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Freitag, 22.12.2017

Klärwerk stinkt weniger

Kaditzer Anwohner können aufatmen. Die große Lösung kommt aber erst noch.

Von Peter Hilbert

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Klärwerkschef Gert Bamler freut sich, dass es an der Schlammverlade-Anlage längst nicht mehr so stinkt wie vor einem halben Jahr.
Klärwerkschef Gert Bamler freut sich, dass es an der Schlammverlade-Anlage längst nicht mehr so stinkt wie vor einem halben Jahr.

© SZ/Peter Hilbert

Kaditz wird nie zum Luftkurort. Dennoch unternimmt die Stadtentwässerung viel, damit es rund ums Klärwerk nicht zu stark stinkt. Mit der Inbetriebnahme der eiförmigen Faultürme kam 2012 der entscheidende Fortschritt. Denn der Klärschlamm musste nicht mehr mit Erdgas erhitzt und getrocknet werden. Doch dann der Rückschlag: Ab Anfang 2016 zogen wie früher immer wieder Wolken mit Schlammdunst über Kaditz. Klärwerkschef Gert Bamler suchte mit seinem Team nach Lösungen – und hat endlich erste Erfolge.

Die Gestanksquellen: Besondere Probleme an der Schlammverladung

Vor allem in der Schlammbehandlung müffelt es. Eigentlich hatte Bamler erwartet, dass schon vor einem knappen Jahr das Gestanksproblem gelöst ist. Eine Filteranlage war ausgefallen, die die Abluft von fünf großen Becken direkt neben der Autobahn reinigt. Sie war im Januar komplett erneuert worden. In dem Bereich war damals der Gestank zwar deutlich zurückgegangen, anderswo aber nicht. So an der Verladeanlage mit drei Silos, wo der ausgereifte Schlamm von Lkws abtransportiert wird.

Die ersten Schritte: In die Faultürme kommt weniger altes Speisefett

„Es gibt ein Bündel von Ursachen, die zusammenhängen“, sagt Bamler. Deshalb sei es so schwierig, das Problem zu lösen. Seit dem Sommer wird getestet, was am Betrieb der Anlagen geändert werden kann. In den Faultürmen reift Schlamm, sodass mit Faulgas in Blockheizkraftwerken Wärme und Strom erzeugt wird. Gefördert wird das durch den Zusatz von Fettresten aus der Gastronomie. Die Fettmenge wurde von bis zu 750 auf 500 Tonnen monatlich gesenkt. Dadurch wird aber weniger Energie produziert, was im Monat mit 10 000 Euro zu Buche schlägt.

Verzichtet wurde auch darauf, den Schlamm vorm Entwässern in Zentrifugen, das sind große Schleudern, auf 50 Grad zu erhitzen. Danach wird er auf Kompostanlagen abtransportiert. Das geschieht an der Verladestation. In ihrem Lüfter wurde eine Steuerung eingebaut, sodass er nur kurzzeitig läuft, wenn es nötig ist. Außerdem wurden nach dem Prinzip von Toiletten Duftstoffe aus Düsen aufgesprüht.

Die Reaktionen: Zahl der Beschwerden von Anwohnern stark zurückgegangen

„Es hat sich gelohnt“, resümiert der Klärwerkschef. Das wird an dem Trend von Beschwerden der Anwohner aus Kaditz, Übigau und Mickten deutlich. Im Juli waren es 16, im November nur zwei und in diesem Monat kam noch gar keine. „Das ist sehr erfreulich für uns und unsere Nachbarn“, sagt Bamler. Wie schnell die Anlieger reagieren, zeigt der Oktober. Beim Test war die Erwärmung des Schlamms wieder zugeschaltet worden. Er kann so besser ausgeschleudert werden. Was jedoch für Gestank sorgte. Die Reaktion kam prompt. Sofort stieg die Zahl der Beschwerden in dem Monat wieder auf zehn.

Gemeldet werden können Schlammgerüche auf einer speziellen Eingabemaske auf der Internetseite der Stadtentwässerung. Dort können konkrete Angaben – auch anonym – eingegeben werden, wann und wo es um das Klärwerks stinkt. Möglich ist das auch telefonisch: 8222222 oder online unter www.stadtentwaesserung-dresden.de

Die erste Lösung: Filter entfernt Schlammdunst an Verladesilos

Viel mehr kann am Betriebsregime der Klärschlamm-Behandlung nicht geändert werden. Deshalb wurden zwei Ingenieurbüros beauftragt, technische Lösungen zu finden. Die Erste von ihnen liegt vor und wird jetzt geprüft. Dabei geht es um die Abluft der Verladeanlage, wo Sattelzüge mit dem ausgefaulten Schlamm beladen werden. Normalerweise riecht der bei Klärwerken nicht, in Kaditz aber schon.

Es gibt mehrere Varianten, um das Problem zu beseitigen. So könnte ein großer Biofilter die Abluft reinigen. Möglich ist auch ein Spezialfilter, bei dem UV-Strahlen chemische Verbindungen „knacken“ und Aktivkohlefilter die Stoffe entfernt. Bei einer dritten Variante würde die Abluft durch eine Anlage mit Waschflüssigkeit strömen und gereinigt. Außerdem gibt es die Möglichkeit, in einer Anlage die Abluft zu erhitzen und so vom Geruch zu befreien. Jetzt muss die Vorzugsvariante ausgewählt werden, sodass Mitte nächsten Jahres die Planung beginnt. Dann könnte die Anlage 2019 ihren Super-Filter bekommen.

Die zweite Lösung: Entflüftungstechnik wird umgebaut und optimal eingestellt

Das zweite Ingenieurbüro prüft, wie die Filter- und Lüftungstechnik im Maschinengebäude und in den Schlammeindickern verbessert werden können. Etwa ein Dutzend kleine Lüfter sind mit einer großen Filteranlage verbunden. Die Technik ist bis zu 20 Jahre alt. Spätestens im März soll klar sein, welche Technik umgebaut oder erneuert werden und welche besser eingestellt werden muss.

Die Überwachung: Elektronische Spürnase erfasst Schlammgestank

Bisher gibt es keine ständige Überwachung der Gerüche in der Kläranlage, da dies aufwendig ist. Jetzt wurden „elektronische Nasen“ entwickelt, berichtet Bamler. Zwei Messsensoren sollen im Januar an der Schlammbehandlung installiert werden. „Dann können wir die Gerüche permanent aufzeichnen“, erklärt er.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Autofahrer

    Sicherlich sind die Gerüche unangenehm und wen es Stört-der muss halt woanders hinziehen.Schließlich muss jeder Mensch auf Töpfchen und Duschen und da fällt nun mal Abwasser an.Wenn dieses Ungeklärt in die Elbe fliesst isses ja auch nich so schön.Und Meckerer und Nörgler wird es immer geben.Schöne Weihnachten

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