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Dienstag, 02.01.2018

„Ich wollte zurück aufs Wasser“

Philip Köster trotzt einer schweren Knieverletzung, weil Surfen sein Leben ist. Sein vierter WM-Titel ist ein besonderer.

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Immer auf der Suche nach spektakulären Wellen. Philip Köster ist hier vor Gnaraloo an der Westküste Australiens in seinem Element.
Immer auf der Suche nach spektakulären Wellen. Philip Köster ist hier vor Gnaraloo an der Westküste Australiens in seinem Element.

© Jaanus Ree/Red Bull Content Pool

Der Weltmeister mit seinen Arbeitsmitteln. Philip Köster wirkt wie im Urlaub, ist er aber nicht.
Der Weltmeister mit seinen Arbeitsmitteln. Philip Köster wirkt wie im Urlaub, ist er aber nicht.

© Jaanus Ree/Red Bull Content Pool

Ein Segel schwebt über den Wellen, wirbelt herum, überschlägt sich. Der Athlet auf dem Brett fliegt hoch über dem Meer, landet sicher in der spritzenden Gischt. Solche Bilder kursieren im Netz und zeigen eine Choreografie mit den Elementen, mit Wind und Wasser. Philip Köster beherrscht diesen Tanz seit seiner Kindheit und manövriert sein Surfbrett mit der G-44, seiner Erkennungsnummer, auf dem Segeltuch zum vierten Weltmeistertitel. Dabei ist der Naturbursche erst 23 Jahre alt.

Philip Köster hatte beste Startbedingungen für eine erfolgreiche Surfkarriere. Er wurde auf Gran Canaria geboren, seine aus Hamburg stammenden Eltern hatten in Playa de Vargas eine Surfschule eröffnet. Ihr Sohn wuchs am Meer auf. Wo andere Kinder mit Roller und Fahrrad groß werden, bewegte sich Philip Köster auf dem Surfbrett. Nach dem Schulabschluss startete er mit 15 Jahren bereits eine Profi-Karriere, zwei Jahre später war das Wunderkind Windsurf-Weltmeister beim Waveriding. Nur Surf-Legende Robby Naish schaffte das früher – als 13-Jähriger.

Doch glatt verlief die Karriere des ersten deutschen Surf-Champions nicht. Im September 2016 zog er sich bei einem Trainingssturz in sechs Meter hohen Wellen vor Australien einen Kreuz- und Innenbandriss sowie einen Meniskusschaden im rechten Knie zu. Die Titelverteidigung war geplatzt, eine Fortsetzung der Karriere ungewiss. Das traf den Surfer aus Leidenschaft hart, der mal bekannt hatte: „Auf Sparflamme surfen macht keinen Spaß.“

Doch die Ärzte gaben grünes Licht. Philip Köster kehrte in die WM-Serie zurück und holte nach, was ihm 2016 verwehrt wurde: Er gewann im vorigen Jahr seinen vierten Weltmeistertitel. Inzwischen ist der 23-Jährige schon wieder am Material-Testen in den besten Surfgebieten dieser Welt. In einer Trainingspause beantwortete er die Fragen der Sächsischen Zeitung.

War der vierte Weltmeistertitel der überraschendste?

Ja. Es war aber auch der am schwersten erarbeitete. Ich bin ja ohne größere Erwartung in diese Saison gestartet, wusste beim ersten Event nicht, ob es überhaupt klappen wird, ob mein Knie halten würde. Viel trainieren konnte ich vorher auch nicht. Nach zwei Siegen war ich aber sicher, dass ich meine alte Form und den Kampfgeist wieder habe.

Wie hart hat Sie denn innerlich die bisher schlimmste Verletzung getroffen?

Sehr hart, ich hatte bis dahin eine gute Saison hingelegt. Beim Training in Australien zog ich mir diese schlimme Verletzung zu. Das zieht einem irgendwie direkt den Boden unter den Füßen weg,

Wie haben Sie die kritische Zeit nach der Operation überstanden?

Ich hatte wirklich sehr starke Schmerzen drei bis vier Tage lang nach der Operation. Mein Vater und meine Freundin waren Tag und Nacht bei mir, trotz stärkster Schmerzmittel war es schrecklich.

Hatten Sie Zweifel?

Zweifel an den Erfolg der Operation wollte ich nicht haben. Die Ärzte haben mir alle bestätigt, dass alles gut verlaufen sei. So recht glauben konnte ich es anfänglich allerdings nicht. Während der Reha hatte ich zeitweise Zweifel, denn es ging ja über zehn Monate und mitunter war es einfach nur mühsam und schmerzhaft. Man sieht auch nicht gleich die Verbesserung. Ich hatte aber eine intensive Betreuung von täglich fünf bis sechs Stunden.

Wie sind Sie mit den Zweifeln umgegangen, wie haben Sie die überwunden?

Ich bin ein Kämpfer. Während der Wettkämpfe ist man nur auf sich gestellt, möchte die Natur beherrschen mit Wellenritten, Tricks und hohen Sprüngen. Ich wollte zurück aufs Wasser, das ist mein Leben. Dieses Ziel hatte ich vor Augen.

Ab wann gab es wieder Hoffnung auf den nächsten WM-Titel?

Direkt nach dem ersten Wettkampf mit dem Sieg auf Gran Canaria. Das hat mich sehr zuversichtlich gemacht.

Wie fühlte sich die Rückkehr an?

Das kann ich nicht beschreiben, einfach nur unglaublich gut. Meine Konkurrenten konnten es eigentlich nicht fassen, dass ich schon wieder so gut surfe. Das war ein bestärkendes Gefühl.

Welche Unterstützung haben Sie bekommen?

Mentale Unterstützung natürlich durch meine Familie, aber auch durch einige Sponsoren und Fans.

Wie fühlt sich das Jahr 2017 an – verglichen mit anderen?

Jeder Titel ist besonders. Aber dieses Jahr 2017 mit seinen Höhen und Tiefen möchte ich auf gar keinen Fall wiederholen.

Wovon träumen Sie als Surfer noch?

In neuen Windsurfrevieren zu trainieren, neue Sprünge zu lernen. Meinen Titel möchte ich verteidigen und viele Reisen unternehmen.

Wie gehen Sie mit Popularität um?

Ach das ist doch prima und stört mich nicht. Manchmal gibt es wirklich nette Begegnungen mit den Fans, oder auch TV-Auftritte sind toll.

Was treibt Sie immer wieder aufs Neue in die Wellen?

Ich bin am Strand groß geworden, das Meer ist täglich anders, Wind und Wellen fordern mich immer wieder neu heraus. Das Wellenreiten macht einfach Spaß.

Ist Snowboard im Winter ein Thema?

Ja, in diesem Winter werde ich wohl noch ein wenig abwarten. Ansonsten fahre ich gerne einmal im Jahr Snowboard.

Es fragte Jochen Mayer.

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