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Mittwoch, 15.11.2017

Kiefern am meisten betroffen

Die privaten Waldbesitzer müssen für die Beseitigung der Sturmschäden vom Juni nichts draufzahlen. Ein Verlust sind die Bäume trotzdem.

Von Jörg Richter

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Revierförster Gunther Schwarz kann wieder lachen. Bald sind auch die letzten Sturmschäden in seinem Revier behoben.
Revierförster Gunther Schwarz kann wieder lachen. Bald sind auch die letzten Sturmschäden in seinem Revier behoben.

© Kristin Richter

Mit einem Harvester können die umgefallenen Bäume am schnellsten gesägt und sortiert werden. Doch manchmal ist Handarbeit gefragt.
Mit einem Harvester können die umgefallenen Bäume am schnellsten gesägt und sortiert werden. Doch manchmal ist Handarbeit gefragt.

© Archiv/Kristin Richter

Lampertswalde/ Schönfeld. Wer an Gott glaubt, erhält im Waldstück östlich von Blochwitz, nahe der Autobahn 13, seine Bestätigung. Auch dort hat der Sturm vom 22. Juni heftig gewütet. Zahlreiche Bäume wurden entwurzelt, umgeknickt oder umgebogen. Fast alle hiesigen Waldbesitzer sind betroffen. Doch der Teil, der Kirchenwald ist, ist nahezu unversehrt. Halleluja!

Revierförster Gunther Schwarz schmunzelt bei dem Gedanken, dass Gott tatsächlich so viel Mühe aufgebracht haben soll, um ein paar Bäume seiner irdischen Vertreter zu retten. „Aber damals war mir überhaupt nicht zum Lachen zumute, eher zum Heulen“, erinnert sich Schwarz an die ersten Waldbegehungen nach dem Sturm. In Blochwitz waren besonders viele Kiefern betroffen, die 30 bis 35 Jahre alt sind. Noch jung, wenn man bedenkt, dass sie normalerweise erst mit 120 Jahren geschlagen werden. Dann haben die Stämme den gewünschten Durchmesser von einem halben Meter. Auch zahlreiche Laubbäume fielen entwurzelt um.

„Alles in allem haben wir noch Glück im Unglück gehabt“, sagt der Förster. „Unser Nachbarrevier hat es deutlich schlimmer erwischt.“ Dort wurde der Schaden auf 15 000 bis 20 000 Kubikmeter Holz geschätzt. In seinem Revier Strauch, das sich entlang der Landesgrenze zu Brandenburg von Lüttichau bis Frauenhain zieht, waren es „nur“ 5000 Kubikmeter. Vor allen in den Gemarkungen Linz, Ponickau, Lüttichau, Strauch und Blochwitz haben wahrscheinlich mehrere Windböen an diesem denkwürdigen 22. Juni 2017 in den Wäldern Schäden angerichtet.

Waldbesitzer doppelt bestraft

An diesem Tag hatte sich kurz nach 16 Uhr der Himmel überm Großenhainer Land schlagartig verdunkelt. Viele Einheimische fühlten sich an den Tornado von 2010 erinnert. Ganz so schlimm kam es zum Glück nicht. Zwar hat der Sturm den Schlosspark in Schönfeld verwüstet, aber hauptsächlich sind Waldbesitzer betroffen.

„Sie sind doppelt gestraft“, sagt Schwarz. Nicht nur, weil sie schlechtere Verkaufspreise für Schadholz hinnehmen müssen. Sie müssen sich auch um die Wiederaufforstung kümmern. Daran kommt kein Waldbesitzer vorbei. Innerhalb von drei Jahren sei das Pflicht, betont der Revierförster.

Einen Hektar Kiefernwald neu zu bepflanzen koste etwa 5 000 Euro. „Bei Laubholz müssen Sie das Doppelte rechnen“, so Schwarz. Immerhin unterstütze der Staat die Aufforstung von Laubbäumen mit 75 Prozent. Aber um Fressschäden durch Wild vorzubeugen, wird allgemein empfohlen, Zäune um die neu aufgeforstete Lichtung zu errichten. „Und das treibt die Kosten noch einmal nach oben“, weiß der Fachmann.

Für die Beräumung der betroffenen Waldgebiete hatte Schwarz, der beim Sachsenforst verbeamtet ist, eine sogenannte Bündelung organisiert. 35 kleinere Waldbesitzer haben davon Gebrauch gemacht. „Sie hatten Angst, dass sie hier noch Geld drauflegen müssen“, erzählt er.

Risiko tragen Forstfirmen

Bei einer Bündelung werden die Schadhölzer von meist kleineren Waldbesitzern gemeinsam erfasst und zum Verkauf ausgeschrieben. Forstunternehmen sägen die Bäume um, holen das Holz aus dem Wald und versuchen, es zu einem möglichst guten Preis an die holzverarbeitende Industrie weiterzuverkaufen. Je kleiner und abgelegener ein Waldstück ist, umso höher ist der Aufwand für das Unternehmen. Und umso weniger bleibt unterm Strich übrig. „Das Risiko trage ich“, sagt Alexander Decker, der mit seiner Firma aus Neudorf (bei Zeithain) die Sturmschäden der hiesigen 35 Waldbesitzer entsorgt. Diese können für einen Kubikmeter Kiefernholz mit durchschnittlich 24 Euro rechnen.

An Decker ist es nun, das Holz schnellstmöglich in Sägewerken (für gutes Holz) oder beim Lampertswalder Laminathersteller Kronospan (für schlechtes Holz) an den Mann zu bringen. Noch sind die Preise für Holz allgemein gut. Das könnte sich aber bald ändern. Denn das Sturmtief Herwart, das Ende Oktober über Sachsen fegte, hat im Erzgebirge viel Schaden hinterlassen. Rund 650 000 Kubikmeter Holz könnten bald zusätzlich auf dem Markt sein. Wie Gunther Schwarz bestätigt, hat der Sachsenforst den Frischholzeinschlag außerhalb der Sturmgebiete eingestellt. Geplante Abholzungen werden aufs nächste Jahr verschoben, um den Holzpreis zu stabilisieren.