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Dienstag, 02.01.2018

Jeder Zweite ist zu dick

Im Kreis Görlitz leben mehr Übergewichtige als anderswo in Sachsen. Das Problem betrifft inzwischen auch Kinder.

Von Sebastian Kositz und Anja Beutler

Die SZ sagt, was hilft, um fit zu bleiben

Der Gang auf die Waage offenbart bei vielen Menschen im Landkreis überflüssige Pfunde. Fast 60 Prozent der Bewohner liegen über Normalgewicht.
Der Gang auf die Waage offenbart bei vielen Menschen im Landkreis überflüssige Pfunde. Fast 60 Prozent der Bewohner liegen über Normalgewicht.

© dpa

Das eine oder andere Kilo zu viel auf der Waage – im Landkreis Görlitz ist das häufiger der Fall als anderswo in Sachsen. Das geht aus den Zahlen des Statistischen Landesamtes hervor. Fast 60 Prozent der Bewohner in der Region haben den Angaben nach mit zu viel Gewicht zu kämpfen. 16 Prozent gelten sogar als fettleibig. Der Anteil hat in den vergangenen Jahren leicht zugenommen. Generell haben auch Kinder laut den Statistiken häufiger zu viel Speck auf den Rippen.

Tatsächlich gibt es in ganz Deutschland einen Trend zu mehr Übergewicht. Sachsen liegt laut einer Studie der Krankenkasse Barmer leicht über dem Durchschnitt, hier gelten fast 17 Prozent der Menschen als fettleibig, 38 Prozent als übergewichtig. Im sachsenweiten Vergleich ist der Landkreis bei den Fettleibigen mit 16,2 Prozent etwa im Durchschnitt. Der Nachbarlandkreis Bautzen hingegen liegt mit 19,4 Prozent auf dem traurigen Spitzenplatz. Nur in Nordsachsen ist die Quote noch höher (22 Prozent). Die Ursachen, so erklärt Fabian Magerl, der Landesgeschäftsführer der Barmer in Sachsen, seien im Lebenswandel zu suchen. „Zu wenig Bewegung, eine nicht immer gesunde und ausgewogene Ernährung, Hektik und Stress im Alltag wirken sich negativ auf die Gesundheit aus“, erklärt der Fachmann.

Im Vergleich zwischen den Geschlechtern schneiden im Landkreis die Frauen beim Übergewicht besser ab als die Männer – wenngleich bei dem Anteil der Fettleibigen die Frauen leicht vorn liegen. Grundlage für die Statistik ist der sogenannte Body Mass Index (BMI), der das Gewicht ins Verhältnis zur Größe setzt. Dabei wird das Gewicht geteilt durch die Größe in Metern ins Quadrat. Liegt der so ermittelte Wert höher als 25, gelten Menschen laut Weltgesundheitsorganisation als übergewichtig, ab einem Wert von 30 schließlich als fettleibig.

Warum ausgerechnet die Region im sachsenweiten Vergleich heraussticht, lassen die Erhebungen offen. Auffällig ist der Vergleich mit den Städten Dresden und Chemnitz, wo deutlich weniger übergewichtige und fettleibige Menschen leben. Und die Barmerstudie hatte gezeigt, dass allen voran die ostdeutschen Flächenländer Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt betroffen sind.

Die SZ sagt, was hilft, um fit zu bleiben

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Tipp 1: Gesundes Essen aus der Region

Fachleute empfehlen, beim Essen stets auf frische Lebensmittel aus der Region zu setzen und das zuzubereiten, was gerade geerntet wird. Frisches Gemüse hat eine bessere Qualität und mehr Vitamine. Gegenwärtig stehen beispielsweise Grünkohl oder Mohrrüben im Gemüsekalender.

Tipp 2: Regelmäßig warme Mahlzeiten


Die Wirkung von warmen Mahlzeiten wird oft unterschätzt. Sie versorgen den Körper schnell mit allen erforderlichen Nährstoffen und machen satt. Das ist wichtig für alle, die abnehmen wollen.

Tipp 3: Auf die Zutaten kommt es an


Neben Gemüse werden vor allem Fisch, Eier, Joghurt, Dickmilch, Käse, Quark und gutes kalt gepresstes Öl empfohlen.

