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Freitag, 21.04.2017

In der Oberlausitz wird’s heißer und trockener

Neue Untersuchungen zeigen: Ostsachsen ist vom Klimawandel besonders stark betroffen.

Von Jana Ulbrich

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Eine Region im Klimawandel: Die Sommer werden heißer, die Frühjahre trockener, die Winter milder, die Unwetter bedrohlicher. Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie hat jetzt erstmals lokale Daten erfasst und analysiert. Die zeigen, dass die Oberlausitz besonders stark betroffen ist.
Eine Region im Klimawandel: Die Sommer werden heißer, die Frühjahre trockener, die Winter milder, die Unwetter bedrohlicher. Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie hat jetzt erstmals lokale Daten erfasst und analysiert. Die zeigen, dass die Oberlausitz besonders stark betroffen ist.

© dpa

Bautzen. Die Szenarien sind gar nicht so fern: ein verdorrtes Feld, ein ausgetrockneter Teich, in der Hitze geschmolzener Asphalt. Oder aber ein überschwemmtes Feld, über die Ufer getretene Bäche, vom Sturm geknickte Bäume, Hagelschauer und Regengüsse wie die Sintflut. Die Szenarien sind keine Fiktion. Sie spielen sich bereits ab, gerade und besonders vor unserer Haustür: „Keine Region in Sachsen ist so stark vom Klimawandel betroffen wie die Lausitz“, weiß Dr. Johannes Franke vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Zum ersten Mal haben Franke und seine Kollegen jetzt Klimadaten für einzelne Regionen analysiert. Die zeigen: In den Landkreisen Bautzen und Görlitz nehmen Erwärmung, Trockenheit und Extremwetterlagen am deutlichsten zu. Die SZ fasst die wichtigsten Erkenntnisse der regionalen Klimaanalyse zusammen.

Höhere Temperaturen sind ein untrügliches Zeichen

In den vergangenen fünf Jahrzehnten ist die Temperatur in der Region kontinuierlich gestiegen: Lag das Jahresmittel im Referenzzeitraum 1961 bis 1990 im Kreis Bautzen noch bei 8,7 Grad, ist es in den 30 Jahren von 1981 bis 2010 auf 9,3 Grad angestiegen, im Kreis Görlitz stieg die Jahresmitteltemperatur in dieser Zeit von 8,3 auf 8,9 Grad. „Der Trend hat sich auch in den Jahren nach 2010 deutlich erkennbar fortgesetzt – und das sogar noch verstärkt“, sagt Johannes Franke. Den Temperaturanstieg um 0,6 Grad sehen die Experten als deutliches Zeichen für den Klimawandel.

Anzahl der Sommertage steigt deutlich

Auch die steigende Zahl der Sommertage, an denen das Thermometer über die 25-Grad-Marke klettert, bezeichnen die Wissenschaftler als signifikant: In den vergangenen drei Jahrzehnten wurden in der Region pro Jahr durchschnittlich sieben Sommertage mehr gezählt als im Vergleichszeitraum davor: Im Kreis Bautzen stieg die Anzahl von durchschnittlich 34 auf 41 pro Jahr, im Kreis Görlitz von 31 auf 38. „Wir stellen auch fest, dass sich die natürlichen Temperaturschwankungen verringern und zunehmend von der Erwärmung überlagert werden“, so Johannes Franke.

Trockenheit ist in Ostsachsen am stärksten spürbar

Als besonders problematisch sehen die Experten die zunehmenden Trockenperioden im Frühjahr an. So hat sich die Häufigkeit von extremen Trockenperioden in der Region in den vergangenen 20 Jahren gegenüber dem Referenzzeitraum annähernd verfünffacht. Auch Dauer und Schwere der Trockenheiten nehmen im Durchschnitt um rund 50 Prozent zu. „Das ist ein Spitzenwert in Sachsen“, sagt Johannes Franke. Der Kreis Görlitz ist dabei noch stärker betroffen als der Kreis Bautzen. „Die Wasserverfügbarkeit wird zu einem zentralen Thema in Ostsachsen werden“, so Franke.

Niederschlagsmenge bleibt gleich, aber nicht mehr gleichmäßig

Zwar hat sich die jährliche Niederschlagsmenge im Betrachtungszeitraum kaum verändert, allerdings ihre Verteilung über den Jahresverlauf. So fehlen die Niederschläge besonders im Frühjahr, um sich dann vor allem im Hochsommer verstärkt zu ergießen. Das Hauptproblem gerade für die Oberlausitz: In den Vergleichszeiträumen nimmt die Anzahl der Starkregenereignisse ab, ihre Intensität aber durchweg zu, erklärt Johannes Franke: „Es regnet zwar seltener, dafür aber umso stärker.“

Wetterereignisse werden extremer, Hochwasser-Risiko steigt

Vor allem in den Sommermonaten steigt damit das Risiko witterungsbedingter Extreme. „Wir müssen uns in Zukunft häufiger als bisher auf Hochwasserlagen und Unwetter einstellen“, so Franke. Mit den Starkregenfällen im Sommer erhöht sich auch das Erosionsrisiko.

Die ganze Region muss sich auf veränderte Bedingungen einstellen

„Die Region muss sich auf die veränderten Bedingungen einstellen“, sagt Johannes Franke. Dabei geht es nicht nur um den Waldumbau und angepasste Landwirtschaft, sondern auch um Erosionsschutz und Gewässersanierungen, um den Bau von Bewässerungsanlagen für die Trockenphasen und den Bau von Wasserrückhaltebecken und Hochwasserschutzsystemen für den Fall der Extremwetterlagen. In Städten werden künftig Hitzeschutz-Maßnahmen eine viel größere Rolle spielen.

Weitere ausführliche Informationen im Internet unter www.umwelt.sachsen.de/umwelt/klima/45244.htm

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