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Donnerstag, 07.12.2017

„Jeder Cent für den Umzug ist Gold wert“

Eine Familie will schon seit Längerem in die Nähe von Riesa ziehen. Nun klappt es endlich, auch dank Lichtblick-Spendern.

Von Eric Weser

Gepackt ist schon. In wenigen Tagen zieht Mona um. Die Achtjährige freut sich wie ihre ganze Familie drauf.
Gepackt ist schon. In wenigen Tagen zieht Mona um. Die Achtjährige freut sich wie ihre ganze Familie drauf.

© Eric Weser

Gröditz. Koffer und Kartons sind schon gepackt, die Tapete ist ab. Vieles ist schon fertig. Denn die Kummers* wollen umziehen. Vom Gröditzer Musikerviertel geht’s für die Familie ins rund 20 Kilometer Luftlinie entfernte Prausitz. Dort haben die fünf nach langer Suche eine neue Bleibe für sich gefunden, der auch das Jobcenter zugestimmt hat.

Im beschaulichen Prausitz wird es sich ruhiger leben als im Gröditzer Plattenbaugebiet, hoffen sie. Hier machen manche Nachbarn teils bis in die Nacht Lärm, erzählt Mutter Iren Kummer. Mit ihrem Mann René und der großen Tochter Mona kam die 36-Jährige 2013 aus dem Spreewald nach Gröditz, weil es mit ihrem Ex-Mann Probleme gab. Anfangs hätten sie im Wohnblock an der Kellerstraße gewohnt, direkt an der Gröditzer Asylunterkunft. Auch dort sei es unruhig gewesen. „Oft war die Polizei da.“ Als sich Töchterchen Layla ankündigte, zog die Familie in die größere Wohnung im Musikerviertel. Dort haben sie zuletzt auf 86 Quadratmetern zu fünft gelebt, denn vor einem Jahr wurde Söhnchen Gavin geboren.

Mit Gröditz sind die Kummers in den letzten Jahren nicht so richtig warm geworden. Zwar seien die Einkaufsmöglichkeiten ganz gut. Mit dem Kinderarzt sind sie aber nicht richtig zufrieden gewesen, erzählt Iren Kummer. Deshalb sei sie nach Riesa gewechselt. Auch ihre Frauenärztin habe sie in Lommatzsch, sagt die Mutter, die schon von Geburt an mit einem Nierenleiden zu kämpfen hat. Der Umzug nach Prausitz bedeute in Zukunft deutlich kürzere Wege – und damit auch weniger Kosten für die bedürftige Familie.

Auch mit Arbeit habe es in Gröditz nicht so sein sollen, sagen die Kummers. In Prausitz, das nur sechs Kilometer von Riesa entfernt liegt, hofft Ehemann Lars, künftig in der Altenpflege-Branche Fuß fassen und vielleicht sogar eine Weiterbildung machen zu können.

Auch die große Tochter Mona freut sich schon. Ihre neue Grundschule hat sie bereits besucht, eine Lehrerin kennt sie schon vom Schwimmunterricht, erzählt die Drittklässlerin. Ihre Eltern hoffen, dass sich in der Prausitzer Klasse, die nur halb so groß sei wie die Gröditzer, die Lernergebnisse ihrer Großen verbessern können.

Dass die Kummers umziehen können, ist nicht selbstverständlich, erzählen sie. Ein eigenes Auto haben sie zum Beispiel im Moment nicht. Ihren alten Polo haben sie nicht mehr. Der wäre zu klein für alle fünf gewesen, sagt Mutter Iren. Und der gebrauchte Siebensitzer, den sich die Kummers wünschen, sei zu teuer, um ihn auf einmal zu bezahlen. „Auf Ratenkauf lassen sich die Händler nicht ein.“

Dass es mit dem Umzug dennoch klappt, liegt an der Diakonie Riesa-Großenhain und der Stiftung Lichtblick. Aus deren Spendenaufkommen wird ein Teil der Umzugskosten getragen. Iren Kummer zeigt sich dankbar. „Jeder Cent für den Umzug ist Gold wert“, sagt sie und dankt den Lichtblick-Spendern und dem Familienzentrum der Diakonie Gröditz, deren Mitarbeiterinnen die Spende vermittelten.

Jetzt zählen die Kummers noch die Tage, bis der Umzugswagen kommt. Anfang nächster Woche soll es so weit sein, wenn Söhnchen Gavin Geburtstag hat. Nicht nur für ihn ist der Umzug ein Geschenk.

* Alle Namen von der Redaktion geändert.

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