Tipp 4: Auf Packungsangaben achten

Beim Lebensmitteleinkauf sollte eine einfache Grundregel beherzigt werden: Kaufen Sie nur die Produkte, auf deren Packung höchstens fünf Zutaten aufgelistet sind, von denen Sie wirklich wissen, was es ist.

Tipp 5: Finger weg von Fast Food


Experten raten, die Finger von Cornflakes, Suppen und Soßen aus der Tüte, Fertiggerichten und Pizza aus der Tiefkühlung oder Kuchen aus Plastikschachteln und Fast Food zu lassen. Das ist nichts für die schlanke Linie und verdirbt den Geschmack.

Tipp 6: Vorsicht bei Industrienahrung

Lebensmittel, die von der Industrie gefertigt werden und zu viel Zucker und zu viel Fett und zu viel Eiweiß von schlechter Qualität enthalten, machen dick und träge.

Tipp 7: Kleine Sünden ja, aber ...

Niemand muss sich Leckereien verkneifen. Wichtig ist, stetig auf eine ausgewogene Ernährung zu setzen. Dick wird man nicht zwischen Weihnachten und Neujahr, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten.

Tipp 8: Salat statt Pommes

Schnitzel und Currywurst sind vertretbar – dabei aber einfach mal übliche Beilagen wie Pommes durch Salat ersetzen.

Tipp 9: Immer in Bewegung bleiben

Jede Bewegung ist wichtig. Treppe statt Aufzug, zu Fuß oder per Rad gern kleine Umwege in Kauf nehmen. Gehen Sie mit Kindern raus und toben Sie mit ihnen gemeinsam herum. Das ist nicht nur gut für die Gesundheit, sondern schweißt auch die Familie zusammen.

Laut der Barmer ist Fettleibigkeit längst zu einem gesellschaftlichen Problem geworden. Und es betrifft nicht nur Erwachsene. Bei Kindern in der 6. Klasse im Kreis Bautzen haben fast 20 Prozent ein Problem mit zu viel Pfunden. Sieben Prozent gelten als adipös, also als fettleibig. Zwölf Prozent haben Übergewicht. Bei den Einschulungen in den vergangenen Jahren waren aber nur viereinhalb Prozent adipös und sieben Prozent übergewichtig. Viele Kinder haben mit den Schuljahren also klar zugelegt.

Experten sehen die Ursachen dafür vor allem im Mangel an Bewegung, einer zunehmenden Computer- und Fernsehernutzung und anderen Hobbys, bei denen die Kinder sitzen. „Auch die Ernährungsgewohnheiten in der Familie spielen eine Rolle“, sagt Ulrike Menzel vom jugendärztlichen Dienst, die auf Fast Food verweist, das schnell zubereitet ist und schmeckt. Trotzdem, so erklärt die Ärztin, gibt es in der Region immer noch genug Kinder, die viel Sport treiben und sich gut ernähren. Und sie erinnert daran, dass etliche Mädchen und Jungen vor allem wegen eines falschen Schönheitsideals an Untergewicht leiden.

Übergewicht ist für die Betroffenen auch mit Blick auf Folgeerkrankungen ein Problem. Laut Andreas Motzko, Sprecher der Krankenkasse DAK in Bautzen, gilt Adipositas als Auslöser für mehr als 60 Begleiterkrankungen. Dazu zählen Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Depressionen. Das hat direkte Folgen fürs Gesundheitssystem und die Gesellschaft. Stark übergewichtige Menschen und Fettleibige verursachen laut Barmer bis 150 Prozent höhere Gesundheitsausgaben und bringen es auf mehr Fehltage im Job. Das verursacht jährliche Kosten im Gesundheitssystem von mehreren Milliarden Euro, heißt es.

Neun einfache Regeln, um Übergewicht zu vermeiden

Weihnachten ist gerade vorbei. Kulinarisch ist diese Zeit nicht gerade bekannt für Rohkost, sondern deftige Speisen und Süßigkeiten. Nach den Feiertagen stellen wir meistens fest, dass es doch wieder zu viel war und mancher fasst sogleich fürs neue Jahr gute Vorsätze. Gewichtszunahme ist ja nichts anderes als ein ungleiches Verhältnis von Kalorienaufnahme und Kalorienverbrennung, erklärt Andreas Motzko von der DAK. Die Experten bei der Krankenkasse kennen einfache Regeln, die helfen können, stets im Gleichgewicht zu bleiben.

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