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Freitag, 11.08.2017

Kenias Opposition zweifelt an Wahlausgang

Präsidentschaftskandidat Odinga hält an Betrugsvorwürfen fest. Am Freitag wird das vorläufige Endergebnis verkündet.

Von Johannes Dieterich, Johannesburg

Mit seinem Vorwurf, die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen in Kenia seien massiv gefälscht worden, steht Oppositionschef Raila Odinga allein da.
Mit seinem Vorwurf, die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen in Kenia seien massiv gefälscht worden, steht Oppositionschef Raila Odinga allein da.

© dpa

Mit seinem Vorwurf, die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen in Kenia seien massiv gefälscht worden, steht Oppositionschef Raila Odinga allein da. Am Donnerstag bescheinigten die Chefs aller ausländischen Beobachtermissionen dem Urnengang einen fairen Verlauf: Sowohl die Vertreter der EU als auch des Commonwealths und der Afrikanischen Union sagten, dass ihnen keine größeren Unregelmäßigkeiten bekannt geworden seien.

Schon am Vortag hatte die kenianische Wahlkommission den Vorwurf Odingas zurückgewiesen, das Computersystem der unabhängigen Kommission sei gehackt und die Zahlen manipuliert worden. Der Chef der Wahlbehörde, Wafuli Chebukati, sprach von einem Versuch von Hackern, in das Computersystem einzudringen, der allerdings gescheitert sei.

EU-Missionschefin Marietje Schaake forderte den Verlierer auf, seine Niederlage einzugestehen. Ghanas Ex-Präsident John Mahama sprach im Namen des Commonwealths von einem „glaubwürdigen Wahlverlauf“. Und der ehemalige südafrikanische Präsident Thabo Mbeki war zufrieden mit der Art und Weise, wie die Wahlbehörde mit den Vorwürfen umgegangen sei.

Odinga, der nach der Auszählung von mehr als 90 Prozent der Stimmen um fast zehn Prozentpunkte hinter Amtsinhaber Uhuru Kenyatta liegt, hatte am Mittwoch vom „größten Betrugsfall in der Geschichte Kenias“ gesprochen. Seine Organisation, die Nationale Super Allianz (Nasa), verfüge über Beweise, dass Hacker die Stimmen im Computersystem manipuliert hätten. Nasa-Angaben zufolge liegt Odinga mit mehr als acht Millionen Stimmen weit vor Kenyatta, der lediglich auf gut sieben Millionen gekommen sei. Das vorläufige Endergebnis der Wahlkommission soll am Freitag bekannt gegeben werden.

Nachdem Odinga seine Vorwürfe öffentlich gemacht hatte, kam es in mehreren Teilen Kenias zu Gewalttätigkeiten. In einem Slum der Hauptstadt Nairobi erschossen Polizisten zwei Anhänger Odingas, die mit Buschmessern eine Polizeistation angegriffen hätten. In der Odinga-Hochburg Kisumu kam es zu Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei. Insgesamt sollen in der Nacht zum Donnerstag vier Kenianer ums Leben gekommen sein. Odinga rief zur Mäßigung auf. Er könne aber nicht verhindern, dass es angesichts der Spannungen zu weiteren Zwischenfällen kommt, sagte er.