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Montag, 16.04.2018

Hund Chico eingeschläfert

Nach der tödlichen Beißattacke auf seine Besitzer ist Kampfhundmischling Chico eingeschläfert worden. Zwischenzeitlich hatte es Überlegungen gegeben, das Tier in ein spezielles Heim zu bringen. Warum entschieden die Experten anders?

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Der Staffordshire-Terrier-Mischling „Chico“
Der Staffordshire-Terrier-Mischling „Chico“

© Hauke-Christian Dittrich/dpa

Hannover. Der Hund Chico ist zwei Wochen nach der tödlichen Attacke auf zwei Menschen in Hannover eingeschläfert worden. Dazu entschied sich die Veterinärbehörde am Montag nach einer Untersuchung des Staffordshire-Terrier-Mischlings, wie die Stadt mitteilte.

Zuvor hatte die Behörde sich mit Experten der Tiermedizinischen Hochschule, des Tierschutzvereins Hannovers und des Landwirtschaftsministeriums beraten. Der Kampfhundmischling hatte seine 52 Jahre alte, im Rollstuhl sitzende Besitzerin und deren 27 Jahre alten Sohn totgebissen.

Chico litt an einer stark schmerzhaften frischen Kieferverletzung. Wegen der Schwere der Verletzung, die vermutlich in der Zeit um die Beißattacke entstanden ist, habe die Veterinärbehörde die Entscheidung getroffen, Chico noch in der Narkose einzuschläfern, sagte Stadtsprecher Udo Möller. Wie die „Bild“-Zeitung zuvor berichtete, hatte Chico zwei kaputte Fangzähne und eine offene Verbindung zur Nasenhöhle. Das Tier hätte demnach häufig operiert werden müssen, um das zu beheben, und galt als unberechenbar.

Fast 290 000 Menschen hatten eine Online-Petition gegen eine Tötung des Tiers unterstützt. „Bitte lasst Chico leben! Er hatte nie ein gutes Hundeleben!“, lautete der Internet-Aufruf. Nach tödlichen Attacken ist es üblich, dass die Tiere eingeschläfert werden.

Auf Vorschlag des Tierheims hatte die Stadt Hannover allerdings auch erwogen, Chico in einer Spezialeinrichtung außerhalb Niedersachsens unterzubringen. Infolge seiner fehlenden Sozialisation hätte Chico aber nur isoliert von anderen Hunden gehalten werden können und sei aufgrund seiner Aggressivität für Menschen nicht mehr als Sozialpartner in Frage gekommen, sagte Stadtsprecher Möller.

Wegen Versäumnissen im Umgang mit dem gefährlichen Hund war die Stadt unter Druck geraten. 2011 bereits hatte das Veterinäramt Hinweise auf eine gesteigerte Aggressivität des Hundes und eine mangelnde Eignung des Halters erhalten, hatte der Ordnungsdezernent einräumen müssen. Die Behörde griff aber nicht durch.

Deswegen ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover inzwischen wegen fahrlässiger Tötung gegen unbekannt. Geprüft wird, ob vor sieben Jahren jemand einen strafrechtlich relevanten Fehler gemacht hat. Möglicherweise hat auch die schmerzhafte Kiefererkrankung die Attacke des Hundes ausgelöst. Parallel prüft die Stadt arbeitsrechtliche Konsequenzen für beteiligte Mitarbeiter. (dpa)

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 11 Kommentare

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  1. Hardy6712

    Eine kluge und richtige Entscheidung. An diesem reisswütigen und unerziehbaren Köter war Hopfen und Malz verloren...

  2. Juliane

    "und sei aufgrund seiner Aggressivität für Menschen nicht mehr als Sozialpartner in Frage gekommen" - Es gibt Videoaufnahmen, die zeigen, wie der Hund einer Tierheimmitarbeiterin aus der Hand fraß und begeistert an der frischen Luft spazieren ging. Wer weiß, seit wie langer Zeit das erste Mal. Es werden haufenweise überhaupt nicht sozialisierte Hunde aus Osteuropa hergebracht und vermittelt. Da wird immer wieder auf Hundeschule, viel Zeit und Zuwendung usw. verwiesen. Diese Chance wurde dieser gequälte Seele verwehrt. Meines Wissens nach gab es auch Spenden, welche für die notwendigen OPs hätten eingesetzt werden können. Dass *jetzt* wegen Versäumnissen von vor sieben Jahren ermittelt wird, nützen weder dem Hund noch seinen beiden ehemaligen Besitzern.

  3. Werner

    @Hardy6712: würde mich mal interessieren, was aus Ihnen werden würde nach 8 Jahren Käfighaltung, Misshandlungen und ohne soziale Kontakte...

  4. Hardy6711

    @3. Die Frage erübrigt sich, da ich nicht im Käfig lebe, nicht misshandelt werde und umfangreiche soziale Kontakte unterhalte. Aufgrund der Gesamt-Umstände dieses Falles wundert es mich, dass trotz einer Schwerstbehinderten in diesem Haushalt behördlicherseits keine Hausbesuche erfolgten, die den tragischen Ausgang wahrscheinlich hätten verhindern können.

  5. ich

    Merkwürdig, der Wolf soll rigoros bejagt werden, weil er doch gefährlich werden könnte. Angriffe auf Menschen in D sind jedenfalls nicht bekannt. Aber ein Hund, der nachweislich Menschen getötet hat, wird betrauert, von all denen, die doch ersteres fordern. Verrückte Welt...

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