• Einstellungen
Freitag, 29.12.2017

Kamelhengst an der Flasche, Alpakas zum Anfassen

Im Tierpark Weißwasser gab es dieses Jahr viel Nachwuchs. Und 2018 kommen Besucher den Tieren noch näher.

Von Constanze Knappe

Neugierig schauen die Kamele aus ihrem Quartier, bevor es auch im Winter raus in die Freianlage geht. Im Frühjahr gab es Nachwuchs bei den Trampeltieren. Zwar musste der kleine Hengst mit der Flasche aufgepäppelt werden, er hat sich dennoch gut entwickelt.
Neugierig schauen die Kamele aus ihrem Quartier, bevor es auch im Winter raus in die Freianlage geht. Im Frühjahr gab es Nachwuchs bei den Trampeltieren. Zwar musste der kleine Hengst mit der Flasche aufgepäppelt werden, er hat sich dennoch gut entwickelt.

© Joachim Rehle

Weißwasser. Geböllert wird übermorgen auch in Weißwasser wieder, was das Zeug hält. Tierparkleiter Gert Emmrich muss deswegen aber keine besonderen Vorkehrungen für die Unterbringung der Tiere treffen. „Wir sind hier in einer ruhigen Ecke“, sagt er. Dass es deswegen noch nie Probleme gab und es auch diesmal hoffentlich so bleiben möge, fügt er hinzu. Am Silvestertag ist übrigens bis 14.30 Uhr geöffnet. Und wer am Neujahrstag seinen Kater loswerden möchte, dafür ist von 9 bis 16 Uhr ein Spaziergang durch den Tierpark mit 350 Tieren in 65 Arten und Rassen wie geschaffen.

Erst seit zwei Wochen und damit noch ganz frisch in Weißwasser sind zwei Polarfüchse. Die Geschwister aus dem Opel-Zoo in Kronberg (Hessen), die in diesem Jahr geboren wurden, haben sich hier gut eingelebt. Für das Fuchs-Mädchen ist es nur eine Zwischenstation. Es wird mit einer kleinen Füchsin aus dem Zoo in der Wingst (Niedersachsen), wo ebenfalls Geschwister leben, getauscht. So ist die Gefahr der Inzucht gebannt und Nachwuchs der Polarfüchse in Weißwasser nicht ausgeschlossen.

Noch andere Neuzugänge waren 2017 zu verzeichnen. Fast gleichzeitig stellte sich bei Ziegen, Schafen, Damwild, Kamelen und Eseln Nachwuchs ein. Da herrschte im Mai Trubel auf der Anlage. Die meisten Tiere erwiesen sich als tadellose Eltern. Nur ein kleiner Kamelhengst musste mit der Flasche aufgepäppelt werden.

Voraussichtlich 33 000 Besucher werden am Jahresende zu Buche stehen. Fast die Hälfte kommt aus Weißwasser, weitere 20 Prozent aus der Umgebung. Aus Polen sind es nur zwei Prozent, deshalb soll in der Partnerstadt Zary die Werbetrommel gerührt werden. 2016 wurden 40 000 Gäste gezählt. Da feierte der Tierpark seinen 50. Geburtstag. 2017 habe das Wetter nicht mitgespielt, resümiert Gert Emmrich. Seit September fast nur „Mistwetter“, da sei an manchen Tagen gar keiner gekommen.

Damit teilt der Tierpark Weißwasser das Schicksal anderer kleiner Zoos. Selbst die schönsten baulichen Veränderungen können es an Regentagen nicht rausreißen. Dafür machen sie an schönen Tagen den Zoobesuch zum Erlebnis. Raufußkäuze und Fasane haben eine neue Voliere bezogen, die wird begehbar und bald auch ein Zuhause für heimische Tauben sein. Der Bau des Spiegellabyrinths befindet sich in der Endphase. Es wird im Frühjahr eingeweiht. Abgesehen von solchen größeren Vorhaben gibt es an den Gehegen immer etwas zu tun. So muss zum Beispiel bei den Mönchssittichen die Rückwand erneuert werden. Lieblingstiere der Besucher sind die Erdmännchen, Kapuzineräffchen, Gibbons und die Kängurus. Seit längerem arbeitet der Tierpark daran, Besuchern den direkten Kontakt zu einzelnen Arten zu ermöglichen. Das heißt zwar nicht, dass man die Tiere streicheln kann, aber man kommt ihnen näher, als dies in anderen Zoos der Fall ist. Die begehbare Känguruanlage zum Beispiel wird sehr gut von den Besuchern angenommen. Geplant ist ein Stichweg durch die Voliere der Sittiche. Außerhalb der Brunftzeit kann man zu den Hirschen. Und ein Streichelgehege gibt es sowieso.

Abschied von Bären und Zebradame

Bären werden in Tierparks etwa 30 Jahre alt. Die in Weißwasser sind 32. Was nach ihnen kommt, steht nur insofern fest, dass es keine neuen Bären sein werden. Das Gehege ist zu klein. Es den aktuellen Anforderungen anzupassen, wäre viel zu aufwendig und zu teuer. Zudem sind in Hoyerswerda und Bischofswerda Bären zu bestaunen. Die letzte Luchsdame ist schon 20 Jahre alt. Ihr sollen junge Luchse folgen.

Die Zebradame ist zu alt, um ihr einen Jungspund beizugeben oder sie womöglich woandershin umzusetzen. Wenn sie das Zeitliche segnet, wird die Fläche für Alpakas und begehbar umgestaltet. „Es wird ein bis zwei neue Arten geben“, stellt Gert Emmrich in Aussicht. Aber wann, darauf könne er sich jetzt noch nicht festlegen.

Seit 17 Jahren arbeitet der Tierpark in einem europäischen Erhaltungsprogramm für Nerze mit. Weißwasser bekommt jeweils eine tragende Fähe, deren Jungtiere zum Teil ausgewildert werden. Der Nachwuchs der Steinkäuze findet regelmäßig im Harzvorland eine neue Heimat, auch das im Rahmen eines europäischen Zuchtprogramms. „Die Arbeit mit Tieren ist immer spannend“, findet Gert Emmrich, der einst durch Zufall im Tierpark Weißwasser gelandet ist und ihn seit 20 Jahren leitet.

Ein Lieblingstier unter den Zoobewohnern habe er nicht. Da sei er zu wenig in die Pflege einbezogen, sagt er. Sein Part sind stattdessen organisatorische und konzeptionelle Aufgaben. Zum Team gehören fünf Mitarbeiter in der Tierpflege, ein Handwerker, drei Pauschalkräfte im Kassenbereich und eine junge Frau, die ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) im Tierpark leistet. Die Deutsche Tierpark-Gesellschaft hält 2018 ihre Jahrestagung in Weißwasser ab. Für deren Präsident, Gert Emmrich, ein Grund mehr zum Austausch mit anderen Zoos. In einer Arbeitsgruppe des Kulturraums stehen die fünf Oberlausitzer Tierparks in Kontakt. Dieser könnte aber, so Gert Emmrich, noch enger sein.