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Dienstag, 02.01.2018

„Ich will die 100 noch vollmachen“

Wie blickt jemand, der 95 wird, ins neue Jahr? Antworten auf diese Frage gibt Elisabeth Fromberger.

Von Udo Lemke

Elisabeth Fromberger: „Man muss immer schauen, dass man Freude am Leben hat, und Optimismus ist ganz wichtig.“
Elisabeth Fromberger: „Man muss immer schauen, dass man Freude am Leben hat, und Optimismus ist ganz wichtig.“

© Claudia Hübschmann

Meißen. Die alte Dame hat Humor: „Am 12. Januar werde ich 95 – ich sage immer, ich bin ein Dinosaurier.“ Elisabeth Fromberger dankt jeden Morgen dafür, dass ihr Geist noch wach ist, auch wenn die Füße nicht mehr so wollen. Sie lebt am Teichertring in Meißen und kommt aus München – nein eigentlich aus Tschechien. Dort, im Sudetenland ist sie 1923 geboren worden. 1945 musste sie ihre Heimat verlassen, wurde in Germering bei München ansässig, wo sie als Verwaltungsangestellte arbeitete. Vor 37 Jahren ging sie vorzeitig in Rente, das war 1980. Und seit elf Jahren lebt sie nun in Meißen. Ihre Nichte, die in München gearbeitet hatte, kehrte zurück und da ist sie mitgegangen – denn hier in Meißen ist der Großteil der Verwandtschaft zu Hause.

Für ihre 95 Jahre ist Elisabeth Fromberger noch erstaunlich rüstig. „Ich koche mir jeden Tag etwas zu essen“, erklärt sie. Nein, nichts Spezielles, das einen so alt werden lässt. „Ich esse, was mir schmeckt, aber ich trinke nicht. Höchstens mal ein Glas Bier zum Abendbrot, oder, wenn ich mir ein Eis leiste, dann einen Schuss Eierlikör. Aber von wegen – gesund leben. . . “

Wenn es ein Geheimnis gibt, dann vielleicht das, dass sie kein Frühaufsteher ist, gern ausschläft: „Das schönste am Ruhestand ist, dass man aufstehen kann, aber man muss nicht.“.

Geistig fit hält sich Elisabeth Fromberger, indem sie die Nachrichten verfolgt. „Man muss ja wissen, was in der Welt vor sich geht. Ist das nicht schlimm, mit diesem Trump in Amerika? Aber bei uns werden sie sich ja auch nicht einig.“ Sie legt manchmal Patiencen, löst Kreuzworträtsel, und ab diesem Jahr will sie sich gemeinsam mit einer Nachbarin eine Tageszeitung halten. „Außerdem habe ich ja noch meine Katze, da habe ich eine Ansprache, sie antwortet auch, bloß, ich verstehe sie nicht.“

Bis 1987 hatte Elisabeth Fromberger noch ihren Mann, der in jenem Jahr an Krebs starb. „Ich hatte ihn daheim, bis zum bitteren Ende, das war nicht schön. Dreißig Jahre bin ich jetzt allein.“ Aber Jammern ist ihre Sache nicht. „Wenn ich manchmal höre, wie alte Leute rumjammern – da mache ich nicht mit.“ Allerdings weiß sie auch, dass es viele arme Leute gibt, die sich nichts leisten können, die für die Kinder zu Hause geblieben sind oder einer schlecht bezahlten Arbeit nachgegangen sind. .

Dann fällt Elisabeth Fromberger aber doch noch ein Rezept für hohes Alter ein: „Man muss immer schauen, dass man Freude am Leben hat, und Optimismus ist ganz wichtig fürs Leben.“ Dazu gehöre auch, sich möglichst nicht zu ärgern, auch wenn ihr das selbst nicht immer gelinge.

„Ich habe ein Dach über dem Kopf, ein gutes Bett und zu essen – die Leute sind oft so unzufrieden.“ Besser wäre es, sich das Positive vor Augen zu halten. Sie sei auch in tiefsten DDR-Zeiten in Meißen gewesen. „Wenn man da vom Burgberg auf die Stadt hinunter geschaut hat, hat man lauter Ruinen gesehen. Jetzt sind die Häuser in Ordnung gebracht – in Meißen geht es doch voran.“

Auf die Frage, was sie sich für 2018 vornimmt, antwortet Elisabeth Fromberger: „Ich nehme mir nichts Besonderes vor, nur, dass ich so bleibe, wie ich bin. Meinem Doktor erkläre ich aber immer, dass er sich Mühe geben soll, dass ich die hundert noch vollmache. Ob es gelingt, weiß ich nicht, aber vor habe ich es.“