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Samstag, 14.04.2018

Immer an der Wand lang

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Nichts für Angsthasen: Die Via Ferrata führt auf schmalem Grat an einem Fels des Hajar-Gebirges entlang. Zurück geht es per Seilrutsche.Fotos: St. Klameth
Nichts für Angsthasen: Die Via Ferrata führt auf schmalem Grat an einem Fels des Hajar-Gebirges entlang. Zurück geht es per Seilrutsche.Fotos: St. Klameth

Haken rein, Haken raus. Ein paar Schritte vorwärts und alles von vorn. Haken rein, Haken raus. Man könnte meinen, dass das Felssteigen mehr Hand- als Fußarbeit ist. Aber Sicherheit hat absolute Priorität – auch hier auf der Via Ferrata im Hajar-Gebirge im Emirat Ras al Khaimah.

Wer sich auf den „Eisenweg“ begeben will, muss erst mal eine mehrseitige Belehrung lesen und unterschreiben. Leichter als 41 oder schwerer als 98 Kilo? Herzprobleme gar? Dann darf man gleich wieder umkehren. Alle anderen bekommen von Amdy und seinen Kollegen ein ganzes Arsenal von Gurten und Karabinern angelegt. Helm auf, Handschuhe an – los geht’s. Nach einem kurzen Fußmarsch steht die Gruppe vor einer Felswand. Ein Stahlseil markiert den Weg, er führt ziemlich senkrecht nach oben. Haken rein, Haken raus.

Der Klettersteig ist seit einem halben Jahr geöffnet und dem Taxifahrer aus Afghanistan offenbar noch kein Begriff; mit Vollgas ist er erst mal an der Einfahrt vorbeigejagt. Dabei soll die Via Ferrata nach dem Willen des Scheichs einen neuen Typus Touristen anlocken: den Aktivurlauber.

Das nördlichste der sieben Emirate ist ein touristischer Spätstarter. Erst vor zehn Jahren entdeckte man die lukrative Geldquelle. Man schüttete eine künstliche Insel ins Meer und bepflanzt sie nun mit mehr oder weniger großen Hotelresorts – in gehobener Kategorie und meist mit All-inclusive-Verpflegung, wie man es etwa aus der Türkei und Ägypten kennt. Der Flug dorthin dauert zwar etwas kürzer, dafür herrscht am Persischen Golf auch im Winter garantiert Badewetter. Kein Wunder, dass die meisten Hotels dann ausgebucht sind. Reiseveranstalter werben mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis für ihre Pauschalangebote. Und mit Sicherheit.

Den Urlaubern, darunter viele aus Deutschland, gefällt das so gut, dass sie ihr Resort nur ganz selten verlassen. Und wenn, dann geht es nach Dubai zum Shoppen, Schauen, Staunen. Die Fahrt dauert keine Stunde, vorausgesetzt, es herrscht kein Stau. Oder sie buchen einen Ausflug in die Wüste, die gleich hinter der Autobahn beginnt. Man kann auf Kamelen reiten, bei einer Falken-Show zugucken oder in die Sterne gucken; das Lichtermeer der großen Metropolen ist hier weit, weit weg.

Unterwegs begegnet man Ziegen und sieht einfache, verfallende Behausungen. Man bekommt eine Ahnung, wie es in Dubai ausgesehen haben mag, bevor das Erdöl entdeckt wurde. Einst waren die Bewohner von Ras al Khaimah weithin als Piraten gefürchtet; noch heute sollen in den Bergen Stämme leben, die sich der Fuchtel des Scheichs entziehen.

Über die Bedeutung des Namens Ras al Khaimah – „Zeltspitze“ – gibt es verschiedene Theorien. Eine besagt, dass damit die schroffen Gipfel des Hajar-Gebirges gemeint sein könnten. Wir hangeln uns – Haken rein, Haken raus – die Felswand entlang, bis wir vor einem Abgrund stehen. Weiter geht es nur per Zipline. Also einklinken, allen Mut zusammennehmen – und in hundert Metern Höhe übers Tal rauschen. Wenig später folgen noch zwei weitere Seilrutschen, die längste ist immerhin 300 Meter lang.

Klingt spektakulär, ist aber nichts im Vergleich zur neuesten Attraktion: eine Zipline vom Jebel Jais, dem höchsten Berg der Vereinigten Arabischen Emirate. Sie ist 2 830 Meter lang, und wer den Schneid hat, rauscht wie Superman mit Kopf voran und bis zu 150 Sachen auf eine an Seilen befestigte Plattform zu. Den Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde hat die Bahn schon. Fehlen nur noch die Touristen.

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