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Donnerstag, 04.01.2018

Jahresstart mit Fragezeichen

Die Zahlen stimmen, aber Sorgen gibt es trotzdem. Als erste Stadt der Region feiert Sebnitz seinen Neujahrsempfang.

Von Dirk Schulze

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OB Mike Ruckh empfahl den Gästen in seiner Rede, die Edelsteine der Region zu heben, man müsse sie nur sehen wollen.
OB Mike Ruckh empfahl den Gästen in seiner Rede, die Edelsteine der Region zu heben, man müsse sie nur sehen wollen.

© Daniel Schäfer

Die Sachsenländer Blasmusikanten spielten die Musik. Eingeladen waren dieses Jahr auch Mitarbeiter der Pflege.
Die Sachsenländer Blasmusikanten spielten die Musik. Eingeladen waren dieses Jahr auch Mitarbeiter der Pflege.

© Daniel Schäfer

Blumenmädchen Alexandra Lauermann begrüßte die Gäste in der Sebnitzer Stadthalle. Vor dem Empfang hatte Sebnitz eine Spendenaktion zum Erhalt von Wanderschutzhütten gestartet. Das Ergebnis steht noch aus.
Blumenmädchen Alexandra Lauermann begrüßte die Gäste in der Sebnitzer Stadthalle. Vor dem Empfang hatte Sebnitz eine Spendenaktion zum Erhalt von Wanderschutzhütten gestartet. Das Ergebnis steht noch aus.

© Daniel Schäfer

Sebnitz. In diesem Jahr werde bei der Arbeitslosenquote erstmals eine Vier vor dem Komma stehen. Da sei er sich sicher, sagte Sebnitz’ Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) in seiner Rede. Der Blick aus dem Rathausfenster zeige ihm eine schöne Stadt, sanierte Häuser, gute Schulen, eine geringe Kriminalitätsrate. Und doch könne dies nicht mehr alle Sorgen, Nöte und offensichtlich auch Risse in der Gesellschaft übertünchen. Ruckhs Vorschlag an die Politik: zuhören, Lösungen diskutieren und diese umsetzen – sich dabei aber nicht verbiegen.

Als erste Kommune der Region hat Sebnitz gleich am zweiten Tag des neuen Jahres seinen Neujahrsempfang gefeiert. Es war der 20. seiner Art, aber eins war anders. In der Reihe der politischen Mandatsträger konnte Ruckh als Bundestagsabgeordneten nur André Hahn (Die Linke) begrüßen. Der im September 2017 nicht wiedergewählte Klaus Brähmig (CDU) fand keine Erwähnung, war aber im Saal.

Einige bemerkenswerte Zitate schickte der Landtagsabgeordnete Jens Michel in die Runde. Der Freistaat wolle die Telemedizin ausbauen, sagte der finanzpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Denn man könne nicht in jeder Region Spezialisten vorhalten. Die Mediziner vor Ort sollten dann mit den Fachexperten in den Unikliniken kommunizieren. In einer Stadt, deren Krankenhaus erst vor wenigen Jahren Gegenstand wilder Gerüchte war, lassen solche Sätze aufhorchen. Erst recht, wenn der für die Klinik verantwortliche Regionalgeschäftsführer nach 20 Jahren überraschend vom Betreiberkonzern wegversetzt wird – wie kurz vor Weihnachten geschehen – und der Landrat dies mit den Worten kommentiert, für den Bestand des Sebnitzer Krankenhauses wünsche er sich eine gute Lösung.

Michel beeilte sich dann auch, einen Satz zur Beruhigung hinterherzuschicken: „Wir wollen das Krankenhaus in der Stadt halten.“ Die medizinische Versorgung im ländlichen Raum sei aber komplex, auch im Bereich der Hausarztpraxen. Es brauche vor allem Ärzte, die aufs Land wollen. Zudem erhalte gerade die Pflege in der Öffentlichkeit nicht die Anerkennung, die sie verdiene. Dieser Teil dürfte in der Stadthalle auf offene Ohren gestoßen sein. Sebnitz hatte in diesem Jahr neben Unternehmern, Vereinsvertretern und Ehrenamtlern explizit die Mitarbeiter von Pflegeheimen und mobilen Pflegediensten zum Neujahrsempfang eingeladen, um ihnen für ihre tägliche Arbeit zu danken.

Die Grenzstadt habe es demografisch und strukturell nicht immer einfach gehabt, sagte Jens Michel noch. Angesichts steigender Übernachtungszahlen sieht er aber gute Perspektiven: „Sebnitz schickt sich an, still und leise eine touristische Großmacht in der Region zu werden.“