• Einstellungen
Montag, 13.11.2017 Kommentar

Kommentar: Die Bodenhaftung nicht verlieren

Neues Leitbild und alte Stärke - Dynamo formuliert auf der Mitgliederversammlung ehrgeizige Ziele. Jetzt muss der Verein nur die Realität im Blick behalten, meint SZ-Redakteur Daniel Klein.

2

Daniel Klein
Daniel Klein

© Robert Michael

In der Vergangenheit tat sich Dynamo oft schwer, ein Saisonziel zu formulieren. Meist hieß es reichlich unkonkret, man wolle die Mannschaft weiterentwickeln. Bei der Mitgliederversammlung überraschte der Verein nun gleich mit einer doppelten, sehr deutlichen Ansage: Bis 2021 wollen die Dresdner in die Bundesliga aufsteigen. Und im neuen Leitbild, das sich Dynamo verpasst hat, wird sogar vom Europapokal geträumt.

Man kann sich darüber streiten, ob man solch eine Vereinsbibel mit zwölf Geboten wirklich braucht. Noch mehr ließe sich darüber diskutieren, ob in den Punkten alles Relevante aufgelistet wird. So heißt es zwar, dass die Fancharta respektiert wird, man hätte den Verzicht auf Gewalt aber auch direkt als Leitbild formulieren können. Geschadet hätte es zumindest nicht.

So dominiert in diesem Wertekanon ein enormes Selbstbewusstsein, der Pathos ist sehr präsent. Dynamo soll die Nummer eins im Osten und das 100. Europapokalspiel irgendwann Teil der Geschichte sein. Seit 1991 steht der Verein bei 98 – und derzeit vier Punkte von einem Tabellenplatz entfernt, der am Saisonende direkt in die dritte Liga führen würde – nicht in die erste.

Trotzdem ist es richtig, ambitionierte Ziele zu formulieren, selbst wenn es momentan unrealistisch erscheint. Stillstand ist kein Fortschritt, sondern Rückschritt. Mit dem Potenzial und dem Umfeld gehört der Verein längst in eine andere Liga. Verhindert wurde das jahrelang durch Inkompetenz, Streitigkeiten und Eitelkeiten. Nun will Dynamo wieder an die großen, erfolgreichen Zeiten anknüpfen. Die Formulierung dieses Traums darf jedoch nicht dazu führen, dass der Blick für die Realität und die Bodenhaftung verloren gehen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass diese Sorge keine unberechtigte ist.

E-Mail an Daniel Klein

Desktopversion des Artikels

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Jugend

    Was man in diesem Zusammenhang nicht vergessen sollte: Sowohl A- als auch B-Jugend haben sich mittlerweile in der Bundesliga festgesetzt. Und dass, obwohl das neue Leistungszentrum erst noch kommt. Hier kommt also durchaus was nach.

  2. nonmigrant

    "Verhindert wurde das jahrelang durch Inkompetenz, Streitigkeiten und Eitelkeiten." ... und ergänzend durch die dynamofeindliche Haltung in "Partei und Regierung" zumindestes bis in die Ära Milbradt hinein. Zu hoffen bleibt das man begreift dass 1- Ligafussball ein nicht zu unterschätzender sogenannter weicher Standortfaktor und eine Erstligist ein mittelständisches Unternehmen darstellt. Fussball ist Unterhaltungs-industrie mit hohem regionalen Identifikations-potenzial. Man kann nur hoffen dass dies im Rathaus, im Stadtrat und in der regionalen Wirtschaft nicht aus den Augen gelassen wird.

Alle Kommentare anzeigen

Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.