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Mittwoch, 15.11.2017

Kleiner Hügel, große Ängste

Ein Erdwall an der Baustelle om Ottendorfer Rossplatz sorgt für Verwirrung. Dabei ist er ganz harmlos.

Von Nadine Steinmann

Lutz Herrmann, Vorstandsvorsitzender der Wohnungsgenossenschaft, zeigt anhand der Baupläne für den Rossplatz, dass direkt auf der Fläche, wo nun der Erdwall ist, ein Carport entsteht. Die Aufschüttung wird später aber nicht mehr erkennbar sein.
Lutz Herrmann, Vorstandsvorsitzender der Wohnungsgenossenschaft, zeigt anhand der Baupläne für den Rossplatz, dass direkt auf der Fläche, wo nun der Erdwall ist, ein Carport entsteht. Die Aufschüttung wird später aber nicht mehr erkennbar sein.

© Thorsten Eckert

Ottendorf-Okrilla. Lange Zeit war es ruhig geworden um den Ottendorfer Rossplatz und das dort entstehende Mehrfamilienhaus. Die stetige Kritik rund um das Projekt der Wohnungsgenossenschaft war abgeebbt. Positive Neuigkeiten wie das Richtfest Ende September dominierten die öffentliche Wahrnehmung. Doch ein Erdwall auf der Baustelle – direkt an der Radeberger Straße – sorgt nun für Verwirrung und bringt längst geführte und fast vergessene Diskussionen wieder ans Tageslicht.

Die Verwirrung und die damit verbundene Angst, dass die Wohnungsgenossenschaft höher baut als vereinbart, hatten nun sogar zur Folge, dass sich Bürgermeister Michael Langwald (parteilos) und sein Bauamtsleiter Andreas Jäpel auf der Baustelle eingefunden haben, um die ominösen Aufschüttungen in Augenschein zu nehmen. Lutz Herrmann, Vorstandsvorsitzender der Wohnungsgenossenschaft, hat aber eine Erklärung für den Erdwall: „Wir haben mit den Aufschüttungen die neu verlegten Leitungen abgedeckt.“ Außerdem entstehe direkt an dieser Stelle künftig ein Carport, in dem die Mieter ihre Autos unterstellen können. „Zur Radeberger Straße hin ist das Carport geschlossen und die Mauer endet direkt an der Grasnarbe“, so der Genossenschafts-Chef. Sprich: Der Erdwall wird künftig überhaupt nicht mehr zu sehen sein und die Bewohner des Rossplatzes erhalten mit dem geschlossenen Carport gleichzeitig eine Art Sicht- und Lärmschutz zur stark befahrenen Radeberger Straße. „Somit entsteht ein richtiger kleiner Innenhof“, erklärt Lutz Herrmann, der auch mehrmals betont, dass das Wohnungsprojekt nicht über die im Bauplan vereinbarten Höhen hinausschießt.

Dennoch spielte eben diese Angst bei der vergangenen Sitzung des Gemeinderates eine wichtige Rolle. Einige der Entscheidungsträger befürchten, dass ein neuer Schandfleck entsteht – zumindest für die umliegenden Bewohner. „Mir kommt der Bau jetzt schon immens gewaltig vor“, erklärt Ottendorfs Ortsvorsteherin Andrea Ohm. Linken-Gemeinderat René Edelmann wirft die Frage in den Raum, ob beim Bebauungsplan ein Fehler gemacht wurde und ob beim zweiten Bauabschnitt noch Änderungen möglich sind. Mit dem zweiten Bauabschnitt meint der Medinger Ortsvorsteher das zweite Mehrfamilienhaus, das sich in L-Form an das derzeit entstehende Objekt anschließt. „Es handelt sich aber um einen Bebauungsplan für beide Abschnitte“, betont Lutz Herrmann, der die ewige Diskussion um das Projekt der Wohnungsgenossenschaft leid ist. „Hier passiert endlich etwas, es gibt genügend andere unschöne Stellen im Ort“, fügt der Genossenschafts-Chef hinzu. Und recht hat er – immerhin zerstört nur wenige Meter weiter vorn an der Kreuzung mit der Bundesstraße 97 das immer weiter zerfallende Haus neben dem Imbiss das Ortsbild seit Jahren.

Grundsätzlich soll das erste Mehrfamilienhaus am Rossplatz im kommenden Sommer fertiggestellt sein. Sechs der insgesamt elf Wohnungen sind bereits vermietet. Mehr als die Hälfte. Die Nachfrage scheint also vorhanden zu sein. Mit der Einweihung des Hauses plant die Wohnungsgenossenschaft gleichzeitig, ihr 60-jähriges Jubiläum zu feiern.

Was halten Sie vom Projekt Rossplatz? Diskutieren Sie mit unter: www.facebook.com/SZradeberg