkonstruktion schwingt in schwindelerregender Höhe. Vorsichtig setzt der Kran vor, schließlich wird der hölzerne Turm auf das ehemalige Wasserwerk Saloppe gesetzt. Wenige Meter von seinem Zwilling entfernt. In den kommenden Tagen sollen die beiden Türme noch verkleidet und schließlich mit Schiefer gedeckt werden. Dann hat der alte Industriebauseine Wahrzeichen wieder, die beim Bombenangriff 1945 zerstört worden waren – ein wichtiger Schritt bei der Sanierung des Denkmals.

„Bei einer Sanierung passiert viel im Inneren, wo es die Leute nicht sehen können“, sagt Jörg Pfeiffer. Er ist Inhaber der thüringischen Holzbaufirma Pfeiffer, die auch die Türme angefertigt hat. „Der Aufbau der Türme strahlt nach außen und ist damit wichtig.“ Und musste intensiv vorbereitet werden. „Das Aufwendigste war die Planung“, sagt der Holzbauer. Die beiden Türme wurden nach Skizzen aus der Originalzeit errichtet. Die hatte der Architekt in einem Archiv gefunden.

Verschiebt sich das Bauende wieder?

Daraufhin folgten zahlreiche Prüfungen, zum Beispiel von Statikern. „Solche Berechnungen wurden damals noch nicht gemacht“, sagt der Firmeninhaber. Das Wasserwerk ging bereits 1875 ans Netz – als erstes Trinkwasserwerk der Stadt. „Damals hatten die Handwerker das im Blut“, sagt Pfeiffer und lacht. Der Haken dabei: Oftmals wurde eher zu stark gebaut. Material dadurch verschwendet. Die neuen Berechnungen sollten dafür sorgen, dass diesmal wirtschaftlicher gebaut wird.

Mit den neuen Zeichnungen wurde schließlich lange an den Türmen gearbeitet. Solche Konstruktionen fertigt die thüringische Firma nicht jeden Tag an. Das meiste konnte zwar maschinell erledigt werden, Details – wie die Gauben – mussten aber von Hand geschnitzt werden. Entstanden sind zwei jeweils 12 Meter große Türme – im Inneren werden sie von einer Stahlkonstruktion gestützt, von außen ist nur Holz sichtbar. Zumindest so lange, bis die Wahrzeichen an der Westseite des einstigen Wasserwerks mit Schiefer verkleidet werden. Das soll schon in den kommenden Wochen passieren.

Wie lange die Sanierung insgesamt noch dauert, ist indes unklar. Der Investor wollte sich hierzu nicht äußern. Ursprünglich war die Fertigstellung für Ende 2016 geplant. Zuletzt sprach der Investor aber von Juni oder Juli dieses Jahres. Ob die neue Frist eingehalten werden kann, ist allerdings ebenfalls fraglich. Denn wegen des harten Winters stand auf der Baustelle mehrere Monate lang alles still.

„Allein die Holzarbeiten werden sich wohl noch bis in den Juli hinziehen“, sagt Pfeiffer. 2014 hatten die Arbeiten auf dem Areal zwischen Brockhausstraße und Körnerweg begonnen. Um die 30 Wohnungen sind geplant, rund zwölf Millionen Euro werden von der Firma Saloppe Dresden GmbH investiert. Dementsprechend haben auch die Eigentumswohnungen ihren Preis. Mit Quadratmeterpreisen um die 4 800 Euro sind sie derzeit die teuersten Apartments in der Landeshauptstadt.

Das hat Interessenten aber nicht davon abgehalten, zuzuschlagen. Waren im Oktober vergangenen Jahres noch acht Wohnungen frei, heißt es jetzt auf der Internetseite der Vermarkterfirma Pantera: Verkauft! Die ersten Interessenten hatte der Investor noch selber über die Baustelle geführt, bevor er den Verkauf in fremde Hände gab. Unter den neuen Bewohnern seien viele Ostdeutsche, die selber einziehen wollen – und eine Berühmtheit.

Denn auch Ex-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf wird mit seiner Frau Ingrid bald am rechten Elbufer residieren. Das Ehepaar hat bereits 2015 eine Wohnung gekauft. Eigentlich wollten die Biedenkopfs schon längst im „Vierten Elbschloss“, wie die Saloppe auch genannt wird, wohnen. Zumindest der Aufbau der Türme konnte am Donnerstag aber erledigt werden – ein wichtiger Schritt.

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