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Mittwoch, 13.09.2017

Juncker für Einführung des Euro überall in der EU

Die Stimmung in der EU ist wieder besser, aber vieles läuft nicht rund. Kommissionspräsident Juncker sieht jetzt die Chance für Korrekturen - allerdings werden die nicht allen schmecken.

Von Verena Schmitt-Roschmann

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© Symbolfoto: dpa

Straßburg. Wenige Tage vor der Bundestagswahl hat EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker mit brisanten Vorschlägen die Debatte über die Zukunft der Europäischen Union angeheizt. So will er eine möglichst rasche Einführung des Euro in allen EU-Staaten, also auch in ärmeren Ländern wie Rumänien und Bulgarien. Außerdem sollten alle EU-Länder der Schengenzone ohne Grenzkontrollen beitreten, sagte Juncker am Mittwoch in seiner Rede zur Lage der Europäischen Union. Er erntete Skepsis und Zustimmung.

Juncker sagte, die Chance zur Reform der EU sei jetzt da. „Wir haben den Wind in unseren Segeln“, sagte er und schloss seine Rede mit den Worten: „Leinen los!“ Nachdrücklich mahnte er alle EU-Staaten, gemeinsame Werte zu wahren und Kompromisse zu suchen.

Vor allem Junckers Vorschlag zur Ausweitung der Euro- und der Schengenzone könnte Streit auslösen. Zwar ist längst das Ziel vertraglich festgeschrieben, dass alle EU-Staaten die Gemeinschaftswährung einführen. Sie gilt derzeit aber nur in 19 von 28 EU-Staaten. Einige Länder wollen den Euro nicht, darunter Dänemark und Großbritannien, das ohnehin die EU verlässt. Andere erfüllen die wirtschaftlichen Vorgaben nicht. Juncker schlug vor, ärmeren Mitgliedern mit neuen Hilfen rasch den Weg in den Euro zu ebnen.

In Deutschland steht die FDP dem Vorschlag, dass alle EU-Länder den Euro übernehmen, äußerst skeptisch gegenüber. „Vor der Ausweitung der Euro-Zone muss seine Stabilisierung stehen“, sagte FDP-Chef Christian Lindner am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. EU-Parlamentarier äußerten teils Zustimmung, teils Kritik zu den Juncker-Vorschlägen.

Neben Großbritannien und Dänemark haben ihn Bulgarien, Kroatien, Polen, Rumänien, Schweden, Tschechien und Ungarn noch nicht als offizielles Zahlungsmittel. Während der Eurokrise entpuppte sich die unterschiedliche Wirtschafts- und Finanzstärke in der Währungsunion als großes Problem.

Juncker meinte, der Euro-Raum sei heute widerstandsfähiger als noch vor Jahren. Mit einigen Umbauten will er ihn weiter stärken. So soll der Europäische Stabilitätsmechanismus ESM schrittweise zu einem Europäischen Währungsfonds ausgebaut werden. Juncker plädierte auch für einen europäischen „Wirtschafts- und Finanzminister“, allerdings ohne dafür ein neues Amt zu schaffen. Die Position solle der für Währungs- und Wirtschaftsfragen zuständige EU-Kommissar übernehmen, der gleichzeitig Chef der Eurogruppe sein würde.

Außerdem soll es nach Junckers Willen nicht mehr einen Kommissions- und einen Ratspräsidenten, sondern nur noch ein EU-Präsidentenamt geben. In der EU will er auch in wichtigen Fragen wie Außen- und Steuerpolitik häufiger mit Mehrheit entscheiden lassen, statt wie bisher einstimmig. Das soll schnellere Entscheidungen und mehr Handlungskraft bringen.

Mit seinen Reformvorschlägen kommt er Bundeskanzlerin Angela Merkel in einigen Punkten entgegen, die möglichst Reformen ohne Änderung der EU-Verträge will. Dagegen wendet er sich gegen viel weit reichendere Reformkonzepte, wie sie der französische Präsident Emmanuel Macron will. In den nächsten Monaten sind heiße Debatten zu erwarten. Juncker schlug für 2018 Bürgerkonvente und im März 2019 einen Sondergipfel in Rumänien vor - genau zu dem Zeitpunkt, wenn der EU-Austritt Großbritanniens vollzogen wird.

Neben seinen Reformvorschlägen kündigte Juncker einige konkrete politische Initiativen für die kommenden Monate an. So sollen Verhandlungen über Freihandelsabkommen mit Australien und Neuseeland starten und bis 2019 abgeschlossen werden. Zudem schlägt Juncker vor, Investoren aus Drittstaaten künftig genauer unter die Lupe zu nehmen. Damit sollen Übernahmen aus Ländern wie etwa China strenger geprüft werden können.

