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Mittwoch, 03.01.2018

Komplizierter Breitbandausbau

Fels und Hochwasserschäden machen der Telekom in Glashütte zu schaffen. Dennoch gibt es Hoffnung.

Seit dem Sommer 2017 werden in Glashütte Glasfaserkabel verlegt. Viele Glashütter werden so in naher Zukunft „schnelles Internet“ haben.
Seit dem Sommer 2017 werden in Glashütte Glasfaserkabel verlegt. Viele Glashütter werden so in naher Zukunft „schnelles Internet“ haben.

© dpa

Glashütte. Die Baustellen sind nicht zu übersehen. Überall im Glashütter Stadtgebiet werden neue Schaltkästen errichtet – Vorboten, dass das schnelle digitale Zeitalter in naher Zukunft auch in der Uhrenstadt beginnen kann. Ein halbes Jahr nach dem Baustart wollte die SZ von der Telekom und dem Glashütter Rathaus wissen, wie weit man mit dem 690 000 Euro schweren Investitionsprogramm gekommen ist.

Alles zu Glashüttes Breitbandausbau

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In welchen Ortsteilen sind die Arbeiten bereits abgeschlossen?
Die Tiefbauarbeiten sind in den Ortsteilen Schlottwitz, Dittersdorf, Oberfrauendorf, Hirschbach, Hausdorf, Börnchen, Bärenhecke, Luchau und der Kernstadt abgeschlossen. „Es kann lediglich noch zu vereinzelten Restarbeiten kommen, da noch offene Gruben geschlossen werden müssen“, sagt Telekom-Sprecher Georg von Wagner.

In welchen Ortsteilen ist die Telekom gegenwärtig tätig?
Aktuell werden in vielen Ortsteilen weitere neue Kabelverzweiger errichtet. Derzeit liegt der Schwerpunkt der Arbeiten in Johnsbach, Niederfrauendorf und Reinhardtsgrimma. Auch in Cunnersdorf haben die Arbeiten begonnen. Da hier Straßen gequert werden müssen, muss sich die Telekom mit den zuständigen Behörden abstimmen. „Leider verzögern sich die weiteren technischen Schritte, sodass vielerorts die Baustellen sehr lange stehen“, sagt Bürgermeister Markus Dreßler. Gerade im Hinblick auf den bevorstehenden Winterbeginn hatte die Stadt die Telekom daher nochmals gebeten, die Baustellen so schnell wie möglich abzuschließen.

Welche Hürden hatte die Telekom zu meistern?
Um die neuen Glasfaserkabel verlegen zu können, muss die Telekom an mehreren Stellen durch Felsen bohren. Das sei kompliziert, sagt von Wagner. Zudem müssten auch an wichtigen Kreuzungen Leitungen verlegt werden. Das sind auch schwierige Bauvorhaben. Immer wieder hat die Telekom auch mit Nachwirkungen der Hochwasser von 2002 und 2013 zu tun. Damals hat die Flut teilweise ganze Rohrtrassen zerstört, die jetzt ausgewechselt und völlig neu verlegt werden müssen, so der Telekom-Sprecher.

Mitte 2018 sollen die Arbeiten beendet sein. Wird das zu schaffen sein?
Sowohl Bürgermeister Markus Dreßler als auch die Telekom sind überzeugt, dass die Arbeiten trotz aller Schwierigkeiten nach Plan Ende Juni abgeschlossen werden können. „Wir liegen zeitlich im Plan und werden alle Arbeiten rechtzeitig abschließen“, versichert Georg von Wagner.

Wie wird das Breitband freigeschaltet, Ort für Ort oder als Ganzes?
Dazu will sich die Telekom noch nicht äußern: „Zu den Zuschaltungen im Ausbaugebiet werden wir gemeinsam mit dem Bürgermeister informieren“, erklärt Telekom-Sprecher von Wagner.

Welche Übertragungsraten werden angeboten?
Im Stadtgebiet werden 3100 Haushalte an das Breitbandnetz angeschlossen. Zunächst war geplant, dass 95 Prozent der Haushalte mit Übertragungsraten von 30 Megabit/ Sekunde rechnen können, 60 Prozent sollen Übertragsraten von bis zu 50 Megabit/Sekunde bekommen. Ob demnächst noch höhere Übertragungsraten mithilfe der sogenannten Vectoring-Technik möglich sind, vermag die Telekom nicht zu sagen. „Die Möglichkeiten zur Nutzung von Vectoring im Ausbaugebiet müssen noch geklärt werden“, sagt Telekom-Sprecher von Wagner. Bürgermeister Dreßler ist da zuversichtlicher. Beim Ausbau des „schnellen Internets“ bestehe nun Aussicht, dass ab Mitte 2018 nicht nur 50 Megabit/Sekunde zur Verfügung stehen, sondern dank Vectoring sogar 100 Megabit/Sekunde möglich sein können. „Technisch ist dies schon länger möglich“, erklärt der Rathauschef. Nunmehr scheint sich eine Lösung des „fördertechnischen“ Problems abzuzeichnen.

Wie Vectoring funktioniert

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Als Vectoring wird eine Technologie bezeichnet, die es ermöglicht, das über Kupferkabel bezogene Internet schneller zu machen.

Dazu wird in den Verteiler-Kästen ein Gerät installiert. Es wird zwischen dem vom Netzknoten kommenden Glasfaserkabel und dem Kupferkabel, das zum Haus führt, montiert.

Das Gerät erhöht die Durchleitgeschwindigkeit, indem es die in den Kupferkabeln auftretenden elektromagnetischen Störungen eliminiert.

Der Vorteil an der Lösung: Der Einbau des Gerätes ist billiger, als die Kupferkabel zu den Wohnhäusern gegen Glasfaserkabel zu wechseln.

Es gibt aber auch Kritik und Vorbehalte gegen das Vectoring. Wer sich für diese Technik entscheidet, muss sich auf einen Anbieter festlegen. Dies widerspricht jedoch dem Grundsatz des freien Netzzugangs, sagen die Kritiker dieser Technik. (SZ/mb)