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Mittwoch, 15.11.2017

Kaum noch Platz für Exoten

Dynamo will 2021 zurück in die Bundesliga. Ist das realistisch in Zeiten, in denen die Preise im Profifußball explodieren?

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Die Bayern zu Gast in Dresden. Im August 2015 kamen die Münchner mit Arturo Vidal, der Aias Aosman bremst, und Thomas Müller zu einem Benefizspiel, um Dynamo bei der Entschuldung zu helfen. In vier Jahren, so sieht es ein Plan vor, sollen die Münchner wieder zu Punktspielen anreisen.
Die Bayern zu Gast in Dresden. Im August 2015 kamen die Münchner mit Arturo Vidal, der Aias Aosman bremst, und Thomas Müller zu einem Benefizspiel, um Dynamo bei der Entschuldung zu helfen. In vier Jahren, so sieht es ein Plan vor, sollen die Münchner wieder zu Punktspielen anreisen.

© Robert Michael

Im Fünfjahresplan ist für 2021 der Aufstieg in die Bundesliga reserviert. Die Ankündigung bei der jüngsten Mitgliederversammlung fiel zwar etwas zurückhaltend aus, doch erstmals wurde überhaupt ein Zeitpunkt genannt. Klappt alles wie erhofft, wäre Dynamo 26 Jahre nach dem Zwangsabstieg wieder erstklassig. Doch wie realistisch ist das Vorhaben überhaupt?

Um die Frage beantworten zu können, muss man ein wenig über den Tellerrand schauen. Zu Paris Saint-Germain etwa, der Klub zahlte im Sommer für Neymar die Weltrekord-Transfersumme von 222 Millionen Euro. Zusammen mit Steuern, den Handgeldern für Vater und Berater sowie dem üppigen Gehalt wird der Brasilianer den Klub in den nächsten fünf Jahren rund 800 Millionen Euro kosten. Was das mit Dynamo Dresden zu tun hat? Ganz viel.

Der Fall Neymar ist nur die Spitze einer globalen Entwicklung im Profifußball, die man absurd oder pervers finden kann, die aber wohl nicht aufzuhalten ist. Die Preise steigen und steigen, weil Investoren, Mäzene und Konsortien den Fußballmarkt als Geschäftsfeld entdeckt haben. Das bekommt auch die Bundesliga zu spüren. Wer in der Champions League noch mithalten will, muss künftig deutlich mehr für Neuzugänge ausgeben.

Bisher schützt die 50+1-Regel die Vereine in Deutschland vor einer Übernahme von Investoren. In Hoffenheim, Leverkusen und Wolfsburg gelten bereits Ausnahmen, in Hannover kämpft Präsident Martin Kind gerade darum. Und RB Leipzig hat die Beschränkungen juristisch geschickt umschifft. Der Paragraf wird kippen, eher früher als später. Vorbereitet sind darauf in der Bundesliga 15 der 18 Klubs, die ihre Profiabteilungen in Gesellschaften ausgegliedert haben. In München, Dortmund, Berlin und Hamburg halten Firmen oder Privatpersonen bereits Minderheitsanteile. Nur Schalke, Mainz und Freiburg treten im Oberhaus noch als eingetragene Vereine an. Sie sind Exoten.

Das Trio beweist allerdings, dass man auch auf dem traditionellen Weg in der Bundesliga mithalten kann. Und den will Dynamo gehen. Im gerade veröffentlichten Leitbild heißt es: „Wir bleiben unabhängig. Die SGD ist und bleibt ein eingetragener Verein, der von seinen Mitgliedern geführt wird.“ Für eine Ausgliederung der Profis in eine GmbH ist inzwischen eine Vier-Fünftel-Mehrheit unter den Mitgliedern notwendig, die Hürde wurde erst hochgesetzt.

Investoren werden also nicht einsteigen bei den Schwarz-Gelben. Kann man unter diesen Vorzeichen überhaupt noch aufsteigen? Man kann: Braunschweig, Paderborn und Darmstadt haben das in den vergangenen Jahren gezeigt. Zur Wahrheit gehört aber auch: Etablieren konnten sie sich im Oberhaus nicht. Und dieses Schicksal würde wohl auch Dynamo treffen, sollte der Fünfjahresplan aufgehen.

