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Donnerstag, 15.02.2018

Immer mehr Waffenscheine

Erneut lagen sich mehr Bürger einen kleinen Waffenschein zu. 2017 haben sie aber weniger Waffen gekauft.

Von Franz Werfel

Wer eine Schreckschuss-Pistole wie diese Walther P22 in der Öffentlichkeit mit sich herumtragen möchte, braucht dafür einen kleinen Waffenschein. Die Zahl der kleinen Waffenscheine ist im Landkreis erneut gestiegen – allerdings deutlich weniger stark als 2016.
Wer eine Schreckschuss-Pistole wie diese Walther P 22 in der Öffentlichkeit mit sich herumtragen möchte, braucht dafür einen kleinen Waffenschein. Die Zahl der kleinen Waffenscheine ist im Landkreis erneut gestiegen – allerdings deutlich weniger stark als 2016.

© dpa

Sächsische Schweiz- Osterzgebirge. Auch im vergangenen Jahr haben die Bürger im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge wieder mehr kleine Waffenscheine beantragt. Das belegen die Zahlen der zuständigen Waffenbehörde im Landratsamt. Demnach wurden 197 kleine Waffenscheine neu ausgestellt. Mittlerweile haben 1 244 erwachsene Bürger im Landkreis den kleinen Waffenschein. Zum Vergleich: Ende 2015 waren es rund 500 Personen, bis 2013 nur rund 300. In den vergangenen vier Jahren hat sich die Zahl im Landkreis also vervierfacht. Somit hat nun rund jeder 166. erwachsene Bürger im Landkreis diesen Schein. Deutschlandweit waren bis zum Jahreswechsel 557 560 kleine Waffenscheine registriert – 85 Prozent mehr als noch vor zwei Jahren.

Sie erlauben ihren Inhabern, eine Schreckschuss-, Reizstoff- oder Signalwaffe mit dem PTB-Prüfzeichen in der Öffentlichkeit zu tragen – allerdings nur im Verborgenen. Benutzt werden dürfen die Waffen nicht. Lediglich in Situationen akuter Bedrohung dürfen sie eingesetzt werden. Das erklärt Polizeisprecher Marko Laske im unten stehenden Interview. Grundsätzlich nicht mitgeführt werden dürfen diese Waffen bei öffentlichen Veranstaltungen wie Versammlungen, Demonstrationen, Konzerten oder bei Sportevents.

Die Genehmigung des Antrages für einen kleinen Waffenschein ist an etliche Bedingungen geknüpft: ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis, keine laufenden Strafverfahren und ein amtlich bestätigter Wohnsitz. Auch dürfen die Antragsteller nicht drogen- oder alkoholabhängig sein. Konkrete Gründe, warum sie den Schein haben wollen, müssen sie nicht nennen. Die Gebühr für den kleinen Waffenschein beträgt 75 Euro. Alle drei Jahre wird von der Behörde überprüft, ob die Bedingungen vom Waffenbesitzer noch erfüllt werden. Diese Prüfung kostet dann noch einmal 30 Euro. Das Papier kann also auch wieder aberkannt werden.

Stichprobenartige Kontrollen

Das Landratsamt kontrolliert bei genehmigungspflichtigen Waffen wie etwa Pistolen und Jagdgewehren stichprobenartig, ob diese in den eigenen vier Wänden ordnungsgemäß aufbewahrt werden. 2016 geschah das 167-mal, im vergangenen Jahr wurden 284 Kontrollen durchgeführt. „Insgesamt 15 Mängel wurden festgestellt“, sagt Steffen Klemt, Amtsleiter für Sicherheit und Ordnung im Landratsmat. Je nach Schwere der Mängel wurden Bußgeld- und Widerrufsverfahren eingeleitet. Wer illegal Waffen besitzt, für die man eine Erlaubnis benötigt, begeht eine Straftat. Diese wird in der Regel mit Geldstrafen oder bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft. In schweren Fällen illegalen Waffenbesitzes kann ein Gericht bis zu zehn Jahre Freiheitsentzug verhängen.

Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen kann sich hingegen jeder, der mindestens 18 Jahre alt ist, anschaffen. Sie sind frei verkäuflich. Für den Besitz nur in den eigenen Wohn- und Geschäftsräumen oder auf dem eigenen Grundstück benötigt man keine behördliche Erlaubnis. Diese Waffen werden auch nicht behördlich registriert.

In den Jahren 2015 und 2016 war der Verkauf von Waffen sprunghaft angestiegen. Schon im vergangenen Jahr sagten regionale Händler, dass die Verkaufszahlen zurückgingen. Diesen Trend bestätigt Ingo Meinhard, der Geschäftsführer des Verbands Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler. „In den vergangenen drei Jahren hatten wir eine massive Nachfrage nach freien Abwehrmitteln wie Pfefferspray, Taschenlampen mit Blendfunktion, Schreckschusspistolen und Schrillalarmen“, sagt er. Seit Mitte 2017 sei der Absatz dieser Abwehrmittel wieder auf das vorherige Maß zurückgegangen, der Bedarf in der Bevölkerung scheint gedeckt.

Zugleich sei es für ihn „logisch“, dass im Zuge der allgemeinen Verunsicherung auch die Beantragung der kleinen Waffenscheine angestiegen sei, so Meinhard. Der Interessenverband hofft, dass die Kunden nach zwei Jahren wieder ein Fachgeschäft aufsuchen – denn dann sei die Haltbarkeit etwa von Pfeffersprays in der Regel abgelaufen. Generell empfiehlt Ingo Meinhard allen Interessenten die Fachgeschäfte. „Es gibt eine große Bandbreite an Abwehrmitteln, nur durch ein individuelles Beratungsgespräch kann herausgefunden werden, was zu der jeweiligen Person passt.“ Meinhard rät davon ab, Waffen ohne Beratung im Internet zu kaufen.