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Mittwoch, 15.11.2017

Kein Koch und keine Studenten

Der Sächsische Hof am Hahnemannsplatz ist saniert worden, doch anscheinend will niemand einziehen.

Von Udo Lemke

Ein gutes Zeichen für den Sächsischen Hof? Der Krebs geht zwar einen Schritt zurück, aber auch zwei voran.
Ein gutes Zeichen für den Sächsischen Hof? Der Krebs geht zwar einen Schritt zurück, aber auch zwei voran.

© Claudia Hübschmann

Meißen. Hahnemannsplatz 17. Schöne hellbraune Holzfenster, ein schöner grauer Rauputz und ein schönes schmiedeeisernes Schild mit einem roten Krebs und stilisierten Getreideähren und Hopfenblüten sind zu sehen und in Grün die Aufschrift: Sächsischer Hof. Ein älterer Herr antwortet auf die Frage, warum das fertig sanierte Haus leer steht, dass der Besitzer wohl keine Brauerei findet, die ihm die künftige Gaststätte ausstattet.

Das erklärt allerdings noch nicht, warum die Wohnungen nicht vermietet sind – drei Etagen. Ein hervortretender Erker in historisierenden neobarocken Formen, ganz oben von einer aufgeklappten Muschel bekrönt, geben dem um 1900 errichteten Gebäude seine unverwechselbare Note.

„Auf diesem Platz haben es schon drei Gaststätten versucht“, erklärt Steffen Huschmann vom Farbengeschäft gegenüber. Vollraths Gasthof ist vor etwa drei Jahren eingegangen. „Vollrath hat in der Schweiz Gaststättenfachmann gelernt. Er hat sich total engagiert, und es hat trotzdem nicht gereicht. Die Gaststätten, die in Meißen laufen, laufen nur deshalb, weil die Besitzer sich und ihre Familien ausbeuten.“

Bis Mitte der 1990er Jahre gab es am Hahnemannsplatz 8 die Gaststätte „Zur Ofenkachel“. Der Name bezog sich darauf , dass in dem Haus frühe Teichert-Ofenkacheln hergestellt worden sein sollen. Heute hat die Fahrschule Rudert ihr Domizil in dem Gebäude. „Die interessanteste Geschichte aber hat der Sächsische Hof. Das war vielleicht die beste Weingaststätte in Meißen in DDR-Zeiten. Ohne Reservierung hat man da nie Platz bekommen“, erzählt Steffen Huschmann.

Zur Wende war Roman Badura Leiter der HO-Gaststätte, der auch als Pianist in Meißen bekannt gewesen ist, unter anderem deshalb, weil er im Vincenz Richter gemeinsam mit Inhaber Gottfried Herrlich die musikalische Weinprobe etabliert hatte. Badura, der 2014 verstarb, habe den Sächsischen Hof nach der Wende übernehmen wollen, doch die damals von der Seeg verlangten 180 000 D-Mark nicht aufbringen können und wollen. Wie dem auch sei, der heutige Besitzer von Gaststätte wie Haus, der Bauunternehmer Eberhard Raue aus Leutewitz in der Gemeinde Käbschütztal, will, dass der Sächsische Hof wieder eine Gaststätte wird.

Allerdings ist das ein Unterfangen, das nicht leicht in die Tat umzusetzen ist, sonst würde der Sächsische Hof nicht, schon fertig saniert, seit Monaten leer stehen. „Das Problem ist, dass der Betreiber einer Gaststätte am Wochenende und an Feiertagen arbeiten muss, und es ist momentan schwierig, geeignete Leute dafür zu finden. Wenn Sie als Koch anfangen wollen – bitte.“ Was die Gaststättenausstattung betrifft, so wolle er sich nicht an eine der großen Brauereien binden, außerdem solle der Sächsische Hof vielleicht wieder ein Weinlokal werden, allerdings solle man auch ein Bier dort bekommen.

Und die Wohnungen? „Es sind alles Einraumwohnungen, und ich wollte warten, ob ein eventueller Betreiber der Gaststätte gleich mit ins Haus einziehen wolle.

Allerdings ist Eberhard Raue auch schon einer anderen Überlegung gefolgt: Die Einraumwohnungen würden sich als Studentendomizil eignen. „Drei Minuten bis zur S-Bahnhaltestelle und aller Viertelstunde ein Zug nach Dresden – das biete sich doch geradezu an.“ Doch auf eine entsprechende Anfrage beim Studentenwerk in Dresden sei eine brüske Ablehnung gekommen, nach dem Motto, Meißen sei für Studenten nicht attraktiv.

Steffen Huschmann spricht sicher auch für die anderen Gewerbetreibenden am und um den Hahnemannsplatz, wenn er sagt: „Für uns wäre es fantastisch, wenn der Sächsische Hof wieder aufmachen würde, das würde eine Belebung bringen, dafür würde ich auch alle Daumen, die ich habe, drücken.“

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