Die 18 Plätze in der Bundesliga werden immer mehr von Vereinen besetzt, die quasi nicht absteigen können – es sei denn, sie machen extrem viel falsch. Neben Bayern München und Borussia Dortmund gehören dazu die vier – und bald fünf – Klubs mit Firmenanschluss. Hinzu kommen Mannschaften wie Schalke 04, Eintracht Frankfurt, Hamburger SV, Hertha BSC, VfB Stuttgart und der 1. FC Köln, die in Großstädten spielen, in denen – im Gegensatz zum Osten Deutschlands – Großkonzerne ihren Sitz haben und oft als Sponsoren agieren. Für den Rest, die Exoten und Überraschungsteams, wird es so immer enger.

Ein Beispiel: Als Dynamo Anfang und Mitte der 1990er-Jahre in der Bundesliga gegen den Abstieg kämpfte, waren Vereine wie Kaiserslautern, Wattenscheid, Duisburg, 1860 München, Karlsruhe und Bochum die Konkurrenten. 2021 wird Dynamo ganz andere Kaliber hinter sich lassen müssen. Vielleicht Werder Bremen. Oder Mainz 05. Oder den Hamburger SV.

Auch wenn Fußball-Romantiker gerne die Weisheit bemühen, dass Geld keine Tore schießt – um das ambitionierte Ziel zu erreichen, muss Dynamo künftig investieren, deutlich mehr Geld ausgeben als bisher. Der Fall Stefan Kutschke zeigt, wohin übertriebene Sparsamkeit führen kann. Die Dresdner wollten die geforderte Ablöse nicht zahlen, Kutschke ging – und Dynamo fehlt nun nicht nur ein treffsicherer Stürmer. Doch woher soll das Geld kommen, wenn nicht von einem Investor?

Haupteinnahmequelle für viele Klubs ist das TV-Geld. Die Höhe der Zuwendungen richtet sich hauptsächlich nach den Erfolgen der Vergangenheit. Dynamo als Fahrstuhlmannschaft zwischen zweiter und dritter Liga konnte da bisher nicht viele Punkte sammeln, rangiert in dieser Tabelle nur auf Platz zwölf unter den Zweitligisten. In Kürze ist eine gravierende Verbesserung nicht in Sicht.

Die zweite Finanzierungssäule bilden die Sponsoren. Dynamo hat viele und treue – und vor allem regionale. Die ganz großen Firmen wollen sich nicht engagieren. Das hat viele Gründe, einer könnte der Ruf sein, das Image, das dem Verein außerhalb des Dynamolandes noch immer anhaftet. „Fans wie in Dresden, die Dinge kurz und klein hauen“, seien nicht sexy für einen Investor, erklärte kürzlich der ehemalige Sportkommentator Marcel Reif. Das ist sicher reichlich übertrieben und überspitzt formuliert, und man müsste das Wort Investor mit Sponsor tauschen. Die Einschätzung zeigt aber, welches Bild in der Öffentlichkeit vorherrscht.

Diesen Ruf zu korrigieren, wird dauern. Genauso mühsam wird der Weg in die Bundesliga. Trotz allem kann es für ein, zwei Spielzeiten klappen mit dem Oberhaus. Der Europapokal aber, im Leitbild als Traum formuliert, wird ohne Geldspritzen wohl ein Traum bleiben.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. jupiter36742

    Einige Aussagen im obigen Artikel kann ich nicht nachvollziehen. Z.B. die, dass Dynamo im Vergleich zur Vorsaison ein treffsicherer Stürmer fehlen würde. Vergleicht doch bitte mal genau: Wieviele Tore hatte Kutschke vorige Saison nach 13 Spieltagen auf dem Konto? Vier waren es. Erst am 9. Spieltag erzielte er sein 1. Tor, am 11. Spieltag dann die nächsten drei. Und wieviele Tore hat Mlapa nach 13 Spieltagen erzielt? Ebenso vier. Und im Gegensatz zu Kutschke war er die ersten Spiele noch gar nicht dabei und auch nicht in der Saisonvorbereitung. Und das merkt man auch: Er ist noch nicht voll in der Mannschaft integriert und Abstimmung u. Abläufe sind noch nicht optimal. Kutschke hatte zudem vorher auch schon eine Halbserie in der 3. Liga Gelegenheit, sich zu integrieren. Insgesamt hat man diese Saison gerade mal 4 Tore weniger erzielt als vorige Saison zu dem Zeitpunkt. Eher scheinen Abwehrarbeit u. Abstimmung des gesamten Teams noch ein Problem zu sein. Daran muss man weiter arbeiten.

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