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Mittwoch, 27.12.2017

Kriebsteiner Fabrik setzt auf Spezialpapier

Investoren sollen Kübler & Niethammer aus der Krise führen. Laut Vorstand gibt es statt Entlassungen neue Produkte.

Von Rita Türpe

An der großen Papiermaschine von Kübler & Niethammer wird aus Altpapier spezielles Papier hergestellt, das etwa für Zeitschriften oder für Etiketten verwendet wird. Künftig soll auch Spezialpapier hergestellt werden, welches beispielsweise bei der Produktion von Spanplatten in der Möbelindustrie verwendet wird. Foto:
An der großen Papiermaschine von Kübler & Niethammer wird aus Altpapier spezielles Papier hergestellt, das etwa für Zeitschriften oder für Etiketten verwendet wird. Künftig soll auch Spezialpapier hergestellt werden, welches beispielsweise bei der Produktion von Spanplatten in der Möbelindustrie verwendet wird. Foto:

© Falk Bernhardt

Kriebstein. Vor knapp zehn Monaten hat die Kriebsteiner Papierfabrik Kübler & Niethammer Insolvenz angemeldet. Die Produktion läuft weiter, und dabei soll es nach Angaben von Rechtsanwalt Raik Kilper und einem weiteren Bevollmächtigten des Insolvenzverwalters Hubert Ampferl von der Kanzlei Beck und Partner, Nürnberg, auch bleiben.

Investoren seien gefunden, und es gebe einen Plan, wie das Unternehmen aus der Krise geführt werden soll, versicherten sie. Arbeitsplätze sollen dabei nicht verloren gehen, so die Bevollmächtigten des Insolvenzverwalters. Nach Angaben von Hubertus Burkhart, dem Vorsitzenden des Vorstandes der Kübler & Niethammer AG, sind im Unternehmen derzeit 134 fest angestellte Mitarbeiter und 15 Auszubildende beschäftigt.

Wie er weiter erklärte, will den Kriebsteiner Betrieb eine Investorengruppe übernehmen, die sich in der Branche auskennt. Die gleiche Investorengruppe habe in Hagen (Nordrhein-Westfalen) schon eine Papierfabrik erworben, so Burkhart. Dabei handelt es sich um die Gesellschaft Kabel Premium Pulp & Paper. Nach Firmenangaben war das Werk, das ebenso wie das in Kriebstein auf eine lange Tradition in der Papierherstellung zurückblicken kann, an fünf Unternehmer verkauft worden. Zu den Investoren zählt auch Hubertus Burkhart, der zugleich Geschäftsführer von Kabel Premium Pulp & Paper ist. „Nach der Übernahme des Kriebsteiner Betriebes werden wir nach Synergien suchen“, sagte Burkhart.

Die Zusammenarbeit soll sich auf Rohstoffe und Sortimente beziehen. Bisher stellt Kübler & Niethammer aus Altpapier spezielles Papier her, das etwa in der Druckindustrie für Magazine und Zeitschriften oder für Etiketten verwendet wird. Das Werk in Hagen hingegen arbeitet überwiegend mit Frischfasern. Dafür wird Holz benötigt. Die 540-köpfige Belegschaft in Hagen produziere für Kunden im In- und Ausland unter anderem Papier für alle gängigen Drucktechniken, heißt es aus dem Unternehmen.

In Kriebstein solle künftig ebenfalls mit Frischfaser gearbeitet werde, sagte Burkhart. „Wir werden uns auf Spezialpapier konzentrieren“, erklärte er. Das werde beispielsweise in der Möbelgrundindustrie, unter anderem bei der Herstellung von Teilen aus Spanplatten, gebraucht. Spezialpapier sei gefragt, während beim Bedarf an Druckpapier kein Zuwachs mehr erwartet werde. Hinzu komme, dass Druckpapier immer weniger Gewicht pro Seite bringen soll und dadurch die Herstellungskosten steigen.

In der Perspektive kann laut Hubertus Burkhart der Anteil an Spezialpapier im Kriebsteiner Werk etwa 50 Prozent der Produktion ausmachen. Dafür müsse allerdings noch weiter Geld in Technik und Technologien fließen. Ein Mangel habe der Standort noch: die Transportwege. „Lastkraftwagen haben es auf den Straßen in und um Kriebstein schwer, ein gut ausgebauter Autobahnzubringer in Richtung Hainichen fehlt“, sagte Hubertus Burkhart.

Wie die Bevollmächtigten des Insolvenzverwalters erklärten, hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren bereits rund 30 Millionen Euro in Technik investiert. „Dadurch ist es wettbewerbsfähig“, betonten sie. Die Papierfabrik sei seit Monaten voll ausgelastet und erziele wieder operativ positive Ergebnisse. Die Löhne der Mitarbeiter seien nach drei Monaten, in denen die Arbeitsagentur den Beschäftigten Insolvenzgeld gezahlt hatte, nahtlos weiter vom Betrieb gezahlt worden, so Rechtsanwalt Raik Kilper.

Die Bevollmächtigten erwarteten, dass das Insolvenzverfahren bis Ende April aufgehoben wird. Zu einem früheren Zeitpunkt sei es nicht möglich, weil der Erhalt des Betriebes im Rahmen eines Insolvenzplans erfolgen soll, erklärten sie. Vorerst steht deshalb der Eintritt der neuen Investoren noch unter dem Vorbehalt, dass der Insolvenzplan von den Gläubigern und dem Gericht genehmigt wird.

Das vorläufige Insolvenzverfahren musste eingeleitet werden, da sich Zahlungsschwierigkeiten andeuteten. „Zum Zeitpunkt der Eröffnung waren aber alle Rechnungen bezahlt, es gab keine Rückstellungen“, hatte auch Rechtsanwalt Ampferl bescheinigt. Seit Mitte 2016 seien die Preise auf dem Papiermarkt extrem unter Druck gewesen. Das habe zu den vorübergehenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten geführt. Trotz Insolvenz hatte die Firma neue Azubis eingestellt. (FP mit sol)

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