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Sonntag, 15.04.2018

Immer gut Flug für die Brieftauben auf ihrem Weg

Am Sonntagnachmittag öffnen mehrere Züchter im Landkreis ihre Taubenhäuser. Zu ihnen zählt auch das Ehepaar Rathmann in Weißkeißel.

Von Rolf Ullmann

Karsten Rathmann zeigt der Nachbarsfamilie Beata und Lars Bülow mit ihren Kindern Sophia und Maria (v. l.) am Sonntagmittag gern eine seiner Brieftauben.
Karsten Rathmann zeigt der Nachbarsfamilie Beata und Lars Bülow mit ihren Kindern Sophia und Maria (v. l.) am Sonntagmittag gern eine seiner Brieftauben.

© Rolf Ullmann

Weißkeißel. Wer vor dem Grundstück des Ehepaares Ramona und Karsten Rathmann in der Langen Straße in Weißkeißel einen Moment verweilt, dem wird das Gurren der Tauben nicht entgehen. An diesem Sonntagvormittag ist es ein klein wenig intensiver als sonst. Denn 79 seiner Brieftauben sind vor Kurzem von ihrem Trainingsflug von Spremberg zurückgekehrt. Die Schnellste von ihnen bewältigt die Strecke in nur 19 Minuten. Brieftauben sind sozusagen die Rennpferde der Lüfte. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 70 bis zu 120 Kilometern je Stunde, eilen sie vom Auflassort während ihrer Reise zielgerichtet zu den Schlägen ihrer Besitzer. Noch sind nicht alle Geheimnisse um die erstaunliche Fähigkeit dieser Orientierungswunder gelöst. Manchmal dauert es Tage und Wochen, ehe eine bis dahin vermisste Taube wieder einfliegt. Doch auch dann besteht sie auf ihren gewohnten Nistplatz im Taubenhaus.

Mit dem sonntäglichen Trainingsflug bereitet Karsten Rathmann seine 79 Brieftauben auf das Reiseprogramm der kommenden Wochen und Monate vor. Zwei Vorflüge mit Strecken zwischen 100 und 120 Kilometer absolvieren die Tauben zum Auftakt. Danach starten ab dem 6. Mai die 13 Preisflüge für die Alttauben. Von Flug zu Flug steigert sich dabei die Entfernung von 200 Kilometern bis auf 643 Kilometer. Auf freiwilliger Basis können die Züchter die Ausdauer ihrer Tiere auf der Strecke von 1 050 Kilometern vom Auflassort bei London zurück in den nördlichen Teil des Landkreises Görlitz testen.

Karsten Rathmann weiß als Flugleiter des Reisevereins Hoyerswerda und Löbau sehr wohl um die Unwägbarkeiten solcher Langstreckenflüge. Er studiert deshalb akribisch genau die Wettervorhersagen, ehe er sich entschließt, das Signal zum Start zu geben. „Das Wohl der Tiere steht bei mir und allen Züchterkollegen immer an erster Stelle. Da gibt es keine Abstriche“, sagt der Brieftaubenexperte. Die Liebe zu den Tieren erbte er von seinem Vater Karl-Heinz Rathmann. Seit seinem 16. Lebensjahr widmet er sich diesem schönen Hobby und wünscht sich, dass die junge Generation darin nachrückt. Denn im Verein Gablenz und Bad Muskau gibt es derzeit nur noch sieben Brieftaubenzüchter. Für ihn bildet die Beschäftigung mit den Tauben einen willkommenen Ausgleich zu seiner Tätigkeit als selbstständiger Maler. In seiner Ehefrau Ramona hat er eine engagierte Mitstreiterin für sein Hobby gefunden.