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Donnerstag, 12.10.2017

(K)eine schwere Entscheidung

Der Dresdner Schiedsrichter Matthias Leonhardt zeigt seinen eigenen Verein nach einem Regelverstoß an – und bekommt vom DFB die Fair-Play-Medaille.

Von Jürgen Schwarz

Große Ehre für Matthias Leonhardt (m.): DFB-Vizepräsident Rainer Koch überreicht ihm den Fair-Play-Preis. Rechts: Schiedsrichterin Inka Müller-Schmäh.
Große Ehre für Matthias Leonhardt (m.): DFB-Vizepräsident Rainer Koch überreicht ihm den Fair-Play-Preis. Rechts: Schiedsrichterin Inka Müller-Schmäh.

© bongarts/getty images

Matthias Leonhardt ist Schiedsrichter mit Leib und Seele. Seit dieser Saison leitet er auch Spiele in der sechsten Liga, der höchsten Spielklasse Sachsens. Nun wurde er sogar durch den Deutschen Fußball-Verbund (DFB) ausgezeichnet, erhielt in Kaiserslautern die Fair-Play-Medaille in der Kategorie Amateure, die seit 1997 verliehen wird. Die 21 Landesverbände hatten zuvor ihre Sieger gekürt – und Leonhardt setzte sich als Bundesgewinner durch.

Der 36-Jährige ist seit vielen Jahren Mitglied des SV Dresden-Pillnitz und hatte einen Regelverstoß gemeldet, der letztendlich zum Abstieg der eigenen Mannschaft führte. Der Vorfall liegt schon mehr als ein Jahr zurück. In der Saison 2015/16 kämpfte der SV Pillnitz um den Klassenerhalt – und machte ihn am letzten Spieltag der Stadtliga B durch ein 4:4 gegen die zweite Mannschaft des Radeberger SV perfekt.

Matthias Leonhardt konnte das Spiel seines Heimatvereins selbst nicht sehen, weil er an diesem Tag wieder einmal als Unparteiischer unterwegs war. Der Freude über den Klassenerhalt seiner Pillnitzer tat das keinen Abbruch – bis zu einem Anruf am Abend. Ein Vereinsverantwortlicher gestand ihm, dass der SV in dieser alles entscheidenden Partie einen Spieler eines anderen Vereins unter falschem Pass eingesetzt hatte.

„Mir war klar, dass wir sofort handeln mussten“, erklärt Leonhardt. Er ist seit mehr als 20 Jahren in verschiedenen Funktionen im Verein ehrenamtlich aktiv. Er schickte im Namen des SV Pillnitz eine „Selbstanzeige“ an das Sportgericht und den zuständigen Staffelleiter. Das Spiel wurde natürlich für Radeberg gewertet und die Pillnitzer rutschten auf einen Abstiegsplatz ab. Danach hätte es „kein böses Blut“ im Verein gegeben, sagt Leonhardt – man möchte es ihm gern glauben.

Jetzt sind im Verein alle froh, dass er damals diese Entscheidung durchgesetzt hat. „Darauf dürfen wir als Pillnitzer richtig stolz sein“, heißt es auf der Vereinshomepage. „In einer ungewöhnlichen und für uns durchaus schmerzhaften Situation behielt unser Leo im Sommer 2016 einen kühlen Kopf und wahrte das Gesicht des Vereins. Wir gratulieren dir sowohl für diese Auszeichnung als auch für dein Herzblut, welches du beispiellos und unermüdlich in unseren Verein steckst.“

Seit 1998, als der Verein einen Schiedsrichter für die Freundschaftsspiele der Alten Herren suchte, ist Leonhardt regelmäßig auf den Fußballplätzen zu finden. Inzwischen wohnt er, beruflich begründet, in Osnabrück, fährt aber an den Wochenenden nach Dresden. „Das hat mit meiner Liebe zum Fußball und speziell zum Schiedsrichterwesen zu tun.“ Dass er auch gern Spiele im Sand leitet, liegt weniger an dem Untergrund. „Ich pfeife dort in der höchsten Spielklasse und das ist toll.“ So war er kürzlich auch bei den deutschen Meisterschaften in Warnemünde im Einsatz.

In Kaiserslautern befand sich Matthias Leonhardt in prominenter Gesellschaft, denn auch dem früheren Bundesliga-Profi Andreas „Zecke“ Neuendorf wurde die Fair-Play-Medaille verliehen. Der DFB würdigte das Engagement des 42-Jährigen für die Mannschaft einer Jugendstrafanstalt. Zudem erhielten die Fans des Regionalligisten TSV Havelse einen Sonderpreis. Sie hatten in einem Spiel gegen Norderstedt bei strömendem Regen die Gäste-Fans unter ihre überdachte Tribüne eingeladen.

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