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Freitag, 11.08.2017 Kommentar

Jetzt haltet mal die Luft an

Vor 15 Jahren versank Meißen in der Elbe. Zeit für eine Bestandsaufnahme, was sich inzwischen getan hat. Ein Kommentar von SZ-Redakteur Peter Anderson.

Peter Anderson.
Peter Anderson.

© Robert Michael

In ferner Zukunft, wenn alles entdeckt und erforscht ist, werden sich die Meißner dem Studium ihrer Stadtgeschichte widmen. Nur in der Vergangenheit sind dann noch Abenteuer und Überraschungen zu finden. Unerfreuliche Arbeiten erledigt ein Heer von Robotern.

Als Quelle für ihre Studien nutzen unsere Nachfahren zunächst die komplett gespeicherten Facebook-Einträge aus dem 21. Jahrhundert. Da sollte sich Zeitgeschichte aus erster Hand erfahren lassen.

Der Eindruck, den die Meißner in den Vereinigten Staaten von Utopia aus den Protokollen gewinnen, dürfte allerdings verheerend ausfallen. Vor ihren Augen entsteht das Bild einer Stadt, die am Abgrund steht. Eine Gruppe von, sagen wir mal Besserwissern, wirft den Bestimmern vor, sie betrieben Vetternwirtschaft, seien ideenlos und untätig. Dann gibt es die, sagen wir mal Querköpfe. Sie glauben daran, dass die Besserwisser mit ihren Logenbrüdern von der Presse und mittels von Flugzeugen versprühter Chemikalien die Übernahme der Weltherrschaft vorbereiten. Die Facebook-Einträge einer dritten Partei, sagen wir mal der Schwarzseher, erwecken den Eindruck, als sei Sachsen einem erneuten Mongolensturm erlegen, als herrschten in Meißen nur Mord und Totschlag. Eine vierte Fraktion, sagen wir mal die Aufklärer, rechnet mit einer Machtergreifung verkappter Faschisten, welche sich – wie anno 1933 – mit dem rechten Rand des bürgerlichen Lagers verbündet haben.

Bleibt zu hoffen, dass unsere Nachfahren an dieser Stelle nicht den Glauben verlieren, sondern weiter forschen. 15 Jahre nach der Jahrhundertflut hat Meißen alles Recht der Welt, auf das Erreichte stolz zu sein. Die Stadt wächst. Sie hat mit der B 101 eine Ortsumfahrung bekommen. Zwei Grundschulen und das Gymnasium sind ausgebaut und saniert. Der Eingang zur Altstadt wurde neu gestaltet. Rund um die Neumarktschule entsteht ein neues Viertel. Bald wird der Bau am Viertel gegenüber dem Cöllner Bahnhof beginnen. Also haltet mal die Luft an und klopft Euch auf die Schulter. Nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht.

E-Mail an Peter Anderson

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