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Montag, 16.04.2018

Königsbrück bekommt neue Kinderarztpraxis

Worüber sich Königsbrücker freuen können, ist für Pulsnitz nicht so schön. Eine Kinderärztin hat ihre Arbeit dort beendet.

Von Reiner Hanke

Gewinn und Verlust liegen oft nah beieinander. Pulsnitz verliert eine Kinderärztin. Die Stadt Königsbrück hat bald wieder eine Praxis.
Gewinn und Verlust liegen oft nah beieinander. Pulsnitz verliert eine Kinderärztin. Die Stadt Königsbrück hat bald wieder eine Praxis.

© dpa/Britta Pedersen

Pulsnitz / Königsbrück. Die Wogen um das Hausarztproblem in Pulsnitz haben sich noch nicht geglättet, da rollen die nächsten an. Pulsnitz verliert eine weitere Medizinerin. Diesmal mit Dr. Darina Mothes eine Kinderärztin. Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsens bestätigt auf Nachfrage der SZ: „In der Tat hat Frau Dr. Mothes, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, ihre vertragsärztliche Tätigkeit in Pulsnitz beendet.“ Seit diesem Monat ist die Ärztin nicht mehr in der Stadt tätig. Sie war hier bisher in Teilzeit in der Kinderarztpraxis von Frau Dr. Roth angestellt. Dr. Mothes führe nun eine Praxis in einer anderen Region fort. Sie habe diese Praxis übernommen. Aus den Worten der Kassenärztlichen Vereinigung spricht eine gewisse Erleichterung darüber. Sprecherin Katharina Bachmann-Bux begrüßt es ausdrücklich und schreibt von einer dringend notwendigen Übernahme. Das kling nach einer Notsituation.

Die freie Stelle in Pulsnitz sei im Auftrag der Praxisinhaberin, Frau Dr. Roth, öffentlich zur Nachbesetzung ausgeschrieben worden. Katharina Bachmann-Bux sagt dazu: „Hierauf hat sich nur eine Kinderärztin beworben.“ Sie habe zwischenzeitlich auch den Zuschlag erhalten und werde künftig in einer eigenen Praxis die Arbeit fortführen.

Das ist der springende Punkt. Die Sprecherin weist darauf hin, dass solche Übernahmen nicht zwingend an den bisherigen Tätigkeitsort gebunden seien. Allerdings gebe es auch örtliche Grenzen, um einen Arztsitz zu verlegen. Katharina Bachmann-Bux spricht von den Grenzen gewisser ärztlicher Planungsbereiche. Die seien zu beachten. Das erinnert schon etwas an den jüngsten Hausarztwechsel von Pulsnitz nach Großröhrsdorf. Wenn es also um die Übernahme oder das Fortführen einer Praxis gehe, sei es nur zulässig, eine Praxis innerhalb dieses Planungsbereiches zu verlegen.

Die Einteilung der Territorien in derartige Bereiche gehöre zur Bedarfsplanung für Vertragsärzte. Die orientiere sich im Übrigen nicht an den Versorgungsverhältnissen speziell in einzelnen Kommunen, wie Pulsnitz oder Großröhrsdorf, sondern übergreifend. Planungsbereiche und deren Größe seien zudem abhängig von der jeweiligen Arztgruppe. Für Kinderärzte gilt im vorliegenden Fall beispielsweise der Bereich des früheren Landkreises Kamenz, einschließlich der Stadt Hoyerswerda.

Das ist sehr weit gefasst und könnte das Schlimmste für Pulsnitz bedeuten. Es bedeute zugleich, dass der übernommene Arztsitz grundsätzlich an jeden Ort innerhalb dieses Bereiches hätte verlegt werden können. Im aktuellen Fall ist es geplant, wieder eine Kinderarztpraxis in Königsbrück zu eröffnen. Dort gab es in der Vergangenheit bereits eine solche Praxis, und die Freude für alle Eltern dürfte ungleich größer sein. Für sie werden die Wege zum Kinderarzt kürzer.

Für Pulsnitz ist es freilich ein Verlust. Im Rathaus schätzt man die Situation so ein: Die Stadt habe im Grunde keine Chance gehabt, im Vorfeld tätigt zu, werden. Wenn ein Arzt in Ruhestand gehe sei das ja noch ganz gut absehbar. Wenn sich ein jüngerer Arzt neu orientiere, sei das aber nicht ohne Weiteres möglich.

Bei der Kassenärztlichen Vereinigung will man die Sorgen aus Pulsnitzer Sicht etwas zerstreuen. Zumal deren Arztplanung ja nicht an Stadtgrenzen ende. Wegen der räumlichen Nähe zwischen Pulsnitz und Königsbrück geht die Kassenärztliche Vereinigung davon aus, dass sich der ärztliche Kapazitätsverlust in Pulsnitz „sehr wahrscheinlich kompensieren“, werde. Für Königsbrück ist das natürlich eine sehr gute Nachricht. Die neue Praxis wird nach Auskunft der Kassenärztlichen Vereinigung frühestens am 1. Oktober und spätestens bis zum 1. Januar 2019 eröffnen.