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Freitag, 11.05.2018

„Ich war so naiv“

Lange hat Georgina Chapman zu den Vorwürfen gegen ihren Noch-Ehemann Harvey Weinstein wegen sexueller Belästigung geschwiegen. Jetzt gab sie erstmals Einblicke in ihr Seelenleben.

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US-Filmproduzent Harvey Weinstein (l) und seine Frau Georgina Chapman am 16. Mai 2017 bei den Filmfestspielen in Cannes, Frankreich.
US-Filmproduzent Harvey Weinstein (l) und seine Frau Georgina Chapman am 16. Mai 2017 bei den Filmfestspielen in Cannes, Frankreich.

© Ian Langsdon/dpa

New York. Mehr als ein halbes Jahr nach den ersten Vorwürfen der sexuellen Belästigung gegen Harvey Weinstein (66) hat sich seine Noch-Ehefrau Georgina Chapman (42) erstmals ausführlich geäußert. „Es gab einen Teil von mir, der schrecklich naiv war. So naiv“, erklärte die britische Designerin im Modemagazin „Vogue“. Sie selbst habe aber nichts von den Vorfällen gewusst. „Das macht es so unfassbar schmerzhaft: Ich glaubte, eine glückliche Ehe zu führen. Ich liebte mein Leben.“

Seit vergangenen Oktober werfen dutzende Frauen Weinstein öffentlich vor, sie belästigt, misshandelt oder vergewaltigt zu haben. Die Enthüllungen legten den Grundstein für die weltweite #MeToo-Debatte über sexuelle Übergriffe. Der ehemalige Filmproduzent räumte zwar Fehlverhalten ein, wies Vorwürfe von nicht-einvernehmlichem Sex aber wiederholt zurück.

Chapman reagierte damals auf die ersten Berichte, trennte sich und kündigte die Scheidung an. „Ich wusste, dass ich weg und die Kinder hier rausbringen muss.“ Sie habe damals mehrere Kilo abgenommen und sich lange nicht vor die Tür getraut. „Ich will nicht als Opfer gesehen werden, denn das bin ich nicht. Ich bin eine Frau in einer beschissenen Situation, aber damit bin ich nicht alleine.“

Chapman und Weinstein sind seit 2007 verheiratet und haben zwei Kinder im Alter von fünf und sieben Jahren. „Was werden die Leute zu ihnen sagen? Sie lieben ihren Vater“, sagte die 42-Jährige und brach dabei der Reporterin zufolge in Tränen aus. Heute erlebe sie Momente der Wut, der Konfusion und der Fassungslosigkeit.

Die Britin führt zusammen mit einer Freundin das Modelabel „Marchesa“. Nach dem Weinstein-Skandal gab es Boykott-Aufrufe, viele Prominente wollten nicht mehr mit dem Namen des früheren Hollywood-Moguls in Verbindung gebracht werden. Bei der Met-Gala in New York am Wochenende trug Schauspielerin Scarlett Johansson dann erstmals wieder ein Kleid der Marke.

Der Anwalt Weinsteins erklärte unterdessen in einem BBC-Interview, sein Mandant fühle sich „einsam und wütend“. Die Anschuldigungen mehrerer Frauen entsprächen nicht der Wahrheit. (dpa)

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Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. GegenVorverurteilung

    Ich verstehe nicht, dass man bei einer solchen Ehefrau noch fremdgeht. Offenbar war ihm seine eigene Familie nicht viel wert oder er hat schwere Probleme. Waren das Nebenwirkungen von pharmazeutischen Produkten, Leberzirrhosen, Diabetes? Braucht man die eigene Zerstörung als Motor für künstlerisches Schaffen? Sollte dieser Mann aber ein Verbrecher sein, gehört er verurteilt. Dabei muss aber angerechnet werden, dass er viele seiner Opfer reich und berühmt machte mit der Möglichkeit eventuell erlittene Schäden zu lindern. Einige Frauen konnten ihren Familienzweigen damit einen gesellschaftlichen Ausstieg ermöglichen. H. Weinstein wäre, falls er vergewaltigte, kein gewöhnlicher Vergwaltiger. Er hätte zahlreiche Jackpots ausgezahlt. Das sollte sich dann auch im Strafmaß bemerkbar machen. Viele Sexverbrecher verletzen ihre Opfer auch physisch oder töten sie, fast keiner zahlt Schweige-/Schmerzensgeld/ Wiedergutmachung und sorgt für einen Starkarrieren.

  2. Juliane

    Es war oft genug zu lesen, dass betroffene Frauen aus Angst um ihre Karriere schwiegen. Wem persönlicher und finanzieller Aufstieg wesentlich wichtiger sind als die Bestrafung von erlittenem Unrecht, muss sich die Frage gefallen lassen, warum der Ruhm wichtiger war. Jetzt gemeinschaftlich auf dem Mann herumzuhacken (selbst wenn er charakterlich nicht der Vorbildlichste sein mag) und ihm zu schaden, ist ebenso schlechter Stil. Das minimiert die Opfer-Rolle erheblich.

  3. US_zu_undifferenziert_und_populistisch!

    @Juliane Ein Verbrechen ist ein Verbrechen. Eine späte Anzeige eines Verbrechen ist kein Verbrechen. Sollte Herr Weinstein ein Vergewaltiger sein, gehört er natürlich in den Knast, falls das Verbrechen nicht verjährt ist. Doch d. Strafe muss massvoll sein. John Wayne Gayle hat ca. 30 Männer vergewaltigt, gequält und umgebracht. Hätte er in einem Bundesstaat der USA ohne Todesstrafe gelebt, wäre er ein Leben lang im Knast eingesperrt worden. Massenmordende Mafiamitglieder mit Kronzeugen-Deal kommen recht flott frei. Der Arzt Nassar hat Kinderpornographie konsumiert(60 Jahre Haft) und insgesamt zuzügl. d. sexuellen MIssbrauch von hunderten Kindern 175(gerechtf. 25) Jahre Haft bekommen. Aber all diese Kinder überlebten und die meisten sind nicht in der Gosse gelandet oder schwer krank, sondern konnten erfolgreiche bürgerliche Familien gründen. Die US-Justiz liefert Anreize zur Opferbeseitigung. Das ist dumm. Gegenüber Massenmördern,Folterern, Terroristen wurde Nassar benachteiligt.

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