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Mittwoch, 16.05.2018

Kinder immer häufiger Verkehrsopfer

Der Unfallbericht 2017 der Polizei zeigt mehrere bedenkliche Trends auf.

Von Peter Anderson

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Kinder und Jugendliche sind im Verkehr oft unberechenbar. Deshalb sollten alle Verkehrsteilnehmer auf sie besonders achten, fordert die Polizeidirektion Dresden in ihrem Verkehrsunfallbericht 2017. So ließen sich vielleicht Unfälle wie dieser zwischen einer radelnden Schülerin und einem Pkw in Friedewald bei Moritzburg vermeiden.
Kinder und Jugendliche sind im Verkehr oft unberechenbar. Deshalb sollten alle Verkehrsteilnehmer auf sie besonders achten, fordert die Polizeidirektion Dresden in ihrem Verkehrsunfallbericht 2017. So ließen sich vielleicht Unfälle wie dieser zwischen einer radelnden Schülerin und einem Pkw in Friedewald bei Moritzburg vermeiden.

© Archiv/Roland Halkasch

© Grafiik/SZ

Es ist der Albtraum schlechthin für alle Eltern: Am Vormittag klingelt das Funktelefon. Es meldet sich ein Polizist. Dieser teilt mit, dass die Tochter nach einem Verkehrsunfall in eine Klinik gebracht wurde. So ähnlich könnte dies vor rund einem Jahr bei einem Zusammenstoß im Moritzburger Ortsteil Friedewald geschehen sein. Wie die Polizei damals mitteilte, war eine 13-Jährige von Moritzburg nach Radebeul unterwegs. In Friedewald wollte das Mädchen nach links abbiegen, um auf die Kötzschenbrodaer Straße aufzufahren. Dabei erfasste sie ein Skoda, der in Richtung S 81 fuhr. Die Schülerin kam schwer verletzt in ein Krankenhaus.

Zahl verletzter Kinder gestiegen

Für Polizeirat Gerald Baier von der für den gesamten Landkreis zuständigen Polizeidirektion Dresden sind solche Fälle Anlass zu mahnenden Worten. Der deutliche Anstieg verunglückter Kinder sei bei der Unfallstatistik 2017 besonders kritisch zu betrachten, so der Beamte in einer am Mittwoch veröffentlichten Analyse. „Ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht sind allgemeine Grundregeln aller Verkehrsteilnehmer, die gegenüber Kindern im Straßenverkehr ganz besonders gelten“, sagt Baier. Kinder reagierten oft unbeschwert und spontan. Jeder Kraftfahrer müsse mit ihrem Fehlverhalten rechnen. Der aktuellen Statistik für 2017 zufolge stieg die Zahl von bei Unfällen verletzten Kindern im Jahresvergleich von 51 auf 79. Die meisten verletzten sich dabei als Mitfahrer. Jedoch auch die Zahl der betroffenen Radfahrer erscheint mit 31 hoch. Positiv bleibt zu vermerken, dass kein Kind im Straßenverkehr sein Leben lassen musste.

Unfallflucht weit verbreitet

Durchschnittlich, mindestens einmal wöchentlich, taucht ein besonders erwähnenswerter Fall von Fahrerflucht im Bericht der Polizei auf. So zum Beispiel am Mittwoch vergangener Woche. Konkret suchten die Beamten zu dieser Zeit nach einem blauen Seat, welcher in Thiendorf bei Großenhain mehrere Betonpalisaden eines Grundstücks an der Welxander Straße angestoßen hatte. Der Fahrer machte sich anschließend aus dem Staub. Insgesamt nahm die Polizei zwischen Radeburg und Strehla vergangenes Jahr 1 186 Unfallfluchten auf. Das stellt einen leichten Rückgang zu 2016 dar. Bei knapp 40 Prozent konnten die Beamten den Verursacher ermitteln. Dabei handelt es sich bei Unfallflucht nicht um ein Kavaliersdelikt. Nach Paragraf 142 des Strafgesetzbuchs machen sich die Täter des unerlaubten Entfernens vom Unfallort schuldig. Darauf stehen Geld- oder Freiheitsstrafe – nicht nur, wenn es Verletzte oder gar Tote gab. Auch bei Blechschäden drohen Strafe und Fahrverbot, selbst wenn der Verursacher sich später meldet und den Schaden wiedergutmacht.

Motorradfahrer überschätzen sich

Ähnlich wie Kinder und Radfahrer sind Motorradfahrer im Verkehr besonders gefährdet. Die Zahl der verunfallten Biker erhöhte sich vergangenes Jahr von 61 auf 77. Zwei von ihnen kamen im Kreisgebiet ums Leben. Das ist immerhin ein Fünftel der insgesamt im Straßenverkehr getöteten Personen. Schlagzeilen machte besonders ein Zusammenstoß im Juli 2017 auf der S 89 in Nieska bei Gröditz. Ein 38 Jahre alter Motorradfahrer war dort mit laut Gutachten deutlich überhöhter Geschwindigkeit auf einen die Straße querenden Fahrradfahrer geprallt. Beide Männer starben. Der zweite tödliche Unfall ereignete sich im Ortsteil Zschepa der Gemeinde Zeithain. Hier kostete der Vorfahrtsfehler eines 80-jährigen Autofahrers einen Biker das Leben. Polizeirat Gerald Baier kommt in seiner Analyse zu dem Schluss, dass nicht selten die Diskrepanz zwischen selbsteingeschätztem Können von Motorradfahrern und wirklicher Fähigkeit zu schwersten Unfällen führt. „Jeder Motorradfahrer sollte daher sein Können realistisch hinterfragen und seinem Fahrverhalten anpassen“, so der Beamte.

Radfahrer stärker kontrolliert

Auffällig stark gestiegen sind in der Verkehrsunfallstatistik 2017 der Polizeidirektion Dresden die geahndeten Verstöße von Radlern. Sie schnellten von 4 335 auf 6 463 nach oben. Die Polizei erklärt dies mit vermehrten Kontrollen und dem Einsatz der Fahrradgruppe der Verkehrspolizeiinspektion. Nach Ansicht von Polizeirat Baier wären einige der Unfälle und deren schwere Folgen vermeidbar, wenn Radfahrer durch Autofahrer besser wahrgenommen und mehr für den Selbstschutz tun würden. Licht und Reflektoren seien ebenso notwendig, wie das Tragen eines Fahrradhelmes und gut erkennbare Kleidung, so Baier.

Zu schnell auf Autobahnen unterwegs

Die Verkehrsdichte auf den Autobahnen in der Region Dresden hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Damit geht ein Anstieg der Verkehrsunfälle einher. Letztes Jahr betrug dieser 0,2 Prozent auf 1 839 Unfälle. Die Polizei kündigt an, vor diesem Hintergrund die Kontrollen besonders von Lastern weiter fortzusetzen. Gleichzeitig wollen die Beamten auch andere Gefahrenquellen wie Baustellen besonders in den Blick nehmen. Hauptursachen bei Verkehrsunfällen mit Personenschäden auf den Bundesautobahnen im Bereich der Polizeidirektion Dresden waren in rund einem Drittel der Fälle zu hohe oder nicht angepasste Geschwindigkeit. Es folgen ein zu geringer Sicherheitsabstand sowie das gegenseitige Touchieren von Fahrzeugen beim Nebeneinanderfahren.