• Einstellungen
Samstag, 30.12.2017

„Könnte die Gemeinde das Schloss zurückkaufen?“

Seußlitz, Flutschutz, Wodka. Die SZ hat mit Bürgermeister Gerd Barthold (CDU) übers alte und neue Jahr gesprochen.

Gerd Barthold – hier nach seiner Wiederwahl im Oktober 2014 – ist seit 2007 Bürgermeister von Nünchritz und war zuvor persönlicher Referent des Landrates. Der 55-Jährige wohnt in Radewitz.
Gerd Barthold – hier nach seiner Wiederwahl im Oktober 2014 – ist seit 2007 Bürgermeister von Nünchritz und war zuvor persönlicher Referent des Landrates. Der 55-Jährige wohnt in Radewitz.

© Sebastian Schultz

Herr Barthold, erst war Bundespräsident Frank-Walther Steinmeier in Nünchritz, dann waren Sie Gast auf dem Weihnachtsempfang der russischen Botschaft in Berlin. Das sind sicher keine alltäglichen Termine?

Dies werden wir wohl auch so schnell nicht wieder erleben. Auch Wacker war auf den Besuch des Bundespräsidenten sehr stolz. Und die Russen wollten sich mit der Einladung für die Sanierung der Kriegsgräberstätte bedanken. In die Botschaft Unter den Linden waren zahlreiche Gäste geladen. Der reich geschmückte Weihnachtsbaum war riesig. Einige Künstler des Bolschoi-Theaters gaben ein Konzert, und danach zeigten sie ihre Gastfreundschaft bei russischen Spezialitäten: Pelmeni, Piroggen und natürlich einem Gläschen Wodka.

Die Einweihung des Soldatendenkmals an der S 88 in Nünchritz liegt noch gar nicht so lange zurück. Welche Projekte für 2017 würden Sie noch hervorheben?

Es ist allerhand passiert. Gleich zu Beginn des Jahres haben wir das Seitenstück der Glaubitzer Straße grundhaft saniert, zu Jahresmitte einen Seitenast der S 88 in Diesbar-Seußlitz instand gesetzt. Zwei Gehwegabschnitte wurden erneuert, und wir haben bis Ende Juni die neuen Urnenwände auf dem Friedhof fertiggestellt. Auch der Mannschaftstransportwagen für die Ortswehr Weißig/Roda ist bestellt. Die Sanierung der Kombi läuft planmäßig. Bis Ende 2018 müsste das zu schaffen sein.

Nach einigem Hin und Her bezüglich der Förderprogramme wurde auch der Dorfplatz in Goltzscha fertiggestellt. Wurde dort bereits gefeiert?

Schon im Sommer haben die Anwohner eine spontane Party zur Einweihung veranstaltet. Auch ihren traditionellen Ortsweihnachtsmarkt feierten die Goltzschaer bereits auf dem neuen Platz.

Auch 2018 soll es an einigen Stellen der Gemeinde vorangehen. Was ist geplant?

Die Nordstraße hinter dem Rathaus und auch den Fährweg in Leckwitz wollen wir im nächsten Jahr bauen. Auch liegt der Förderantrag für den Ausbau der Glaubitzer Straße am Schulzentrum vorbei schon seit Juni im Landesamt für Straßenbau in Meißen. Bisher gibt es noch kein positives Zeichen. Wenn der Fördermittelbescheid eingeht, könnte es auch dort losgehen.

Und der Lückenschluss am Elberadweg?

Die Planfeststellungsunterlagen liegen bis Januar aus. Wir hoffen, dass es da keine Einwendungen mehr gibt. Parallel dazu bereiten wir bereits den Fördermittelantrag vor. Wenn wir die notwendigen Fördermittel zeitnah erhalten, kann 2018 ausgeschrieben, vergeben und gebaut werden.

Wird 2018 auch die Heinrichsburg in Diesbar-Seußlitz gesichert? Dort hatte man große Risse entdeckt, das Gartenhaus droht abzurutschen.

Es gab bereits eine Ausschreibung mit einem Angebot, welches aber gegenüber der Plansumme deutlich überzeichnet war. Jetzt wollen wir versuchen, die Sanierung über ein Programm für Kulturdenkmäler oder dem Leaderprogramm fördern zu lassen. Dies bedarf 2018 unbedingt der Realisierung. Dort ist Gefahr im Verzug.

Apropos Diesbar-Seußlitz. Der Schlosspark wurde in den vergangenen Monaten von Anwohnern und nicht vom Besitzer gepflegt. Wie geht es dort weiter?

Man muss Frau Zeidler wirklich danken. Ohne sie und die vielen Freiwilligen würde der Park nicht so gut aussehen. Dass er durch Privatinitiative gepflegt wird, kann aber kein Dauerzustand sein.

Gibt es denn Kontakt zum Besitzer Stephan Braunfels?

Es kommt Bewegung in die Sache. Ich habe zuletzt vor zwei Wochen mit einem Vertreter von Herrn Braunfels gesprochen. Er führt auch Gespräche mit dem Denkmalamt, um die drängendsten Auflagen zu erfüllen. Es läuft vermutlich auf eine Vermarktung heraus. Ich hoffe nur, diese verläuft geordnet, und es kommt nicht zu einer Zwangsversteigerung.

Könnte denn nicht die Gemeinde das Schloss zurückkaufen?

Die Seußlitzer wünschen es sich bestimmt. Aber das übersteigt die Möglichkeiten unserer Gemeinde.

Auch beim Hochwasserschutz sind die Anwohner unzufrieden. Der Baubeginn für die Deichlinie zwischen Wacker-Klärwerk und Floßkanal steht noch immer in den Sternen.

Die neue Auslegung der Planfeststellungsunterlagen wird es wohl 2018 geben. Ich kenne einige Einwendungen nach der ersten Auslegung und mich interessiert selbst, wie die Behörde diese eingeordnet hat. Aber natürlich wäre es gut, schon weiter zu sein. Wenn jetzt ein Hochwasser kommt, ständen wir nur wenig besser da als 2013. Obwohl wir schon einiges getan haben.

Was meinen Sie damit?

Wir haben mobile Deiche angeschafft. Erst vor zwei, drei Wochen kam die nächste Lieferung Schläuche. Außerdem hat der Abwasserzweckverband die Pumpen hoch gesetzt, und auch die Enso hat ihre Hausaufgaben gemacht.

Und Nünchritz ist ja auch eine der wenigen Kommunen mit einer Wasserwehr, die ähnlich der freiwilligen Feuerwehr organisiert ist.

Ja, obwohl die Arbeit dort ein bisschen ruhiger geworden ist. Zu Beginn gab es regelmäßige Übungen. In diesem Jahr noch keine.

Wenn Sie für 2018 drei Wünsche frei hätten, welche wären es?

Viele Babys, um die Einwohnerzahl stabilisieren zu können. Wir verlieren noch immer langsam, aber stetig. Dann muss es der Wirtschaft gut gehen – Wacker genauso wie dem Mittelstand. Denn das ist unsere Basis. Und ich würde mir weniger Vandalismus und Graffiti wünschen. Das kostet nur sinnlos Geld, das an anderer Stelle besser eingesetzt wäre.

Nun steht der Jahreswechsel kurz bevor. Wie feiern Sie?

Das wissen wir noch nicht so genau. Im letzten Jahr haben meine Frau und ich uns gegen Mitternacht mit den Nachbarn getroffen und auf das neue Jahr angestoßen. Es wird auch dieses Jahr sicher eher ruhig.

Das Gespräch führte Antje Steglich.