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Dienstag, 17.04.2018

Kreischa hat sich herausgeputzt

Mit Millionen von Euro wurden seit 1995 fast alle Sanierungsziele im Ortskern erreicht. Eine Bilanz.

Von Stephan Klingbeil

Kreischas Verschönerung

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Der Haußmannplatz in Kreischa mit Blick auf das Café Lehmann: Das Areal erhielt nach der Frischekur einen Kreisverkehr. Bei der Sanierung der Ortsmitte entstand auch ein Lebensmittelmarkt.
Der Haußmannplatz in Kreischa mit Blick auf das Café Lehmann: Das Areal erhielt nach der Frischekur einen Kreisverkehr. Bei der Sanierung der Ortsmitte entstand auch ein Lebensmittelmarkt.

© Karl-Ludwig Oberthür

So sah das Areal früher aus.
So sah das Areal früher aus.

© Repro: SZ

Kreischa. Nahezu alle Sanierungsziele sind erreicht. Kreischas Bürgermeister Frank Schöning (FBK) ist zufrieden mit der städtebaulichen Bilanz, nachdem die Schlussrechnung für das Sanierungsgebiet „Ortsmitte“ vorliegt. 98 Prozent der geplanten Gebäudesanierungen wurden umgesetzt. 95 Prozent der in den 90er-Jahren festgelegten Sanierungsziele sind verwirklicht worden. Zu den damals abstrakt formulierten Zielen zählten vor allem Verbesserung von Verkehrswegen, Wohnsituation, Kurorts-Infrastruktur und Lebensqualität.

Kreischas Verschönerung

„Das hier war das beste Aufbauprogramm, das dem Ortskern beziehungsweise der Ortschaft in den vergangenen zwei Jahrzehnten passieren konnte“, sagt Schöning. „Städtebauliche Missstände wurden beseitigt. Das hat nicht nur optisch eine deutliche Aufwertung gegeben, sondern es sind auch neue Nutzungen entstanden.“ Der Bürgermeister verweist dabei zum Beispiel auf den ehemaligen Rittergutshof. „Dort gab es vorher einen Misthaufen, Plattenstapel, Schlamm und Dreck“, erläutert er. Nun gebe es dort Parkplätze, den Einkaufsmarkt, Sitzgelegenheiten. Außerdem wurde dort das Altenpflegeheim eröffnet.

Ähnlich sieht es im näheren Umfeld aus. Geschäfte und Freiflächen sind entstanden, die alte Straßenbahnhalle, die zwischendurch als Einkaufsmarkt fungierte, wurde zum Vereinshaus ausgebaut. Die Kita in der Schulgasse, das Rathaus, der Kurpark, die Friedhofshalle und viele weitere Einrichtungen sowie öffentlich genutzte Gebäude wurden saniert. Hinzu kamen zahlreiche privat finanzierte Haussanierungen, die zur weiteren Verschönerung des Ortskerns beigetragen haben. 15 davon wurden mit Fördergeld umgesetzt, und 35 ganz ohne Zuschüsse gestemmt.

Wie viel privates Geld in die Verschönerung des Ortskerns investiert wurde, sei daher unklar. Anders sieht es bei den Maßnahmen der Gemeinde aus: Fast 4,7 Millionen Euro an Fördermitteln von Bund und Land wurde im Rahmen des Städtebau-Programms in Anspruch genommen. Hinzu kamen hierüber noch Ausgaben Kreischas von etwa 3,8 Millionen Euro. Schöning zufolge flossen – alles zusammengerechnet – auf jeden Fall zweistellige Millionenbeträge in die Erneuerung des Ortskerns.

Acht Abbruchmaßnahmen zählten dazu, auch sieben Staßenbauprojekte wie die Ortsdurchfahrt, die Dresdner Straße oder der Bereich Am Mühlgraben. Darüber hinaus gab es sieben Plätze und Freiflächen, die über den Topf neu gestaltet wurden, so etwa am Feuerwehrgerätehaus, an der Kita, am Haußmannplatz oder auch der Parkplatz am Quohrener Wasser. Sechs Modernisierungen oder Neubauten wurden ebenfalls über die Gemeinde kofinanziert. Mit der jetzigen Schlussrechnung der 2017 nach fast 23 Jahren aufgehobenen Sanierungssatzung endet das bedeutendste Kapitel in der städtebaulichen Geschichte der Gemeinde nach der Wiedervereinigung.

Mit der Abschlussbewertung des Gutachterausschusses vom Landkreis steht nun aber auch fest, welchen Wert die Grundstücke in den vier Zonen des Sanierungsgebiets haben. Die betroffenen – größtenteils kommunalen – 94 Flurstücke waren 1995 und 2012 begutachtet worden. „Fest steht, dass es im Vergleich zu den vorherigen Gutachten eine Wertsteigerung gegeben hat“, sagt Schöning. Wer also vorzeitig die Ablösen gezahlt hat und die so genannten Rabatte der Gemeinde in Anspruch nahm, habe richtig gelegen. Nach dem Ende der Förderungen über dieses Programm wurden die Ausgleichsbeiträge fällig, die Grundstückseigentümer im Sanierungsgebiet zahlen müssen – egal, ob sie selbst Fördergelder erhalten haben. Begründet werden die Forderungen mit der Wertsteigerung aller Grundstücke.

Wie in anderen Kommunen gab es auch in Kreischa dagegen Proteste. 2011 wurde dem Gemeinderat eine Unterschriftenliste für ein Bürgerbegehren übergeben. Grundstückseigentümer wollten damit erreichen, nicht allein für die Wertsteigerung zahlen zu müssen. Die Ablöse sollte eher auf alle Einwohner verteilt werden. Doch das Vorhaben scheiterte unter anderem an formalen Kriterien. Es gab aber noch die Möglichkeit, Abschläge in Anspruch zu nehmen. Eigentümer konnten so 2012, 2013 und 2014 den Sanierungsausgleichsbetrag um zehn bis 20 Prozent mindern – je früher jemand zahlte, desto mehr Rabatt gab es. In Kreischa haben das sechs Eigentümer nicht genutzt, darunter mehrere Firmen. Die noch offenen Ausgleichbeträge von 33 100 Euro müssen nun bis Ende 2018 gezahlt werden.

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