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Freitag, 19.05.2017

Kodersdorf prüft Umleitungs-Alternativen

Gemeinde leidet unter Verkehrschaos wie am vergangenen Sonntag. Straßenbauamt setzt sich auch über Bedenken hinweg.

Von Alexander Kempf und Steffen Gerhardt

Wenn im Falle einer Tunnelsperrung auf der Autobahn unzählige Lastwagen durch Kodersdorf rollen, ist das eine enorme Belastung für die Anwohner.
Wenn im Falle einer Tunnelsperrung auf der Autobahn unzählige Lastwagen durch Kodersdorf rollen, ist das eine enorme Belastung für die Anwohner.

© André Schulze

Kodersdorf. Stoßstange an Stoßstange standen am Sonntagnachmittag viele Autos zwischen Kodersdorf und Niesky. Eine vermeintliche Routinereinigung zieht sich in die Länge und der Bypass an der Jänkendorfer Kreuzung ist dem Verkehr aus Polen einmal mehr nicht gewachsen. Stundenlang herrscht auf der Bundesstraße 115 und den kleinen Wegen in den Königshainer Bergen Ausnahmezustand. Auch die Kodersdorfer Spitzkehre droht unter der Blechlawine verschüttzugehen. Der Unmut ist groß. Nicht nur bei den polnischen Pendlern, sondern auch bei den Anwohnern. Gerade in Kodersdorf.

Das spürt am Sonntag auch die Polizei, bei der sich Anwohner telefonisch Luft machen. Die Beamten reichen sie im Polizeibericht weiter. Besonders der Zeitpunkt der Sperrung, ist herauszulesen, sorgt für Unmut. Das bringt das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) in Erklärungsnot. Denn die haben den Termin angesetzt. Der sei auch ganz bewusst gewählt worden, verteidigt sich Dresden. Der Reinigungstrupp sei Sonntag angerückt, da an diesem Tag fast keine Lastwagen fahren dürfen. „Für die Anwohner an den Umleitungsstrecken wäre die Belastung durch den Lkw-Verkehr um ein Vielfaches höher geworden“, sagt Lasuv-Sprecherin Isabel Siebert.

Wäre die Reinigung nach Plan erfolgt, hätte auch die Tunnelröhre Richtung Bautzen ab 15 Uhr wieder frei sein sollen. Also zu jener Zeit, in der am Sonntag die Pendler aus Polen Deutschland erreichen. Aber die Nordröhre konnte erst nach 18 Uhr wieder freigegeben werden. Zur Ursache sagt Isabel Siebert: „Nach der Wäsche sind beim Aufschalten der sicherheitsrelevanten Messtechnik Ausfälle festgestellt worden. Diese mussten zwingend behoben werden, um den Tunnel wieder in Betrieb nehmen zu können.“

Ist die Technik abgesoffen? Der Termin des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr hat von vornherein nicht alle begeistert. „Wir haben unsere Bedenken angemeldet“, sagt etwa Bürgermeister René Schöne aus Kodersdorf. Er habe erfolglos dafür plädiert, dass am Sonntag nicht beide Röhren, sondern lediglich eine gereinigt wird. Dresden aber hat anders entschieden. Dabei kann René Schöne die Zwickmühle, in der sich das Landesamt befindet, gut nachvollziehen. Denn wird der Tunnel unter der Woche gesperrt, droht zwar keine osteuropäische Reisewelle, dafür schieben dann aber die schweren Lastwagen durch seinen Ort. Und nachts putzen sei auch keine echte Alternative. Dann gäbe es zwar weniger Verkehr, dafür würden aber die Kodersdorfer, welche tagsüber viel Lärm ausgesetzt sind, auch noch keinen Schlaf bekommen. „Es gibt keinen Allheilweg“, so René Schöne versöhnlich.

Doch einen Wunsch hätte er für die Zukunft wohl doch. Eine Ortsumfahrung könnte den Umleitungsverkehr aus Kodersdorf fernhalten. Und auch den Lärm der Bundesstraße 115 mindern. Denn Kodersdorf ist durch die nahe Autobahn und das stetig gewachsene Industriegebiet schon jetzt viel mehr Lärm ausgesetzt als andere Orte. Würde die B115 nicht mehr durch den Ort führen, wäre das zweifelsohne eine große Entlastung. Darum plant Kodersdorf in diesem Jahr Geld im Haushalt ein, um prüfen zu lassen, unter welchen Umständen eine Ortsumfahrung möglich ist. Sogar im sächsischen Wirtschaftsministerium sei die Gemeinde deswegen schon vorstellig gewesen, erzählt René Schöne.

Doch wie könnte eine solche Umfahrung aussehen? „Es gibt Grundvorstellungen“, sagt René Schöne. Mehr nicht. Es ist ja gerade Aufgabe der Machbarkeitsstudie, Alternativen zu entwickeln. Dass eine Umsetzung nicht einfach wird, ist dem Bürgermeister bewusst. Denn in Natur- und Landschaftsschutzgebieten gelten strenge Regeln. Trotzdem sieht er Handlungsbedarf, um die Situation entlang der schon jetzt stark befahrenen Bundesstraße 115 zu entspannen. Denn die wird in Zukunft noch viel mehr in Anspruch genommen werden, vermutet der Bürgermeister.

Was passiert, wenn dann auch noch der Autobahnverkehr über die B115 in Richtung Jänkendorf und Nieder Seifersdorf rollt, davon hat sich Polizeisprecher Thomas Knaup am Sonntag selbst ein Bild machen können. Stau an der Jänkendorfer Kreuzung, Stau in Kodersdorf und abgefahrene Bankette auf den Nebenstraßen – der Sonntag war eine Belastungsprobe für Mensch und Material. Thomas Knaup ist heilfroh, dass der Geisterfahrer vom Wochenende keinen Unfall im Autobahntunnel Königshainer Berge verursacht hat. „Hätte es dort eine Kollision gegeben, hätten wir einen Zappen“, sagt er.

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