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Dienstag, 04.10.2016

Kindheitsträume auf 7 000 Quadratmetern

Vier Tage lang trafen sich in Riesa Modelleisenbahner aus ganz Europa. Für sie war das viel mehr als bloße Spielerei.

Mehr als nur Spielzeug: Zu den Fremo-Treffen fahren die Modellzüge nach vorher festgelegten Zeitplänen, erklärt Vereinspräsident Paul Hartman.
Mehr als nur Spielzeug: Zu den Fremo-Treffen fahren die Modellzüge nach vorher festgelegten Zeitplänen, erklärt Vereinspräsident Paul Hartman.

© Klaus-Dieter Brühl

Riesa. Manchem Modellbahnfreund wird dieser Gedanke die Tränen in die Augen treiben: Da stehen mehr als ein Dutzend Modellbahn-Anlagen in der Sachsenarena, hunderte Züge, Miniaturlandschaften, in denen jedes Detail von Hand gestaltet wurde – und keiner darf sie sich ansehen.

Impressionen vom Treffen der Modelleisenbahner

Ein bisschen Mitleid angesichts dieser Vorstellung hat auch Paul Hartman. „Wir hatten schon einmal den Fall, dass eines Morgens eintausend Leute vor der Halle standen, nachdem die Zeitung berichtet hatte. Die mussten wir dann leider wegschicken.“ Denn das, was am vergangenen Wochenende in der Sachsenarena ablief, sei nun einmal keine Ausstellung, sagt der Chef des Freundeskreises Europäischer Modelleisenbahner, kurz Fremo. „Hier laufen gut 600 Leute rum, wenn der Fahrplan läuft, da können wir einfach keine Besucher durch die Halle führen.“

Vier Tage lang war die Sachsenarena fest in Modelleisenbahner-Hand. Und es ging eben nicht darum, die schönen Strecken zu zeigen, die da im Hobby-Keller gebastelt wurden – jedenfalls nicht nur. „Das Besondere an unserem Verein ist eigentlich das Betriebsspiel, also das Fahren nach Fahrplan“, erklärte Paul Hartman bei der Führung durch die Halle. Solche Fahrpläne gab es für jedes der 14 Arrangements, von denen das größte eine Fläche von 2 000 Quadratmetern umfasste. Und jeder der etwa 700 Teilnehmer hatte dabei eine Rolle zu spielen – ob als Fahrdienstleiter oder als Lokomotivführer, der „seinen“ Zug per Handregler steuert.

Es gibt genaue Zeitpläne, die einzuhalten sind, die Fahrdienstleiter sprechen über Headset oder Telefon mit Kollegen und Lokführern. Weichen werden teils manuell gestellt; alles soll so realistisch wie möglich sein. Die Planung für dieses Großereignis sei schon „höheres Projektmanagement“ gewesen, sagt Paul Hartman. Das habe schon bei der Vorbereitung der Strecken begonnen. Denn die einzelnen Teile wurden nach einer Art Baukastensystem zusammengefügt.

„Vor der Veranstaltung musste jeder Teilnehmer uns schreiben, was er mitbringt“, erklärt Hartman. Daraus wurde dann am Computer ein Plan für die einzelnen Strecken-Arrangements erstellt. In jedem Fall ist so ein Treffen mehr als bloße Spielerei, das macht der Niederländer deutlich. Der Reiz sei neben dem Eisenbahnbetrieb auch der soziale Aspekt. „Wir gehen, wenn hier 23 Uhr Schluss ist, auch mal ein, zwei Bier trinken – und dann unterhält man sich nicht nur über Modellbahnen.“

Dass Fremo ausgerechnet Riesa für sein Herbst-Treffen ausgewählt hat, hängt mit dem 35. Geburtstag des Vereins zusammen. „Normalerweise sind unsere Hallen deutlich kleiner, aber zum Jubiläum wollten wir etwas Größeres.“ Der Wunsch sei es gewesen, in den Osten zu gehen, auch weil man damit „relativ zentral im Fremo-Land“ liege. Nachdem die Suche in Dresden erfolglos blieb, habe es in Riesa gepasst – sowohl preislich, als auch, was die Beschaffenheit der Halle und die Zahl der Hotels in der Umgebung angeht.

Die meisten Eisenbahner kamen laut Hartman aus Deutschland, aber auch aus Tschechien, der Schweiz und sogar Norwegen machten sich Fremo-Mitglieder auf den Weg. Und nach der Veranstaltung? Da beginne bei Vielen schon die Vorbereitung fürs nächste Treffen, sagt Paul Hartman. Er spricht da aus Erfahrung. „Bei mir ist das schon so, dass es gleich nachher wieder losgeht.“