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Dienstag, 21.03.2017

Kommentar: Ein „Unbefriedigend“ darf nicht genügen

Jana Ulbrich über den Zustand der Flüsse und Bäche

Zu DDR-Zeiten stank das Wasser in unserem Dorfbach zum Himmel. Es stank nach Gülle, nach ungeklärten Abwässern, nach Chemie. Und täglich wechselte der Bach seine Farbe, war mal rot, mal schwarz, mal dunkelblau – je nachdem, was in der Textilfärberei flussaufwärts gerade dran war. Überall ragten Rohre aus den Böschungen. Durch die flossen die Abwässer aus der Feuerverzinkerei, aus der Textilveredlung, aus der Molkerei, aus den Haushalten. Nicht einmal die Wildenten ließen sich auf dieser Dreckbrühe nieder.

Heute schwimmen Forellen im klaren Bach. Wir können wieder Libellen beobachten, und die Nachbarskinder waten im Sommer barfuß durchs Wasser. Wie schön, dass sie das jetzt so selbstverständlich können.

So sauber, wie es auf den ersten Blick scheint, ist das Wasser in unserem Dorfbach allerdings noch lange nicht. In der ökologischen Gewässerlandkarte ist er in Orange eingezeichnet. Orange bedeutet: Note vier, „unbefriedigend“. Es gibt viele Flüsse und Bäche im Kreis, die sogar noch schlechter bewertet werden. Ein „Unbefriedigend“ aber sollte uns nicht genügen. Nicht, weil die EU einen hohen Standard fordert und Deutschland sogar mit Klage droht, sondern weil wir selber es wollen – und auch dazu beitragen können.

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