Auch in der umstrittenen Flüchtlingspolitik hofft Juncker doch noch auf eine Einigung. Es müssten legale Migrationswege geschaffen und die skandalöse Situation in Flüchtlingslagern in Libyen beendet werden, sagte Juncker. Allerdings müssten Flüchtlinge ohne Anspruch auf Asyl konsequenter als bisher zurückgeschickt werden.

Vor allem Ungarn und Polen leisten Widerstand gegen die Aufnahme von Flüchtlingen und Migranten. Ungarn hatte zuletzt auch heftige Kritik an einer Order des Europäischen Gerichtshofs geübt, sich an Beschlüsse zur Umverteilung von Flüchtlingen zu halten.

Juncker mahnte alle Länder, gemeinsame Prinzipien zu wahren. „Rechtsstaatlichkeit ist in der Europäischen Union keine Option, sie ist Pflicht“, sagte er. „Die Urteile des Europäischen Gerichtshofs sind in allen Fällen zu respektieren. Sie nicht zu respektieren oder die Unabhängigkeit nationaler Gerichte zu untergraben, heißt, Bürgerinnen und Bürger ihrer Grundrechte zu berauben.“

Einem baldigen EU-Beitritt der Türkei erteilte Juncker eine Absage, weil sich das Land von Rechtsstaatlichkeit entferne. „Journalisten gehören in Redaktionsstuben, nicht ins Gefängnis“, sagte Juncker. „Lassen Sie unsere Journalisten frei.“ In der Türkei sind auch mehrere deutsche Journalisten und Aktivisten inhaftiert. (dpa)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 29 Kommentare

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  1. glaskugel

    Die Kacke hinter den EZB-/Eurokulissen muss ja mächtig am Dampfen sein! Bei fast 2 Billionen € faulen Schulden, die keine Bank dieser Welt mehr haben will, kein Wunder. Zudem ist das Zinssenkungsfeuer als Maßnahme, diese Schuldenberge einzudämmen, weil niemand diese abtragen kann und wird, verpufft! Streng genommen ist es wie 1921-23. Nur die Mittel sind etwas anders, im Kern bleibt es Gelddrucken. Noch fließt das aus dem NICHTS erzeugte EZB-"Geld" in die Aktien- und Immoblasen, in die Löhne fließt es nicht. Schulzes "Immer weiter so!"-Gerufe, ja seine Forderung nach noch mehr Demokratie- und Souveränitätsabschaffung in den Mitgliedstaaten des Euro/der EU, erinnern mich HOFFNUNGSVOLL an das Geschrei Honeckers vor dem Zusammenbruch der DDR "Die Mauer wird auch noch in hunderten von Jahren stehen!". Kurz danach war Finito aus finanzökonomischen Gründen. Jetzt ruft man nach neuen Eurohaftern. Dringend nötige Reformen hin zu mehr Beteiligung der Bürger lehnt er ab! Gut so!!! FINITO!!!

  2. tschle

    Seit ich meinen Kindern den Wert des Euro erklärt habe fordern sie ihr Teschengeld in Schweizer Franken!

  3. mausi

    Was soll den dieser Vorschlag?herr Junker sollte erstmal die EU wieder auf Vordermann bringen,denn da ist fast alles zu erneuern.

  4. Pendlerin

    Gute Idee, holen wir noch mehr wirtschaftsschwache Länder mit ins sinkende Boot!

  5. JunkerImKaiserwahn

    Generell wäre ja die Einführung des Euro in allen EU-Ländern konsequent, Schweden hat den Euro nicht eingeführt. Frau Malmström maßt sich aber an über CETA und TTIP die EURO-Staaten assymmetrisch stärker belasten zu dürfen. Natürllich ist mit einer EURO-Einführung das Risiko auch für Schweden dann größer. Mit fremden Geld, Lebensstandards und Verteilungsungerechtigkeiten gehen unbetroffene politische Akteure mit Chuzpe großzügiger um. Herr Junker maßt sich aber ähnlich wie Fr. Merkel ungehörig viel Macht an.Er kontrolliert die Finanzaufsicht, indem er sie in sein Land holt . Er fördert/duldet das Projekt Seidenstraße, welches eine enorme Sicherheitsbedrohung für Europa und Deutschland ist. Er befürwortet EU-Armeen(ebenso wie Schulz), die auch Aufstände oder Unwillige bekämpfen könnte. Er legalisierte Mulit-Mrd.-Steuerausfälle u. hat Zugang zu Geheimdiensten, weil er selber einen vorstand. Als Wirtschafts-/Finanzminister will er an die Gelder D, deckt aber Luxemburg.

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