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Donnerstag, 20.04.2017

Infektionskrankheiten auf dem Vormarsch

Tuberkulose, Keuchhusten und Co. sind nicht ausgemerzt, weiß Kinder- und Jugendärztin Ulrike Menzel.

Nur ein kleiner Pieks: Impfen ist nach wie vor der beste Schutz gegen gefährliche Infektionskrankheiten, sagt die Leiterin des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes im Landratsamt. Sie rät zu den Impfungen, die die Sächsische Impfkommission empfiehlt.
Nur ein kleiner Pieks: Impfen ist nach wie vor der beste Schutz gegen gefährliche Infektionskrankheiten, sagt die Leiterin des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes im Landratsamt. Sie rät zu den Impfungen, die die Sächsische Impfkommission empfiehlt.

© picture-alliance/ dpa

Bautzen. Im Kreis Görlitz ist vor Kurzem ein Mann an Tuberkulose gestorben. In Leipzig breiten sich vehement die Masern aus. Im Gesundheitsamt des Kreises Bautzen werden immer wieder Fälle von Keuchhusten gemeldet. Sind Infektionskrankheiten wieder auf dem Vormarsch? Und wie kann man sich vor ihnen schützen? Die SZ fragt die Kinder- und Jugendärztin des Landkreises, Ulrike Menzel.

Frau Menzel, dachten wir nicht, Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, Keuchhusten und Co gehörten längst der Vergangenheit an?

Leider ist das nicht so. Die Krankheitserreger sind da. Wir hatten voriges Jahr 16 Tuberkulose-Fälle, darunter war auch ein dreijähriges Kind. Zum Glück hatten wir in den letzten Jahren keine Masern-Erkrankungen bei uns im Kreis. Aber seit 2001 haben wir auch hier 26 Fälle registriert, nachdem es 40 Jahre lang keinen einzigen gegeben hat. Wir haben auch immer wieder Fälle von Keuchhusten.

Woher kommen die Krankheiten jetzt wieder? Bringen Asylsuchende sie mit?

Jeder kann anstecken, auch Reisende. Es sind auch Asylsuchende unter den Erkrankten, aber es sind bei Weitem nicht nur Asylsuchende.

In Görlitz ist ein Mann an Tuberkulose gestorben.

Den genauen Fall kenne ich nicht, aber an TBC sollte heute niemand mehr sterben müssen. Mit antituberkulös wirkenden Antibiotika ist die Krankheit gut in den Griff zu bekommen.

Man hört doch aber immer wieder, dass Antibiotika immer schlechter helfen?

Das ist tatsächlich ein generelles Problem. Viele Krankheitserreger entwickeln Resistenzen gegen bestimmte Antibiotika. Wir können da nur immer wieder zu einem sorgsamen Umgang mit den Mitteln raten: Nicht bei jeder Erkältung immer gleich zum härtesten Mittel greifen!

Kommen die gefährlichen Infektionskrankheiten auch wieder, weil nicht mehr jeder gegen alles geimpft ist?

Das ist leider so. Die Erkrankungen breiten sich weiterhin aus. Nur durch eine hohe Durchimpfungsrate können wir die Erkrankungen minimieren, gegen die es einen Impfschutz gibt.

Warum gibt es dann keine Impfpflicht?

So eine Sache zur Pflicht zu machen, halte ich für schwierig. Auch zu DDR-Zeiten gab es ja keine Impfpflicht. Damals war es für uns einfach selbstverständlich, sich vor den Infektionskrankheiten zu schützen, gegen die es einen Impfstoff gab.

Warum ist das heute nicht mehr so?

Einerseits gibt es Eltern, die ihre Kinder bewusst nicht impfen lassen wollen. Unsere Welt ist freier geworden, jeder kann das selbst entscheiden. Ich denke, dass das Impfen heute auch unabsichtlich vergessen wird, weil jeder selbst an die Termine denken muss. Hier könnte man heute zum Beispiel auf Handy-Apps zurückgreifen, die Eltern anhand der Impfempfehlungen entsprechend erinnern.

Raten Sie zum Impfen?

Selbstverständlich. Als Kinderärztin rate ich zu den Impfungen, die die Sächsische Impfkommission empfiehlt. Die Nebenwirkungen einer Impfung, wie kurzzeitige Schmerzen, Rötungen oder Fieber sind nichts im Vergleich zu dem, was ein Kind durchmachen muss, wenn es beispielsweise an Masern oder Keuchhusten erkrankt. Im Übrigen sehe ich das Impfen auch als Verantwortung für die Gemeinschaft.

Wie meinen Sie das?

Wenn viele geimpft sind, schützen wir auch Kranke und Menschen mit einem schwachen Immunsystem. Wer sein Kind nicht impfen lässt, verlässt sich in gewisser Weise darauf, dass die anderen es tun. Würde in einer Schule oder Kindereinrichtung ein Kind an Masern oder Keuchhusten erkranken, können alle ungeimpften Kinder angesteckt werden. Sie dürften dann für die Zeit der Inkubation die Einrichtung nicht besuchen.Auf ein Wort

Gespräch: Jana Ulbrich